Die Köpfe im Asset-Management
Credit Suisse spielt die Hedge-Funds-Karte

In schweren Börsenzeiten rücken alternative Investments immer stärker in den Vordergrund. Die Vermögensverwalter der Credit Suisse wollen auf diesem Feld stärker mitmischen. Im traditionellen Anlagegeschäft werden sie sich nach eigener Einschätzung unter den weltweiten Top Fünf behaupten.

FRANKFURT/M. Der Mann tritt mit schweizerischer Zurückhaltung auf, obwohl er gebürtiger Amerikaner ist: Michael Kenneally. Erst seit vier Monaten ist er neuer Chairman und Chief Executive Officer von Credit Suisse Asset Management (CSAM). Seine strategischen Ideen dürften in der Branche aufmerksam beobachtet werden, denn er ist Herr über knapp 300 Mrd. $. Damit ist die Vermögensverwaltungssparte der Credit Suisse die Nummer vier im internationalen Feld der Fondshäuser.

Kenneally kreist in einem Handelsblatt-Gespräch seine zukünftigen Aktivitäten ein: Stärkung des Bereiches Alternative Investments, Angebot von Hedge-Funds in Deutschland, Einstellung weiteren Personals, eventuell eine Umstrukturierung von CSAM in den USA. Der ehemalige Chef der Anlagesparte der Bank of America ist derzeit noch auf Europatour bei institutionellen Kunden. Der 48-jährige will "sicherstellen, dass die Performance stimmt, denn Europa ist unser wichtigster Markt."

Ein größerer Teil des verwalteten Geldes wird zwar für Institutionelle betreut. Aber auch im Privatkundengeschäft will Kenneally den Markennamen Credit Suisse in die Waagschale werfen: "Die europäischen Banken öffnen sich für den Verkauf von fremden Produkten, und davon werden wir dank unseres guten Namens profitieren." Dennoch gibt es keinen Grund zum Ausruhen. Ein Londoner Bankenanalyst spricht von einem "gewissen Performanceproblemen bei CSAM". Dagegen will der Analyst der Fondsresearchfirma Morningstar, Kai Wiecking, dieses Thema nicht überbewerten. "Per saldo bietet die Firma gutes Mittelmaß bei ihren Publikumsfonds, auch wenn die Anlageergebnisse im vergangenen Jahr tendenziell leicht abgefallen sind", sagt er.

CSAM-Chef Kenneally sieht sich indes gut gerüstet - trotz der Krise in der Asset-Management-Branche. Er beschreibt das Problem: "Viele Kosten sind fix, aber wenn in der Baisse die Einnahmen sinken, geraten manche Häuser mit schmalem Produktangebot unter Druck." Das beste Beispiel ist für ihn die Janus Group, der ehemalige Highflyer aus den USA. Die Anleger warfen dem Spezialisten für US-Wachstumswerte in den Haussejahren das Geld hinterher. Mit der Baisse kam das Desaster: Weil die Tech-Titel kollabierten, verlor die Gesellschaft mehr als die Hälfte des verwalteten Geldes. Das Schweizer Haus steht anders da: "Wir sind mit Aktien, Anleihen, alternativen Investments und Immobilien viel breiter aufgestellt." Deshalb sei das verwaltete Vermögen in den vergangenen Jahren sehr stabil geblieben.

Kenneally erkennt eine zunehmende Nachfrage nach alternativen Investments. Die entsprechende CSAM-Sparte sei mit 7 Mrd. $ relativ groß. "Wir wollen das ausbauen, dafür soll Jack DiMaio sorgen, unser neuer Chef dieser Sparte." In Deutschland stehen die Schweizer in den Startlöchern, wenn Finanzminister Hans Eichel seine Pläne zur Zulassung von Hedge-Funds ab Anfang kommenden Jahres realisiert. "Wir werden dabei sein", sagt Hansjörg Herzog, Geschäftsführer der deutschen Investmentgesellschaft von CSAM. Nach drei Jahren Aktienbaisse haben sich die Ansprüche der Anleger grundlegend verändert. "Wir müssen in der Lage sein, dem Sicherheitsbedürfnis unserer Kunden gerecht zu werden und ihnen einen absoluten positiven Ertrag zu liefern", sagt CSAM-Europachef Henry Wegmann.

Auf dem globalen Spielfeld hat Kenneally nach eigener Einschätzung gute Karten. "Wichtige Vorteile sind unsere Größe, unsere Vertriebskraft und die Breite unseres Produktangebots", sagt er. Deshalb glauben die Schweizer trotz der allgemeinen Spezialisierungstendenzen in der Branche, ihre Doppelrolle weiter spielen zu können. "Wir werden Asset-Manager und Produktverkäufer bleiben", sagt Kenneally. Nach seiner Vorstellung werden weltweit nur sehr wenige große Spieler den Markt dominieren: "Zu den Top Fünf dürften Capital Group, Fidelity, UBS, wir und vielleicht Amvescap gehören."

Mit Blick auf die Märkte macht der CSAM-Chef Mut. "Wir haben das Schlimmste hinter uns", verbreitet er vorsichtigen Optimismus. Jetzt gelte es, die Gunst der Stunde zu nutzen: "Es gibt ausgezeichnete Gelegenheiten, sowohl gute Mitarbeiter einzustellen als auch neue Kunden zu gewinnen." Aber, so ergänzt er: "Manche unserer Wettbewerber denken da etwas kurzsichtig." In Deutschland beispielsweise zeigen sich die Schweizer wenig sparwillig. "Unser Marketingbudget haben wir in den vergangenen zwei Jahren konstant gehalten", sagt Herzog. Das Unternehmen setzt hier zu Lande übrigens nicht nur auf den Hedge-Funds-Aufschwung. "Eine Reform der Altersvorsorge ist unausweichlich und wird den Markt voranbringen", ist Wegmann überzeugt.

Quelle: Handelsblatt

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