Die Köpfe im Asset-Management
Geldmanager Gabelli glaubt an die Aktie

Mario Gabelli, 59, seit mehr als 30 Jahren Vermögensverwalter und Fondsmanager, demonstriert Leidenschaft- jetzt erst recht.

NEW YORK. Der silbergraue, großgewachsene Mann im dunkelblauen Streifenanzug hat italienisches Temperament. Er diskutiert mit bewegter Mimik, beugt sich vor, lehnt sich zurück, hebt den Zeigefinger, schaut sein Gegenüber intensiv an. Mario Gabelli, 59, seit mehr als 30 Jahren Vermögensverwalter und Fondsmanager, demonstriert Leidenschaft- jetzt erst recht. Schwierige Zeiten wie diese sind die große Stunde wertorientierter Investoren wie er selbst einer ist, glaubt er. "Wer Gewinne machen will, muss im Bärenmarkt kaufen", sagt er. Oder: "Ist doch großartig, wenn so viele Investoren davonrennen. Es bleibt ein Rest, der weiß was er tut."

Optimismus braucht er in diesen Tagen. Mario Gabelli ist Gründer und Chef der Gabelli Asset Management Inc., einer seit 1999 auch börsennotierten Vermögensverwaltung, die zu 90% in Aktien investiert und den wilden Schwüngen der Märkte nahezu ungeschützt ausgeliefert ist. Von August 2001 bis Ende Juli hat sich der Kurs der Gabelli-Aktie von 48$ auf 24,80 $ nahezu halbiert, inzwischen ist er wieder auf etwas über 30$ angestiegen. Zu Gabellis Gruppe gehören eine Familie von Fonds, Vermögensverwaltungen von Privatkunden, Pensionsfonds und das Brokerhaus Gabelli Company Inc. Seine auf den Lehren des legendären Wert-Investors Benjamin Graham basierenden Investmentprinzipien haben ihm über Jahre gute Renditen und einen ausgezeichneten Ruf eingebracht. Doch jetzt bekommt auch er die Folgen der geplatzen Blase zu spüren.

"Die von uns betreuten Vermögen gehen mit dem Einbruch der Kurse zurück", gesteht er ein. Wertpapieranalyst William Katz von der Investmentbank Merrill Lynch sagt: "Gabellis Stärke, die Aktienanlage, macht ihn jetzt anfällig." Rund 24 Mrd.$ verwaltet Gabellis Gruppe, 90 % davon in Aktien. Eine Rendite von 15 % p.a. könne er seinen Investoren in den nächsten zehn Jahren erwirtschaften, glaubt Gabelli, eine Wiederanlage der Dividenden eingeschlossen. Das sei realistisch. Immerhin habe er es in den vergangenen zehn Jahren auf durchschnittlich 20 % p.a. gebracht. Viele seiner Fonds sind vom Fondsresearchunternehmen Morningstar mit vier oder fünf Sternen ausgezeichnet, gehören demnach zur Spitzenklasse.

Gabellis Manager konzentrieren sich bei ihren Käufen auf Unternehmen mit hohem Cash, solidem Gewinnwachstum und einem Kurs unterhalb des fairen Wertes. "Viele Aktien erscheinen jetzt sehr preiswert", sagt der Stratege. Dazu zählt er Pepsi Cola Bottling, den Hersteller von Bourbon Whisky Brown-Forman, den Medienkonzern Fox oder den Unterhaltungskonzern Metro Goldwyn Mayer: "Jetzt ist die Zeit, um solche Werte zu kaufen."

Doch manche Investoren und Analysten zweifeln, ob traditionelle Anlagegrundsätze sich im gegenwärtigen Umfeld behaupten könen. Analyst Guy Mozkowski von der Investmentbank Salomon Smith Barney hat die Gabelli Asset Management Aktie gerade von "überdurchschnittlich" auf "neutral" abgestuft. Auch Merrill Lynch?s Katz urteilt: "Der Einbruch der Märkte wird sich auf die Einnahmen auswirken. Gabelli hat sich auf Aktien spezialisiert. Die Frage ist, ob das in einer Zeit ausreicht, in der Investoren von Aktien Abstand nehmen." Es gebe keine anderen Erfolgsfaktor als eine Erholung der Aktienmärkte.

Bis zu einem dauerhaften Börsenaufschwung könne noch eine Weile vergehen, gesteht Gabelli ein. Im abgelaufenen Quartal ist es ihm immerhin gelungen, die Einnahmen leicht von 57 auf 57,4 Mill. $ zu steigern. Geschrumpfte verwaltete Vermögen glich er mit neuem Beratungs- und Verwaltungsgeschäft aus. Das Nettoergebnis fiel allerdings um 12 % auf knapp 14 Mill. $.

Etwa die Hälfte der verwalteten Vermögen steckt in Investmentfonds für Privatanleger. Die andere Hälfte stammt von institutionellen Anlegern und Superreichen. "Die Aussichten für unser Geschäft bleiben gut", meint Gabelli. Begründung: "Die private Altersvorsorge mit ihrer staatlichen Förderung nimmt zu. Außerdem müssen die großen Konzerne jetzt deutlich mehr Geld für die Betriebsrente ihrer Beschäftigten zurücklegen."

Selbst Europa, wo die Aktienkultur noch jünger sei, bleibe nach der geplatzten Börsenblase ein Kapitalmarkt mit Zukunft, sagt Gabelli. Seit Europa von Messina bis Helsinki und von Budapest bis London zusammengeschmolzen ist, biete es großartige Investitionschancen. "Ich glaube, dass für die Zukunft Europas der Fall der Mauer entscheidender war als der Euro. Es ist ein Triumph der Ideen von Adam Smith über Karl Marx."

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