Die kommenden Feiertage können zur Hast verführen – oder zum Rückzug ins Kloster
Der Rest ist Schweigen

Fromm braucht man nicht zu sein. Dies wird nicht von den Gästen verlangt, die zu allen Jahreszeiten im Kloster stets willkommen sind, um sich für eine Weile der Hektik des Alltags zu entziehen und in sich zu gehen.

Nur das Kruzifix mit dem Gekreuzigten steht im Licht. Durchs dunkle Innere der Abteikirche sind die Silhouetten der Mönche, die sich auf ihre Plätze im Chorgestühl begeben, dagegen kaum auszumachen. Schemen - einer links, einer rechts. Und vorneweg der Abt.

Im Wechselgebet psalmodieren die Mönche Lobpreisungen und Fürbitten, bereiten so eine kontemplative Abendstimmung, der sich selbst der gottloseste Zuhörer und Klostergast nicht entziehen kann. Damit uns Besuchern nicht allzu kalt wird, unterziehen wir uns nach dem Vorbild der Mönche dem katholischsten aller Rituale, dieser ewig rätselhaften Abfolge von knien, aufstehen, hinsetzen und retour. Auf. Nieder. Aerobic mit Andacht.

Die Komplet, das abschließende Abendgebet (nicht nur) der Zisterziensermönche zu Himmerod, sie ist vielleicht die eindrucksvollste Liturgie in einer tagtäglichen Reihe von sechs Stundengebeten, die frühmorgens um halb fünf mit den Vigilien beginnt. Auch ein paar der Klostergäste finden sich schon um diese Zeit im Gebetsraum ein, um an Wechselgesang, Bibellesung und Gottesdienst teilzunehmen.

Der eine oder die andere traut sich, in den Wechselgesang einzufallen - leise genug, damit falsche Brummtöne in den Stimmlagen der Profis nicht weiter auffallen. Und eindeutig genug, um dem frühen Tag und sich selbst eine erste Melodie zu geben. Wie kann etwas besser starten als mit ein wenig Gesang?

Fromm braucht man dazu selbst hier nicht zu sein, nicht einmal besonders gottgläubig. Solche Eigenschaften werden im Übrigen auch nicht von Gästen verlangt, die sich zu allen Jahreszeiten hier einfinden und im Kloster stets willkommen sind, getreu der 53. Regel des Ordensgründers Benedikt: "Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus: Denn er wird sagen: ,Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen?."

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