Die Konjunktur unter der Lupe
Arbeitslosigkeit bleibt das große Problem

"Die Slowakei zählt heute zu den erfolgreichsten Ländern unter den künftigen EU-Mitgliedern" heißt es in einer offiziellen IWF-Mitteilung. Und in der Tat, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Landes kann sich sehen lassen.

BRATISLAVA. Während die Länder der Visegrad-Gruppe (Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn) im Jahr 2002 insgesamt ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von 2,5 % erzielt haben, konnte die Slowakei ein Plus von 4,4 % (nach 3,3 % im Vorjahr) verbuchen.

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Der Wirtschaftsaufschwung hält nicht nur 2003 nahezu unvermindert an - zu rechnen ist mit einem BIP-Zuwachs von 4,0% -, sondern wird den jüngsten Prognosen des Finanzministeriums zufolge sich auch in den nächsten Jahren mit Wachstumsraten von 4,1% im Jahr 2004 und 4,5 % (2005) fortsetzen. Die Exporte sind der Motor für diese Entwicklung.

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Allein im 1. Halbjahr 2003 haben die Ausfuhren im Vergleich zur Vorjahresperiode um mehr als ein Fünftel zugelegt. Dank der großen Exportzuwächse und der geringeren Importdynamik dürfte sich auch das Leistungsbilanzdefizit 2003 gegenüber 2002 um 3,6 Prozentpunkte auf 4,6 % des BIP verringern.

Das künftige Wachstum wird aller Voraussicht nach auch von einer Belebung der Investitionstätigkeit und einer im Vergleich zu 2003 wieder stärker anziehenden inländischen Nachfrage getragen. Aufgrund der schon umgesetzten oder geplanten Freigabe der Preise bei bestimmten Gütern (vor allem Energie) und der Anhebungen von Verbrauchssteuern wird die Inflationsrate sowohl 2003 als auch 2004 jeweils über 8 % liegen. In den beiden Folgejahren werden die Preissteigerungen mit ca. 3 bis 4 % deutlich geringer ausfallen.

Dieses recht hohe Wirtschaftswachstum der Slowakei kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die wirtschaftliche Leistung pro Einwohner noch unter 50 % des entsprechenden EU-Durchschnitts liegt und die Republik namentlich in den Bereichen Arbeitsmarktpolitik und öffentliche Finanzen noch viele Probleme zu lösen hat.

Doch auch in diesen Sektoren ist eine spürbare Besserung in Sicht. In den nächsten zehn Jahren will die Slowakei auf eine Wirtschaftsleistung kommen, die mindestens 75 % des heutigen durchschnittlichen Wertes der EU-Länder entspricht.

In den einzelnen Regionen der Slowakei stellt sich das Beschäftigungsproblem in unterschiedlicher Schärfe dar. Während die Arbeitslosenrate in der Landesmetropole bei lediglich 4 % liegt, beträgt sie in einigen mittelslowakischen und vor allem in den ostslowakischen Landesteilen (Bezirke Kosice und Presov) 20 % und mehr. Um die insgesamt hohe Arbeitslosigkeit - im Schnitt beträgt die Rate um die 15 % - in den Griff zu bekommen, hofft die Regierung auf den Zuzug weiterer ausländischer Investoren.

Im Jahr 2002 konnte die Slowakei zwar ein Rekordvolumen an ausländischen Direktinvestitionen verzeichnen (4 Mrd. US$), doch handelt es ich bei diesem Kapitalzufluss zu 85 % um reine Firmenkäufe im Rahmen der Privatisierung. "Ihre Reifeprüfung als attraktiver Standort für ausländische Produktionsunternehmen muss die Slowakei erst noch bestehen", stellt der Generaldirektor der Sektion Unternehmensgründung und-förderung im Wirtschaftsministerium, Peter Ondrejka, unmissverständlich klar. Der neue Wirtschaftsminister, Pavol Rusko, erklärte jüngst, dass "2004 zu einem Jahr der großen ausländischen Investitionen" in der Slowakei werden solle.

Die Karten hierfür stehen gut. Die zentrale Investitionsagentur Sario hat gegenwärtig 110 Projekte vorliegen, die ausländische Investoren in nächster Zeit in der Slowakei realisieren wollen. Das wertmäßige Gesamtvolumen der Vorhaben beläuft sich nach Angaben des für Exporte zuständigen Direktors der Agentur, Ladislav Balko, auf 3,3 Mrd. Euro. Dadurch sollen 25 000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Auch die von der Regierung forciert vorangetriebene Steuerreform, die grundlegende Neustrukturierung des Rentensystems sowie Verbesserungen im Gesundheitswesen werden nach Einschätzung des IWF und anderer ausländischer Marktbeobachter in absehbarer Zeit zu einer spürbaren Stärkung der slowakischen Wirtschaft führen.

Insbesondere durch die jüngst beschlossene Steuerreform, die einen einheitlicher Steuersatz von 19 % für alle juristischen und natürlichen Personen ab 2004 vorsieht, ist ein erheblicher Anreiz für neue Investoren geschaffen worden. Damit hat das Land eine wesentliche Voraussetzung für Investitionen neuer in- und ausländischer Unternehmen geschaffen. "Die Slowakei wird zu einem Paradies für Investoren. Es scheint, als hätten internationale Investoren eine Wette auf den Erfolg der Slowakischen Republik abgeschlossen, und deshalb haben sich schon viele entschieden, hier zu investieren" führte der Generalsekretär der OECD, Donald J. Johnston, auf der Mitte September 2003 in der Hohen Tatra durchgeführten Ratstagung aus.

Große Hoffnungen setzen die Slowaken natürlich auch auf den ab 2004 zu erwartenden beträchtlichen Zufluss von EU-Geldern. Zahlreiche Projekte in Industrie, Umweltsektor oder Infrastruktur harren der Realisierung. Das Finanzministerium beziffert die Nettozuflüsse in den Jahren 2004 und 2005 auf jeweils 16,5 Mrd. Kronen (rd. 400 Mill. Euro) und im Folgejahr auf 18,6 Mrd. Kronen (450 Mill. Euro) - das sind 1,3 % des Bruttoinlandsprodukts. Nach einer Regierungsprognose liegt das größte Entwicklungspotenzial in den nächsten fünf bis sieben Jahren in der Automobilindustrie, Informationstechnologie, Pharmazie und Biotechnologie sowie im Fremdenverkehr und Bäderwesen.

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