Archiv
'Die konjunkturelle Durststrecke ist vorbei' - es bleiben Risiken

Die deutsche Wirtschaft kommt aus dem Tal - ist aber noch keineswegs über den Berg. Die wirtschaftliche Leistung wächst so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr. Volkswirte sprechen von einem "stabilen Aufwärtstrend", einer "erfreulichen Belebung" und dem "Ende der hartnäckigen Stagnation". Das Land stehe am Beginn des Aufschwungs. "Die konjunkturelle Durststrecke der letzten drei Jahre ist vorbei", zieht der Chefvolkswirt der Deka-Bank Ulrich Kater Bilanz. Der Aufwärtstrend ist aber immer noch sehr stark vom Export abhängig und damit störanfällig.

dpa-afx WIESBADEN. Die deutsche Wirtschaft kommt aus dem Tal - ist aber noch keineswegs über den Berg. Die wirtschaftliche Leistung wächst so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr. Volkswirte sprechen von einem "stabilen Aufwärtstrend", einer "erfreulichen Belebung" und dem "Ende der hartnäckigen Stagnation". Das Land stehe am Beginn des Aufschwungs. "Die konjunkturelle Durststrecke der letzten drei Jahre ist vorbei", zieht der Chefvolkswirt der Deka-Bank Ulrich Kater Bilanz. Der Aufwärtstrend ist aber immer noch sehr stark vom Export abhängig und damit störanfällig.

Die Aussichten für das Gesamtjahr sind sogar besser als noch zu Jahresanfang gedacht. Vor kurzem haben führende Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognosen für dieses Jahr angehoben. Die Wirtschaft könnte 2004 um 1,8 %, vielleicht aber auch 2,0 % zulegen (wobei die höhere Zahl an Arbeitstagen für 0,6 % Plus sorgt). Im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit zwar nur einen der mittleren Plätze. Die US-Wirtschaft dürfte in diesem Jahr um 4,4 %, Japan um 4,2 % wachsen. Dennoch ist es nach der Mini- Rezession von 0,1 % im vergangenen Jahr eine Trendwende.

Export Läuft Stärker ALS Erwartet

Der Grund für den Optimismus ist simpel: "Trotz des starken Euro läuft der Export besser als noch vor wenigen Monaten erwartet", sagt Volkswirt Kater. Der Wachstumsbeitrag des Außenhandels hat im zweiten Quartal nach Schätzungen 0,75 % betragen. Exportweltmeister Deutschland wird laut Prognosen 2004 die realen Exporte um bis zu 10 % steigern. Das gibt Anlass zur Freude - aber auch zur Sorge.

"Deutschland hängt am Tropf der Weltwirtschaft. Von einem selbsttragenden Aufschwung kann nicht die Rede sein", kommentiert die Commerzbank die Entwicklung. Die Weltkonjunktur werde sich in der zweiten Jahreshälfte in den USA und Asien jedoch abkühlen. "In Deutschland sehe ich im zweiten Halbjahr keine Fortsetzung der hohen Wachstumsraten", sagt der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Michael Heise.

Exportfunke Noch Nicht AUF Binnennachfrage Übergesprungen

Der Funke des Exports ist noch nicht auf die Binnennachfrage übergesprungen. Bislang profitieren vom Ausfuhrgeschäft allein die Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Angesichts der niedrigen Kapazitätsauslastung investieren sie aber nur sehr zögerlich in die Erweiterung ihrer Firmen. Solange der Investitionszyklus nicht einsetzt, werden keine neuen Arbeitsplätze aufgebaut. "Die Konjunktur geht noch am Arbeitsmarkt vorbei", berichtet die Dresdner Bank. Seit Januar sei die Zahl der Erwerbstätigen saisonbereinigt im Schnitt pro Monat um rund 25 000 gesunken. Die Arbeitsmarktreform Hartz-IV werde die Lage am Arbeitsmarkt zwar verbessern, allerdings erst 2005.

Achillesferse der Konjunktur bleibt der private Konsum, der zwei Drittel zur Wirtschaftsleistung beiträgt. Nur wenn die Sparsamkeit der Verbraucher nachlässt, wird aus dem Exportboom ein anhaltender Aufschwung. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung GfK hat sich das Konsumklima im Juli weiter verschlechtert. Vor allem die Angst vor Arbeitslosigkeit, die Zuzahlungen im Gesundheitswesen und die Benzinpreise vermiesten den Deutschen die Lust am Einkauf.

'Ölpreis Wird Unterschätzt'

Als dunkle Wolken am Konjunktur-Horizont gelten zudem die Rekordölpreise. "Der Ölpreis wird unterschätzt", sagt Volkswirt Heise. "Der derzeitige Wert von über 40 $ ist eine erhebliche Bremse für die Konjunktur." Die Faustregel lautet, dass ein dauerhaft um zehn Dollar höherer Ölpreis das Wirtschaftswachstum in Deutschland um einen halben Prozentpunkt niedriger ausfallen lässt. Der Rohölpreis wirkt wie eine höhere Steuer und entzieht den Bürgern Kaufkraft - der Konsum wird abgewürgt. "Wenn der Ölpreis hoch bleibt, werden wir unsere Prognose wieder senken", sagt Volkswirt Kater.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%