Die Konkurrenz ist groß
Online-Auktionshäuser buhlen um Zuschlag der Kunden

Reuters HAMBURG. Autos und Computer, Münzen und Modell-Eisenbahnen, die Lederweste von John Wayne und ein Abendkleid von Marilyn Monroe - bei Internet-Auktionshäusern ist fast alles per Mausklick zu ersteigern. Wer aber von den mehr als zehn deutschen Online-Versteigerern letztlich den Zuschlag der Internet-Surfer bekommt, wird sich nach Einschätzung von Experten bald zeigen. "Die Konkurrenz ist inzwischen sehr groß, nur ein oder zwei werden überleben", sagt der Chefredakteur der Zeitschrift "Internet World", Pit Klein. Und Gewinne scheinen anfangs in weiter Ferne zu sein, wie die tiefroten Zahlen des Online-Versteigerers ricardo.de am Donnerstag zeigten.

Bei dem Hamburger Auktionshaus wuchs der Verlust im vergangenen Jahr um mehr als das 13-fache auf knapp 37 Mill. DM. Um mit dem Weltmarktführer aus den USA, eBay, konkurrieren zu können, will ricardo.de nun mit dem britischen Mitbewerber QXL fusionieren. Die drei sind zusammen mit E-Hammer sowie AndSold von Bertelsmann die großen Adressen in Deutschland. Hinzu kommen einige kleinere Häuser sowie Offerto, das wie schon zuvor eBay, ricardo.de und QXL.com an die Börse gehen will.

Doch die Gunst der Investoren hängt vor allem von den Vorlieben der Internet-Surfer ab, die schließlich den Versteigerern Geld in die Kassen spülen sollen. Nach Ansicht von "Internet-World"-Chefredakteur Klein hat der große Ansturm auf die Internet-Auktionen aber bereits nachgelassen. "Nur am Anfang sind alle hingestürmt und haben Handel mit allem Möglichen getrieben", sagt Klein weiter. Das sei in den vergangenen Monaten deutlich abgeebt.

Bei der scharfen Konkurrenz habe eBay den Vorteil, auf gute Erfahrungen mit eifrigen Online-Bietern und entsprechend schwarzen Zahlen in den USA zurückgreifen zu können, sagt Klein. Andererseits sei ricardo.de unter deutschen Internet-Nutzern sehr bekannt. Bei AndSold könne er sich vorstellen, dass der elektronische Hammer später einmal auf den Seiten des Bertelsmann-Internet-Buchladen bol.com erfolgreich fallen wird. "Es muss sich aber auch zeigen, ob die Auktionen langfristig Nutzwert haben oder nur eine der Eintagsfliegen im Internet sind."

Serviceausbau ist zwingend erforderlich

Diese Ansicht teilt auch Stella Dombrowski, Expertin für die E-Commerce-Branche bei der Frankfurter BHF-Bank. "Die Auktionshäuser werden langfristig nur überleben, wenn auch der Service ausgebaut wird", sagt sie. Die Zahlsysteme und die Lieferung der Waren müssten funktionieren genauso wie die Beratung. Die meisten Online-Auktionshäuser haben bereits Treuhandsysteme eingeführt, bei denen das Geld vom Käufer gegen eine Gebühr erst an den Verkäufer weitergeleitet wird, wenn der Käufer mit dem Produkt zufrieden ist. Für Beträge bis 250 Mark werden mitunter Garantien der Versteigerer gegeben. Besonders wichtig sei aber der Ausbau der Beratung, sagt Dombrowski. Call-Center müssten die Kommunikation sicher stellen. Sonst sei das Internet nur ein elektronischer Katalog und damit langfristig unattraktiv.

Auch Verbraucherschützer hegen noch immer Zweifel an Online-Auktionen. "Man muss sich darüber klar sein, dass man auf einen besseren Flohmarkt geht, nur eben elektronisch", sagt Georg Tryba von der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen. Das Gewährleistungsrecht, nachdem Käufer ein halbes Jahr Ware umtauschen oder gegen Geld zurückgeben könnten, gelte dort nicht. "Wer weiß, ob das Buch nicht zerfleddert und die CD nicht zerbrochen bei mir ankommt", sagt Tryba. Garantien und Treuhandsysteme seien in der Regel kostenpflichtig und lohnten sich gerade bei niedrigen Preisen wie für Bücher und CDs nicht.

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