Die Krise in Argentinien wird als weiterer Beweis für die Instabilität und Labilität der Emerging Markets gewertet
Argentiniens Probleme gelten als hausgemacht

Die wirtschaftlichen Probleme Argentiniens sind ein weiteres Beispiel für die anhaltende Instabilität und Labilität der Emerging Markets. Die Krise in diesem lateinamerikanischen Land ist nur einer von zahlreichen Brandherden, mit der die Belastbarkeit des Welt-Finanzsystems in den vergangenen Jahren getestet wurde. Doch nur einmal - nämlich während der Asienkrise in den Jahren 1997/98-gerieten die Säulen des Welt-Finanzsystems tatsächlich ins Wanken.

FRANKFURT/M. Argentiniens Probleme gelten in erster Linie als "hausgemacht". Der Streit zwischen Wirtschaftsminister Domingo Cavallo und Zentralbankchef Pedro Pou zeigt indes, dass es auf oberer Ebene einen starken Dissenz in wirtschafts- und geldpolitischen Fragen gibt. Unbedachte Äußerungen von Politikern waren jüngst in der Türkei und jetzt in Argentinien die Auslöser für eine krisenhafte Entwicklung. Nachdem Cavallo in einem offenen Brief barsche Worte für das Verhalten Pous fand, wird an den Märkten jetzt um die Unabhängigkeit der Zentralbank gefürchtet. Die Erinnerung an die Zeit der Hyperinflation verschreckt die Großanleger.

Lage hat sich zugespitzt

Auch wenn die Märkte eine klare Linie in der Wirtschafts- und Geldpolitik vermissen, so gehen die meisten Ökonomen ähnlich wie vor einigen Wochen im Fall Türkei heute auch im Fall Argentinien davon aus, dass ein Flächenbrand an den Emerging Markets vermieden werden kann. Die Lage hat sich zweifellos zugespitzt. Die Märkte hoffen darauf, dass sich Wirtschaftsminister Cavallo das Vertrauen der Finanzmärkte zurückerobern kann, das er bereits Anfang der 90er-Jahre als Minister genoss. Eine Gefahr für die Stabilität des Welt-Finanzsystems ist deshalb nicht zu sehen, weil in den Industrieländern Lehren aus den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit gezogen wurden. Nachdem supranationalen Finanzinstituten wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank im Jahr 1998 vorgeworfen wurde, die Vorboten der tiefen Asienkrise schlichtweg verschlafen zu haben, wurden von dieser Seite die globalen Kontroll- und Überwachungsmechanismen erheblich verbessert.

Die in diesem Zusammenhang während der vergangenen Jahre geknüpften Sicherheitsnetze haben das Welt-Finanzsystem stabilisiert. Das heißt jedoch nicht, dass es nicht immer wieder zu isolierten Krisen in einzelnen Emerging Markets kommen kann. Denn sowohl politisch als auch wirtschaftlich weisen die meisten der Emerging Markets in der Regel noch sehr junge und damit entsprechend fragile demokratische Strukturen auf.

Vor allem in den einstmals sozialistisch regierten Ländern war der simple Versuch zum Scheitern verurteilt, moderne ökonomische Denkmodelle auf unbrauchbaren politischen und ökonomischen Strukturen alter Prägung aufsetzen zu wollen. In vielen Märkten sind Korruption und Unterschlagung noch immer an der Tagesordnung. Als Fehler erwies es sich, dass einige Emerging Markets den Versuch starteten, Kapitalismus ohne Kapital realisieren zu wollen.

Hinsichtlich der Finanzmarkt-Strukturen in diesen Ländern ist ein grundsätzlicher Mangel an Transparenz, Liquidität, Marktbreite und Markttiefe festzustellen. Ungeachtet der erzielten Fortschritte werden berechtigte Interessen ausländischer Investoren in einigen Staaten zudem noch immer mit Füßen getreten. Wenn führende Wissenschaftler in den vergangenen Jahren bereits die Notwendigkeit der Existenz des IWF als Finanzierungsquelle für die Entwicklungsländer in Frage stellten, so dürften sie durch die jüngsten Krisen eines Besseren belehrt worden sein. Die Krisen in der Türkei und in Argentinien zeigen, dass der "Retter" IWF gefragt ist wie selten zuvor. Als schlechtes Omen für die Emerging Markets ist die im Rahmen der weltweiten Aktienbaisse zu beobachtende Zunahme der Risikoaversion internationaler Anleger zu sehen. Dies verschlechtert die Finanzierungsmöglichkeiten wirtschaftlich angeschlagener Länder.

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