Die Länder Nordafrikas wollen in vertrauter Runde bleiben
Schiff der Hoffnung

Tunesien präsentiert sich beim Afrika-Cup mit einem rauschenden Eröffnungsfest und wirbt um die Fußball-WM 2010.

TUNIS. Vor der Stadiontribüne herrschte große Harmonie. An der Seitenlinie standen die Werbebanden mit dem Schriftzug "Marocco 2010", daneben die analogen Botschaften aus Ägypten, Tunesien und Libyen. Nur wer etwas genauer hinschaute, entdeckte den Schriftzug "South Africa 2010" versteckt hinter einem Torpfosten. Man kann das so verstehen: Die Länder Nordafrikas wollen in vertrauter Runde bleiben.

Vielleicht ist die Wahl des Weltverbandes Fifa schon gefallen, welches Land die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ausrichten darf. Vielleicht pfiffen auch deshalb bei der Eröffnungsfeier des Afrika-Cups die 60 000 Fans in Tunis, als die südafrikanische Delegation auf der Videoleinwand begrüßt wurde. Die offizielle Entscheidung über die Vergabe wird erst am 15. Mai bekannt gegeben, Südafrika gilt als klarer Favorit. Aber noch wehrt sich Tunesien, das bereist zum dritten Mal nach 1965 und 1994 den afrika-Cup ausrichtet. Die Eröffnungsfeier war Anlass, der Welt zu zeigen, dass das Land mehr zu bieten hat als hübsche Hotels mit Pool und Blick aufs Mittelmeer.

5 Millionen Euro investierten die Organisatoren in die Party. 3000 Menschen waren involviert, vor acht Monaten begann die Vorbereitung. Engagiert wurde jene Crew aus Südkorea, die schon die Eröffnungsfeier der WM 2002 in Asien vorbereitet hatte. Der Anspruch wurde also schnell deutlich, die Stimmung in der Stadt war am Vormittag jedoch gedämpft. Keine Fans, keine Fahnen, nur hupende Autos; wobei in Tunis ständig gehupt wird.

Erst am Nachmittag wurde es hektisch in Tunis, der Anpfiff nahte. Die Feier sollte um 18 Uhr beginnen, das Auftaktspiel zwischen Tunesien und Ruanda eineinhalb Stunden später. Doch schon um 16 Uhr war das Stadion prall gefüllt. Ricky Martin dröhnte durch die Lautsprecherboxen, die Welle raste dazu mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit über die Tribüne. Sieben Sekunden dauerte eine Runde, Platz nehmen musste niemand.

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