Die Lage in Moskau spitzt sich zu
Geiselnehmer verkürzen angeblich ihr Ultimatum

Die tschetschenischen Geiselnehmer in Moskau haben der russischen Staatsführung am Freitag ein neues Ultimatum gestellt. Sollten die Forderungen nicht unverzüglich erfüllt werden, würden noch am Freitag die ersten Geiseln erschossen werden.

Reuters MOSKAU. Die Geiselnehmer in Moskau werden einem Vermittlers zufolge möglicherweise am Freitagabend Geiseln erschießen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

Der Vermittler Sergej Goworuchin sagte, die Verhandlungen steckten fast in einer Sackgasse. Die Regierung hatte zuvor Berichte über Drohungen der tschetschenischen Geiselnehmer, ab Samstagmorgen Geiseln zu erschießen, als übertrieben bezeichnet. Die etwa 40 Rebellen verlangen einen Abzug der russischen Soldaten aus Tschetschenien und haben mit einer Sprengung des Theaters gedroht. Mindestens eine Geisel ist erschossen worden.

Verhandlungen sind in einer Sackgasse

Goworuchin sagte dem Fernsehsender NTW: "Die Situation wird schwierig, fast eine Sackgasse, fast unlösbar. Wenn die Vertreter der Behörden nicht reingehen, kann ich nicht ausschließen - nach unseren Informationen - dass um 22.00 Uhr (20.00 Uhr MESZ) die Terroristen beginnen, Geiseln zu erschießen." Andere Teilnehmer an den Verhandlungen sagten jedoch, die Stimmung dort habe sich nicht verschlechtert.

"Die Drohungen gibt es, aber sie sind überdramatisiert und übertrieben", sagte ein Regierungssprecher Nachrichtenagentur Reuters. Russische Medien hatten von Drohungen der Geiselnehmer berichtet, ab Samstagmorgen Geiseln zu erschießen. "Das sind keine Gerüchte", sagte der Sprecher. Er sei jedoch noch nicht übermäßig besorgt. Die Geiselnehmer hätten sich damit einverstanden erklärt, dass Lebensmittel und Wasser ins Gebäude gebracht würden. Der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Patruschew, sagte nach einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin, Russland werde eine Garantie für das Leben der Geiselnehmer abgeben, wenn diese alle Geiseln freiließen.

Auswärtigs Amt spricht von zwei Deutschen

In dem seit Mittwochabend besetzten Theater verschlechterten sich dem russischen Fernsehen zufolge die Bedingungen. Die Geiseln müssten den Orchestergraben als Toilette benutzen. Der russische Arzt Leonid Roschal sagte Reuters nach einem mehrstündigen Aufenthalt bei den Geiseln, diese versuchten einfach nur zu überleben. "Sie sind eine Art Familie geworden. Einige streiten sich sogar miteinander. Sie versuchen zu lachen." Es gebe nicht genügend Medikamente, daher werde die Situation nur noch schlimmer werden.

Unter den Geiseln sind nach offiziellen Angaben unter anderem Australier, Briten, Amerikaner, Türken, Schweizer, Österreicher und Deutsche. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Freitag mit, es könne nur bestätigt werden, dass zwei Deutsche unter den Geiseln seien.

Ein große Bombe in der Mitte des Saals

Die schwer bewaffneten Rebellen waren am Mittwochabend in das Theater eingedrungen. Dabei wurde eine Frau erschossen. Putin hat erklärt, die Sicherheit der Geiseln habe oberste Priorität. Am Freitag sagte er im Fernsehen, er sei unter offen für alle Gespräche, schränkte aber ein: "Alle meine bisherigen Vorschläge gelten weiter." Putin hatte 2001 Gespräche mit den Rebellen in Aussicht gestellt, wenn diese ihre Waffen niederlegten. Putin warnte zudem seine Landsleute vor Racheakten an tschetschenischen Zivilisten: "Lasst Euch nicht zu illegalen Taten hinreißen."

Experten haben die Geiselnahme als Schlag gegen Putins Prestige und Image in Russland bezeichnet. Als Ministerpräsident hatte Putin im Oktober 1999 das Militär nach Tschetschenien geschickt. Während des ersten Krieges von 1994 bis 1996 hatte es zwei großen Geiselnahmen gegeben, mit bis zu 2000 Geiseln. Tschetschenien betrachtet sich seit 1991 als unabhängiger Staat. Russland hatte im ersten Krieg nicht die Kontrolle über Tschetschenien wiederlangen können. Russland hat nach eigenen Angaben den größten Teil des Landes unter seiner Kontrolle.

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