„Die Lage ist dramatisch“: Lufthansa macht unerwartet hohen Verlust

„Die Lage ist dramatisch“
Lufthansa macht unerwartet hohen Verlust

Auch die Lufthansa bekommt die durch den Irak-Krieg und die Lungenkrankheit SARS verschärfte Luftfahrtkrise zu spüren und hat im ersten Quartal 2003 nach eigener Einschätzung einen unerwartet hohen Verlust verbucht. Mit Kurzarbeit und weiteren Änderungen im Flugplan will der Konzern den Nachfragerückgang ausgleichen, die Kosten senken und Entlassungen vermeiden.

Reuters FRANKFURT. "Die Lage ist dramatisch", sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Ellerbeck nach einer Vorstandssitzung am Dienstagabend in Frankfurt. Die aktuellen Zahlen hätten sich noch deutlich verschlechtert gegenüber dem Vorjahresquartal, das bereits von dem Nachfragerückgang nach den Anschlägen vom 11. September 2001 geprägt war. Damals hatte der Konzern einen operativen Gewinn von zwölf Mill. ? ausgewiesen. Auf die Frage, ob ein Ende der Krise absehbar sei, sagte Ellerbeck: "Es ist nicht die Zeit für zuverlässige Prognosen". Voraussichtlich am Mittwoch wird die Lufthansa die Passagierzahlen für März veröffentlichen, die auch den Kriegsbeginn umfassen.

Schwache Konjunktur, Irak-Krieg und SARS belasten

Er könne nicht sagen, was die Lufthansa derzeit am schwersten treffe - die Wirtschaftsflaute, der Irak-Krieg oder die Angst der Reisenden vor einer Ansteckung mit der Lungenkrankheit SARS, erklärte Ellerbeck. "Alle drei Faktoren spielen eine Rolle". Um die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu begrenzen, will der Konzern-Vorstand Kurzarbeit für die Mitarbeiter des Kabinen- und Bodenpersonals einführen. Auch für die Cockpit-Besatzungen sollen umgehend Gespräche aufgenommen werden. Details über die Höhe der geplanten Einsparungen wollte Ellerbeck nicht nennen.

Auch weitere Änderungen des Flugplans stehen auf dem Programm des Konzern-Vorstands, der dazu keine Einzelheiten angab. "Wir behalten uns weitere Maßnahmen im Bereich Frequenzen und Flotte vor", sagte Ellerbeck. Wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise und des damit verbundenen Nachfrage-Rückgangs hatte die Lufthansa bereits mehrfach in diesem Jahr Kapazitäten aus dem Markt genommen. Bisher hat der Konzern gemeinsam mit seinen Regionalpartnern 55 Flugzeuge still gelegt, davon sieben Langstreckenmaschinen. Außerdem hatte die Lufthansa einige Flüge zwischen München und Asien gestrichen, als mit der Ausbreitung der Lungenkrankheit SARS die Auslastung sank. In den Tagen nach Beginn des Irak-Krieges fielen Flüge in die Nähe der Krisenregion aus.

Kostenentlastung ohne Entlassungen geplant

Die Kosten sollten gesenkt werden, ohne betriebsbedingt kündigen zu müssen, kündigte die Lufthansa an. "Wir wollen beides, Kostenentlastung und Beschäftigungssicherung", erläuterte Personalvorstand Stefan Lauer. Wegen der "dramatischen Lage" müsse der Konzern zu diesen Sparmaßnahmen greifen. Weitere Maßnahmen könnten nicht ausgeschlossen werden.

Der Irak-Krieg und der Ausbruch der auch von Fluggästen verbreiteten Lungenkrankheit SARS in Asien hatte die weltweite Luftfahrtkrise weiter verschärft, die mit dem Abflauen der Konjunktur im Laufe des Jahres 2001 und den Anschlägen am 11. September 2001 begonnen hatte. Die Deutsche Flugsicherung rechnet mit einem Rückgang des Flugverkehrs in Deutschland um elf Prozent in diesem Jahr, falls der Krieg länger als drei Monate dauern sollte.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 sind weltweit zahlreiche Fluggesellschaften in Tubulenzen geraten, vor allem in den USA kämpfen einige große Konzerne um ihre Existenz. Zuletzt hatte der Lufthansa-Partner in der Star Alliance, Air Canada, Gläubigerschutz beantragt. Auch der US-Partner United Airlines fliegt seit einiger Zeit unter Gläubigerschutz.

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