"Die Liste der Nachteile ist lang"
"Riester-Rente muss reformiert werden"

Weder die Finanzberater noch die Kunden hätten bisher großes Interesse an der Riester-Rente, weil sie zu bürokratisch sei und schlechtere Renditen als vergleichbare nicht geförderten Altersvorsorgeprodukten biete, glaubt Carsten Maschmeyer, Vorstandschefs des Finanzdienstleisters AWD.

Reuters FRANKFURT. "Es wird eine Reform der Reform notwendig sein", sagte Maschmeyer in einem Interview mit der "Welt am Sonntag". Bei etwa 32 Millionen Menschen, denen die Förderung der Altersvorsorge zustehe, seien erst knapp zwei Millionen Verträge abgeschlossen worden. Davon seien 400.000 Verträge wieder storniert worden, sagte der AWD-Chef der Zeitung. Für die Berater sei die Vermittlung von Riester-Produkten zudem nicht attraktiv, weil sie sehr erklärungsbedürftig seien, und nur eine geringe Provision abfalle. "Die Liste der Nachteile ist lang", sagte Maschmeyer. AWD biete die Riester-Rente auch nicht aktiv an.

Mit der zum Jahresanfang in Kraft getretenen Rentenreform von Arbeitsminister Walter Riester (SPD) wurde zusätzlich zur beitragsfinanzierten Rente eine staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge eingeführt. Arbeitnehmer erhalten Zulagen und Steuernachlässe, wenn sie einen bestimmten Teil ihres Einkommens für die Rente sparen. Damit soll der Beitragssatz zur Rentenversicherung von zurzeit 19,1 Prozent bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen und das Nettorentenniveau nicht unter 67 Prozent des früheren Einkommens sinken.

In der Finanzbranche haben sich in den vergangenen Wochen die Klagen über die nur schleppenden Geschäftsabschlüsse von Riester-Produkten gemehrt. Die Allianz hatte bereits beklagt, die Riester-Rente sei zu unübersichtlich und bürokratisch, der Finanzkonzern will nach Medienberichten in Kürze Änderungsvorschläge vorlegen. Verbraucherschützer hatten geraten, erst noch abzuwarten, bis mehr Vorsorgeprodukte auf dem Markt sind und verglichen werden können.

Rentenexperten wie der Wirtschaftsweise Bert Rürup erwarten im zweiten Halbjahr einen deutlichen Schub, wenn die betriebliche Altersvorsorge stärkere Verbreitung findet. Auch der Finanzdienstleister MLP verspricht sich eine regere Nachfrage der Kunden nach Riester-Produkten zum Jahresende und ein Plus von 20 Prozent bei seinem Neugeschäft. Die staatliche Förderung wird rückwirkend für das gesamte Jahr 2002 noch bei einem Vertragsabschluss bis Jahresende gewährt.

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