Die Londoner Terminbörse setzt einen Mindestpreis fest
Liffe sieht sich nicht als Spekulationsobjekt

Der Übernahmekampf um die Liffe geht in die heiße Phase. Nach der Londonder Börse hat jetzt Euronext ihr Interesse bestätigt. Liffe-Chef Williamson betont derweil, die Liffe werde nicht zu jedem Preis verkauft.

fs/pot LONDON. Die Londoner Terminbörse Liffe sieht sich nicht als Spekulationsobjekt. "Wir stellen die Liffe nicht von uns aus zum Verkauf", sagte Liffe-Chairman Brian Williamson dem Handelsblatt. Man habe vielmehr seit Jahresbeginn Angebote mehrerer Unternehmen bekommen. Nur deshalb habe sich das Board dazu entschlossen, die Interessenten zu einem formalen Angebot aufzufordern.

Sollte keines der Angebote dem Board zusagen, gebe es auch keine Übernahme, stellte Williamson klar: "Wir werden den Aktionären nur eine Empfehlung zum Verkauf der Aktien geben, wenn uns ein anderes Management einen Businessplan vorlegt, der uns verbessern kann." Im Brennpunkt steht dabei die Technologie: "Es geht nicht um konkurrierende Produkte oder Partnerschaften von Börsenplätzen. Es geht um die Technologie." Wer eine andere Sichtweise habe, müsse erst gar kein Angebot abgeben, betonte Williamson.

Zweiter potentieller Übernahme-Interessent

Am Wochenende hat sich nach der Londoner Aktienbörse (LSE) ein zweiter Aspirant öffentlich zu seinem Interesse an der Liffe bekannt. Die französisch-holländisch-belgische Euronext bestätigte, sie führe mit der Liffe Gespräche. Fachleute hatten dies schon seit längerem vermutet. Allerdings betonte die Dreiländerbörse, dass die Gespräche zu einem Übernahmeangebot führen könnten, aber nicht müssten. Auch die Deutsche Börse AG erwägt nach Informationen aus Finanzkreisen ein Angebot. Eine endgültige Entscheidung darüber, ob tatsächlich eine Offerte eingereicht wird, soll in den nächsten Tagen fallen.

Williamson bestätigte, dass er eine Untergrenze für ein Gebot genannt habe, die die Liffe zusammen mit ihren Beratern von Credit Suisse First Boston errechnet habe. Die konkrete Zahl nannte er nicht. In London geht man aber davon aus, dass der Mindestpreis bei 16 Pfund je Aktie liegt. Am Freitag notierte das Liffe-Papier in dem von der Londoner Bank Cazenove organisierten Handel um 12 Pfund.

Williamson betonte, ein potenzieller Kandidat müsse vor allem das Direktorium der Liffe (Board) überzeugen. Gut 48 Prozent der Aktien werden von Board-Mitgliedern gehalten. Dazu gehören allerdings auch bis zu 37 % der beiden US-VentureCapitalisten Battery und Blackstone. Wie sehr diese Hauptaktionäre auf den Verkauf drängen, ist unklar. Die Liffe sagte, alle Board-Mitglieder stünden geschlossen hinter dem Management.

Angebot soll auf den Tisch gelegt werden

Williamson hat die Interessenten aufgefordert, bis Ende des Monats ein Angebot auf den Tisch zu legen. Danach gebe es die Entscheidung des Boards, ob man den Aktionären ein Angebot nahe legt. Der Chairman schloss die Möglichkeit zur Nachbesserung aus. "Eine zweite Präsentation wird es nicht geben. Wer es danach noch versucht, muss es feindlich machen." Unterdessen kursieren in der City Gerüchte, die britische Wettbewerbsbehörde könnte einen möglichen Zuschlag für die Deutsche Börse blockieren. "Im Fixed-Income-Bereich hätte die Deutsche Börse mit der Liffe quasi ein Monopol", sagte ein Insider. "Das wird nicht erlaubt." Allerdings erscheint auch möglich, dass eine Übernahme gleich an die EU-Kommission weitergeleitet wird. Diese wäre etwa bei grenzüberschreitenden Transaktionen mit einem aggregierten Gesamtumsatz von mehr als 5 Mrd. zuständig. Williamson sagte dazu, bei jeder Empfehlung des Boards an die Aktionäre werde auch der legale Aspekt der Transaktion berücksichtigt. Frankfurter Finanzkreise sehen indes keine Wettbewerbsprobleme bei einer eventuellen Übernahme der Liffe durch die Deutsche Börse.

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