„Die Macht des Samba-Fußballs zeigen“
Brasilien wieder obenauf

Nach einem glanzlosen Sieg sehen sich die brasilianischen Fußballer wieder zu Höherem berufen. "Wir werden der Welt die Macht des Samba-Fußballs zeigen, rechnet mit uns im WM- Finale", sagte Jungstar Ronaldinho Gaucho.

dpa SEOGWIPO. Der 4:0-Arbeitssieg gegen Fußballzwerg China am Samstag und die schlechten Leistungen der Mitkonkurrenten hatte den Spielern genügt, um nach Monaten der Selbstzweifel in der WM-Qualifikation für einen Stimmungsumschwung im eigenen Lager zu sorgen. Auch die Fans gerieten in Verzückung. Daheim in Brasilien feierten hunderttausende Anhänger Fans auf den Straßen die "Wiedergeburt der Selecao", und Staatspräsident Fernando Cardoso stimmte wahre Lobeshymnen an.

Selbst der sonst zurückhaltende Rivaldo gab sich forsch: "Wir zeigen allen langsam, dass wir hier das stärkste Team sind." Jetzt zähle "nur noch der Titel". Während Roberto Carlos, Ronaldo und Cafu im Hintergrund mit Journalisten scherzten und laut lachten, blieb nur Coach Luiz Felipe Scolari gewohnt grimmig. "Selbst wenn wir hoch gewinnen, bleiben wir für euch immer die schlechteste Mannschaft der Welt", kritisierte er die Medienvertreter.

Im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica will Scolari mehrere Stammspieler schonen. Gegen China hatte vor allem Ronaldo noch müde gewirkt. Er wurde nach 70 Minuten ausgewechselt. Zuvor hatte er in der 55. Minute mit seinem zweiten Turniertor den Trefferreigen gegen die Asiaten abgeschlossen. "Ich fühle mich mit jedem Spiel besser und will ein Tor pro Spiel schießen, wie Jairzinho 1970", kündigte er an. Gegen die harmlosen Chinesen bot der viermalige Champion zwar viele Tore, aber wie schon beim 2:1-Auftaktsieg gegen die Türkei wenig Glanz. Roberto Carlos mit einem Freistoß (15.), Rivaldo (32.) und Ronaldinho (45.) per Foulelfmeter hatten schon in der ersten Halbzeit den Grundstein zum Erfolg gelegt.

Von den durchwachsenden Leistungen ihrer Spieler lassen sich die Brasilianer nicht abschrecken. Sie wollen nach mehreren Fußball- Misserfolgen in der Qualifikation endlich wieder feiern, auch um die eigenen Probleme in Zeiten einer abflauenden Wirtschaft zu verdrängen. Hunderttausende stürzten nach dem Abpfiff gegen China singend und tanzend auf die Straßen der Metropolen Rio, Sao Paulo und Brasilia. Es wurden bis in den Abend hinein Feuerwerke gezündet, zu Samba-Rhythmen getanzt und in Anspielung auf den erhofften fünften WM-Titel "Penta, Penta" gekreischt.

Das WM-Fieber habe die bislang mit der Mannschaft von Coach Luiz Felipe Scolari unzufriedenen "Torcedores" sowohl in den Nobel- als auch in den Elendsvierteln endlich erfasst, meinten viele Medien. Die Zeitungen reagierten allerdings kritischer als die Fans. "Die Elf hat gegen einen sehr schwachen Gegner noch keinen überzeugenden Fußball gezeigt", schrieb "Estado".

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