Die Managerin mit der Kurzhaarfrisur ist Präsidentin von Liberty Media International
Miranda Curtis: Die Schattenfrau der Medienwelt

Miranda Curtis sorgt derzeit für Schlagzeilen. Im Auftrag von US-Millliardär John Malone mischt sie die deutsche Medienszene auf - und macht sich derzeit viele Feinde.

"Angst vorm Fliegen?" Ungläubig schaut Miranda Curtis den Fragesteller an. "Überhaupt nicht", antwortet die resolut wirkende Frau so überzeugend, als seien die Terroranschläge vom 11. September nur ein böser Traum.

In ihrem Job kann es sich Miranda Curtis nicht leisten, über aktuelle Sicherheitsfragen im zivilen Luftverkehr zu grübeln. Denn Flugzeuge sind sozusagen ihr zweiter Wohnsitz. Laufend jettet die Präsidentin von Liberty Media International um die Welt, mal zwischen Europa und den USA, mal nach Japan, dann nach Lateinamerika.

Die Managerin mit der Kurzhaarfrisur verantwortet das weltweite Geschäft des US-Medien- und Kabelkonzerns Liberty Media Corp. Curtis hat zwei Büros - eines in der Firmenzentrale in Englewood bei Denver im US-Bundesstaat Colorado, eines in London.

Seit Liberty-Media-Chairman und Selfmade-Milliardär John Malone von der Deutschen Telekom einen Großteil des deutschen Kabelnetzes kaufen und dafür den stolze Preis von 5,5 Milliarden Euro zahlen will, ist die Britin immer häufiger in Deutschland. Zwischen Flensburg und Freilassing will Liberty Media jährlich bis zu einer Milliarde Mark investieren. Via Kabel sollen die 10,5 Millionen neuen Liberty-Kunden in Deutschland in einigen Jahren nicht nur mindestens vierzig digitale Fernsehsender empfangen, sondern auch telefonieren oder große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit versenden können.

Die drohenden Konflikte mit der deutschen Medien- und Telekombranche schrecken Curtis nicht. Schon sorgen sich große und kleine TV-Sender, dass Liberty Media sie kurzer Hand aus den Kabelnetzen wirft und statt dessen eigene Programme einspeist. Unberechtigt sind die Sorgen nicht: Der Kabelkönig aus den Staaten ist schon länger mit Branchenriesen wie AOL Time Warner oder dem News-Konzern des australischen Medienunternehmers Rupert Murdoch verbandelt.

Kein Wunder, dass Curtis bei ihrem ersten großen öffentlichen Auftritt Mitte Oktober auf den Münchner Medientagen schnell im Mittelpunkt stand. Eloquente Politiker wie Bayerns Staatskanzlei-Chef Erwin Huber (CSU) rücken da plötzlich in den Hintergrund. Sympatisch und gleichermaßen bestimmend ist Curtis im Umgang. Souverän pariert sie alle Angriffe. Geschickt beschwichtigt sie, wenn die Sprache auf die Sorgen der Konkurrenz kommt. Und vehement wehrt sie sich gegen politische Einflussnahme, hat keine Scheu, etwa gegen Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Medienbeauftragter der Bundesländer, in Stellung zu gehen.

Für Aufregung sorgte Curtis mit der Ankündigung, Liberty Media werde sich nicht dem neuen deutschen Standard für das digitale Fernsehen MHP (Multimedia Home Platform) anschließen. Begründung: zu teuer. Mancher Medienaufseher befürchtet schon, Liberty Media wolle damit einen neuen Standard etablieren. Fest steht, dass der mühsam gefundene Kompromiss der deutschen Kabelanbieter damit Makulatur sein könnte.

Für die Münchner Kirch-Gruppe wäre das ein schwerer Schlag. Denn deren hochdefizitärer Pay-TV-Sender Premiere soll mit Hilfe von MHP endlich in die Gewinnzone kommen. Doch die finanziellen Probleme von Premiere stören Curtis wenig. Mit einem Pokerface antwortet sie sogar auf die Frage, ob sie sich ein Engagement Libertys bei Kirchs Premiere vorstellen kann: "Ich schließe nichts aus."

Mit solchen Andeutungen bringt die Liberty-Managerin die gebeutelten Kirch-Manager in Rage. Auch Liberty-Chairman Malone hat schon per Zeitungsinterview Interesse an einem Engagement bei Premiere bekundet. Offiziell gesprochen haben Kirch und Liberty Media aber bislang noch nicht.

Curtis weiß auch, dass auf sie noch viel Arbeit wartet. Wenn das Kartellamt in Bonn die Übernahme des Kabelnetzes freigegeben hat, muss sie in Deutschland möglichst schnell ein neues Unternehmen aufbauen und dann den eigenwilligen Geschmack der deutschen Fernsehzuschauer treffen. Kein leichtes Unterfangen. Schon ist sie auf Partnersuche - und spricht etwa mit der finanzkräftigen Deutschen Bank, die anfänglich auch am Erwerb des Telekom-Kabelnetzes interessiert war. Bei Auseinandersetzungen um die Zukunft des deutschen Kabels braucht sie mächtige Partner. Angst ist da ein schlechter Ratgeber.

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