Die Marktführer T-Mobile und Vodafone rechnen mit dem Ausscheiden kleinerer Wettbewerber: Kehraus auf dem UMTS-Markt

Die Marktführer T-Mobile und Vodafone rechnen mit dem Ausscheiden kleinerer Wettbewerber
Kehraus auf dem UMTS-Markt

Die großen Mobilfunkanbieter in Deutschland rüsten sich gegen Neueinsteiger in den UMTS-Markt. Falls kleinere Anbieter wegen der hohen Kosten ausscheiden, wollen sie deren Lizenzen übernehmen.

DÜSSELDORF. Die beiden Marktführer im deutschen Mobilfunk, T-Mobile und Vodafone, bereiten sich auf eine Konsolidierung der Branche vor. Wie es im Umfeld der Unternehmen heißt, rechnen sie damit, dass mindestens einer der sechs UMTS-Lizenznehmer aufgeben wird. Analysten sehen den Neueinsteiger Quam als den schwächsten der künftigen UMTS-Betreiber. Doch auch die finanzielle Lage bei den kleineren Mobilfunkgesellschaften Viag Interkom, E-Plus und Mobilcom gilt als angespannt.

Zwar wollen sich weder Vodafone noch die T-Mobile-Mutter Deutsche Telekom zu den Details ihrer Pläne äußern. In Branchenkreisen heißt es aber, dass die Unternehmen vor allem verhindern wollen, dass ein Neueinsteiger die gegenwärtige Branchenkrise nutzt und die vor eineinhalb Jahren noch 8,4 Mrd. Euro teure UMTS-Lizenz für einen symbolischen Preis übernimmt. "Solche Wettbewerbsverzerrungen dürfen nicht entstehen", verlautet aus dem Umfeld der Mobilfunker.

Wenn ein UMTS-Anbieter aufgibt und seine Lizenz an den Staat zurückgibt, wollen sich Vodafone und die Telekom daher für eine erneute Versteigerung der Frequenz unter den verbliebenen UMTS-Anbietern einsetzen. Der neue UMTS-Standard bietet durch die Übertragung großer Datenmengen viele neue Einsatzmöglichkeiten. Er soll frühestens im kommenden Jahr eingeführt werden. T-Mobile und Vodafone haben derzeit zusammen mehr als 40 Millionen Kunden und decken damit 80 % des Marktes ab. Noch ist offen, ob eine zurückgegebene Betriebsgenehmigung erneut versteigert wird und zu welchen Bedingungen. Es sei noch nicht notwendig, dies festzulegen, heißt es bei der Telekom-Regulierungsbehörde.

UMTS-Lizenzen sind nicht handelbar

Hintergrund der Überlegungen bei den Unternehmen sind die strikten Lizenzbedingungen. Die UMTS-Betriebsgenehmigung ist nicht handelbar. Falls ein Unternehmen Pleite geht, bekommt der Staat die Lizenz zurück. Auch darf kein Unternehmen zwei Betriebsgenehmigungen besitzen. Im Falle einer Fusion von zwei Anbietern mit UMTS-Lizenzen in Deutschland ist eine entschädigungslos an den Staat zurückzugeben. Die Belastung in Milliardenhöhe, die daraus entstünde, erschwert die Konsolidierung der Branche.

Die hohen Ausgaben für UMTS haben vor allem Viag Interkom und E-Plus sowie ihre Mütter, die britische MMO2 und die niederländische KPN, in Bedrängnis gebracht. KPN kämpft mit hohen Schulden, hält aber an E-Plus fest. Das gilt bei MMO2 als fraglich, wenn die Tochter die ambitionierten Vorgaben der Mutter nicht erfüllt. Kommt Interkom nicht wie geplant in die Gewinnzone, droht der Verkauf oder die Schließung.

Als möglicher Käufer wird in Branchenkreisen die spanische Telefónica gehandelt, die sich allerdings in Deutschland mit Quam im Mobilfunkmarkt beteiligt. Der Fehlstart des Unternehmens, das den Verkauf von Handyverträgen kurz nach Eröffnung seiner Läden vorübergehend einstellte, hat den Gerüchten neue Nahrung gegeben. Sollte Telefónica bei Interkom einsteigen, müssten die Spanier aber eine UMTS-Lizenz abgeben und die Kosten abschreiben.

Regeländerungen könnten Klagen auslösen

Angesichts der hohen Kosten, die damit verbunden sind, befürworten Analysten eine Änderung der bisher gültigen Regeln. "Es muss etwas passieren, um die Belastungen durch die UMTS-Lizenzkosten zu senken", fordert Nigel Deighton von Gartner. Ansonsten werde ein Teil der Unternehmen immer weiter in ein aussichtsloses Unterfangen investieren und damit sehr hohe Summen "versenken".

Die Telekom-Regulierungsbehörde sowie das Wirtschaftsministerium wenden sich jedoch gegen jede nachträgliche Diskussion über die Regeln. Es bestehe die Gefahr, dass jede nachträgliche Änderung Klagen auslöse.

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