Die meisten Investitionsvorhaben werden durch Bankkredite finanziert
Die slowakische Börse wartet noch auf ihre Entdeckung

Im Ausland hat die Slowakei ein gutes Image. Sie kann einige der besten wirtschaftlichen Kennzahlen in der Region vorweisen, das BIP wächst um 4%, es wurde eine neue Steuerreform verabschiedet und die ausländischen Investoren wie U.S. Steel, Volkswagen, Hydroaluminium oder PSA-Peugeot Citroën sind zufrieden. Doch all das hat keinerlei Wirkung auf den hiesigen Kapitalmarkt.

BRATISLAVA. Investoren finanzieren ihre Vorhaben immer noch auf die gewöhnlichste Art - durch Bankkredite. "Der Umfang der regelmäßig gehandelten Emissionen an der Börse ist so niedrig, dass man den slowakischen Kapitalmarkt schon mehrere Jahre nicht als eine Quelle für Unternehmerkapital betrachten kann," beschreibt die slowakische Finanzmarktaufsicht die Situation in ihrem letzten Monitoring-Bericht.

Schon mehrere Jahre ist ein typisches Merkmal des slowakischen Kapitalmarktes die hohe Zahl an nicht liquiden Emissionen von Wertpapieren. Die reale Marktkapitalisierung der Emissionstitel beträgt nur wenige Hundertstel des BIP Wertes. Die Zahl der notierten Wertpapiere beträgt seit langem nur einige Dutzend Titel und auch der Markt mit Obligationen ist matt, es überwiegen eindeutig staatliche Obligationen.

Dieses ernüchternde Fazit ist für die Marktteilnehmer außergewöhnlich frustrierend, da bei Gründung der Börse im Jahre 1993 viele ihre Hoffnung in einen Aufschwung gelegt hatten. Und auch deshalb, weil die sich stetig verbessernde internationale Stellung der Slowakei und die damit zusammenhängende Verbesserung von Bedingungen für ausländisches Kapital nahezu keine Wirkung auf den Kapitalmarkt haben.

Die slowakischen Börsen - bis zum Jahre 1993 gab es in Bratislava sogar drei - sind mit großen Ambitionen gestartet. Und das nicht ohne Grund: Es wurden mehr als 500 große heimische Unternehmen und mehrere Privatisierungsfonds gehandelt, und fast jeder erwachsene Slowake war Aktionär.

Man erwartete, dass nach dem ersten Privatisierungsimpuls auch weitere heimische und ausländische Emissionen und Investoren kommen würden. Doch der Boom dauerte nicht einmal zwei Jahre und die Liquidität des Marktes ging am Ende der neunziger Jahre fast verloren. Es gab Lücken in den Gesetzen, zusätzlich erschütterten die mangelnde Transparenz und die Untätigkeit der Aufsichtsbehörden das Vertrauen der Investoren.

Für die guten Jahre in der zehnjährigen Geschichte der Börse hat somit nur die Privatisierung gesorgt. Vor allem die erste Welle, die noch in der damaligen Tschechoslowakei stattfand.

Die Bemühungen der Slowakei um den Eintritt in die EU haben mittlerweile im großen Maße zu einer Angleichung der Gesetzgebung für den Kapitalmarkt geführt. Nach einigen Skandalen, vor allem in Verbindung mit Privatisierungsfonds, haben sich Aufsicht und Markttransparenz deutlich verbessert.

Das verlorene Vertrauen der Investoren kann man aber nur schwer wiederherstellen. Um es zurück zu gewinnen, muss noch an einer größeren Attraktivität des Marktes gearbeitet werden.

Eine positive Nachricht für den Markt ist somit nur das anhaltende Wachstum von Preisen der notierten Titel, was sich seit Anfang des Jahres bis Ende Oktober in einem Plus von 26,2 Prozent für den Aktienindex SAX der Bratislaver Börse widerspiegelt.

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