Die meisten Unternehmen reagieren mit Zurückhaltung auf das Abstimmungsergebnis von Straßburg<p>
Siemens enttäuscht über „falsches Signal“

HANDELSBLATT, 5.7.2001 ank/fs DÜSSELDORF. Zurückhaltung und vorsichtige Enttäuschung herrschten gestern in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft nach der Bekanntgabe der EU-Parlamentsentscheidung, die umstrittene Richtlinie zu Firmenübernahmen abzulehnen. Eine Reihe von

HANDELSBLATT, 5.7.2001

ank/fs DÜSSELDORF. Zurückhaltung und vorsichtige Enttäuschung herrschten gestern in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft nach der Bekanntgabe der EU-Parlamentsentscheidung, die umstrittene Richtlinie zu Firmenübernahmen abzulehnen. Eine Reihe von großen Unternehmen hatte die Übernahme-Richtlinie im Vorfeld der Abstimmung positiv bewertet.

Karl-Hermann Baumann , Vorsitzender des Siemens-Aufsichtsrats, bedauerte die Entscheidung des Europäischen Parlaments. Siemens habe die Übernahmerichtlinie "als Basis für die Harmonisierung der Regeln für Unternehmensübernahmen in Europa" begrüßt. Gleichzeitig kritisierte er die Vorstellungen der Bundesregierung: "Die bisher vorgesehene Abkehr vom Neutralitätsgebot für Vorstand und Aufsichtsrat setzt ein falsches Signal für den deutschen Kapitalmarkt."

Andere Unternehmen zeigten sich nicht ausdrücklich enttäuscht, reagierten jedoch auffallend wortkarg. "Dazu sagen wir gar nichts", ließ die Leverkusener Bayer AG kurz und knapp verlauten. Erst einmal müssten die Kritikpunkte an dem Papier ausgebessert werden. Auch der Berliner Pharmariese Schering und Reifenproduzent Continental in Hannover wollten zu dem Vorgang nicht Stellung nehmen. Ein Sprecher bei BASF erklärte, man werde die "autonome Entscheidung eines Parlaments vorläufig nicht weiter kommentieren".

Rolf Michael Gerner, einer von drei Leitern bei Investment-Banking Deutschland, äußerte sich deutlicher über das Ende des zwölfjährigen Kampfes : "Es ist enttäuschend, dass das abgeschmettert wurde. Europa braucht ein einheitliches Kapitalmarktrecht." Nun müsse man abwarten, wie es auf nationaler Ebene weitergehe. Bleibe der jetzige Zustand erhalten, seien die praktischen Auswirkungen für das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen minimal. Gerner warnt jedoch vor nationalem Protektionismus. "Wir können keine gesetzlichen Regelungen brauchen, die den Zugang eines Bieters zu einem Unternehmen nachhaltig erschweren."

Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking hatte den Gesetzentwurf im Vorfeld mehrfach vehement kritisiert. Gestern äußerte er sich jedoch nicht öffentlich zu der Ablehnung durch das Parlament.

Die abgelehnte Richtlinie hätte die Stellung der Aktionäre bei feindlichen Übernahmeversuchen gestärkt, weil die Unternehmensvorstände sich nicht auf allgemeine Vorratsbeschlüsse der Hauptversammlung hätten stützen dürfen. Die Börsensachverständigenkommission hatte dies als demokratischen Prozess bezeichnet.

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