Die mobile Zukunft hat auch ohne UMTS begonnen
UMTS? Danke, wir können auch anders

Eine größere Geldvernichtung war nie: Fast zehn Milliarden Euro hatte Mobilcom um die Jahrtausendwende für Lizenz und Netzaufbau ausgegeben, Anfang Mai verkaufte man die Reste des UMTS-Abenteuers für ganze 20 Millionen an E-Plus.

HB DÜSSELDORF. Und nicht mal drei Wochen später verkündete das britische Mobilfunkunternehmen MMO2, man werde im laufenden Geschäftsjahr etwa die Hälfte seiner UMTS-Investitionen von über neun Milliarden Euro abschreiben.

Produktivitätsfortschritt durch Schnelligkeit

Der Traum von UMTS ist endgültig geplatzt. Über die Gründe des Desasters wird viel diskutiert: Probleme mit den Endgeräten, extreme Sparsamkeit der Kunden, unrealistische Erwartungen. In der Öffentlichkeit ist dabei zunehmend der Eindruck entstanden, die mobile Übertragung größerer Datenmengen werde nicht gebraucht - außer vielleicht von technikbegeisterten Kids.

Genau dieser Eindruck ist falsch: Das Versenden von Bildern mit dem Handy mag nur ein witziges "Nice-to-Have" sein. Für viele Unternehmen aber bedeutet die schnelle Kommunikation ohne Kabel einen entscheidenden Produktivitätsfortschritt - in manchen Fällen sogar den Aufbau ganz neuer Geschäftsmodelle. Mobile Highspeed-Technik wird bereits intensiv genutzt. Vielen Managern ist es mittlerweile egal, ob UMTS je breite Akzeptanz findet oder nicht. Sie haben Alternativen.

Neue Wege aufgetan

Eine sehr eigene Mobilfunklösung setzt zum Beispiel das MAN-Nutzfahrzeugwerk in München ein: Der internen Kommunikation dient hier das Tetrapol-Funksystem MC 1600 von AEG. Diese digitale Bündelfunklösung, mit der auch die französische Polizei und Unternehmen wie BMW in Ingolstadt intern vernetzt sind, verknüpft zunächst die Vorteile von Funkgeräten mit denen von Mobiltelefonen. Josef Mair, der bei MAN für die Elektroanlagen verantwortlich ist: "Es fallen keine Mobilfunkgebühren an, aber jeder kann mit jedem augenblicklich kommunizieren." Bis vor vier Jahren hatte jede Abteilung - Feuerwehr, Werkschutz, Instandhaltung, Lagerhaltung - sein eigenes Kommunikationssystem. Heute sind alle wichtigen Mitarbeiter in den Produktionsstätten München, Dachau und Penzberg angebunden - über eine zentral verwaltete, homogene, ausfallsichere Mobilkommunikationslandschaft, die außerdem nicht abgehört werden kann.

Die Übertragungsrate beträgt zwei MBit pro Sekunde. Damit lassen sich in Zukunft auch multimediale Anwendungen nutzen. Mit einem ähnlichen System versendet die finnische Polizei bereits heute Fahndungsunterlagen und Fotos.

Techniker mobil

Größere Datenmengen lassen sich auch drahtlos verschicken mit GPRS, der Vorgängertechnik von UMTS. Die Union Technik in Duisburg zum Beispiel nutzt das System intensiv. Die Servicemitarbeiter des Unternehmens warten Tankstellen: Sie reparieren kaputte Zapfsäulen, bringen dunkle Preistafeln zum Leuchten oder kümmern sich darum, dass defekte Kühltheken ihre Arbeit wieder aufnehmen. Alle Informationen über einen Auftrag - etwa die Adresse des Kunden oder die Art der Störung - werden vom System an den "Mobilen Techniker" gesandt. Mit Hilfe dieses Apparates organisiert jeder Außendienstmitarbeiter seine Arbeit. Das Gerät ist eine Mischung aus PDA und Tablet-PC mit einer Mobilfunkkarte im GPRS-Standard. Missverständnisse gibt es nicht mehr, der Mitarbeiter muss nichts aufschreiben und kann alle Angaben bei Bedarf noch einmal nachsehen.

Mit Hilfe der Highspeed-Mobilverbindung können sich die Mitarbeiter von unterwegs auch direkt in die internetbasierte Datenbank einloggen. Die wurde von Union Technik geschaffen, damit die Techniker vor jedem Einsatz wissen, was sie erwartet. Hier sind etwa 38 000 Gerätebestandsdaten mit 15 bis 20 Attributen je Objekt verzeichnet. Mit Hilfe dieser Informationen geht der Techniker sicher, auch das benötigte Ersatzteil an Bord zu haben. Ebenfalls mit moderner Datentechnik legt das System die Fahrtrouten fest. Alle Servicefahrzeuge können über Satelliten-Navigationssystem GPS von der Zentrale aus geortet werden: Zum Kunden fährt immer derjenige, der gerade am nächsten dran ist.

Etliche Unternehmen arbeiten schon intensiv mit dem mobilen Datentransfer. In einigen Fällen könnte man dabei mit UMTS durch die höheren Geschwindigkeiten Anwendungen noch verbessern. Allerdings: Bis die Wundertechnik wirklich am Start ist, hat vermutlich auch der geduldigste potenzielle Kunde längst eine andere Lösung gesucht. Und gefunden.

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