Die Münchener gehen im freistaatlichen Zweikampf mit Audi ein hohes Tempo
BMW hat im Bayernduell die Nase leicht vorn

Zwischen den Schaltstellen liegen keine 100 Kilometer, in fast allen Segmenten treten die Autos direkt gegeneinander an, und beide Unternehmen versuchen, ihren Käufern das gleiche Image zu vermitteln: sportlich, innovativ, elegant. Im Bereich Erfolg gibt im Jahr eins des Führungswechsels in beiden Häusern BMW das Tempo vor.

MÜNCHEN/FRANKFURT. So haben die Münchener im vergangenen Monat den weltweiten Absatz um 12 % auf knapp 80 000 Fahrzeuge gesteigert - in einem Umfeld, das von Minusraten geprägt ist. Nach neun Monaten lag das Wachstum der Marke bei 5 %, rund 700 000 BMW wurden verkauft. Und auch das jüngste Kind, der Mini, läuft gut, mehr als 100 000 fanden bis September einen Käufer. Diese Steigerungsraten wird Audi nach Einschätzung von Marktexperten nur schwer erreichen können. Nach sechs Monaten betrug das Plus bei den Ingolstädtern aber immerhin 4 %.

Den Konten der neuen Chefs - seit März hat Martin Winterkorn bei Audi das Sagen, im Mai rückte Finanzchef Helmut Panke ans BMW-Steuer - können diese Erfolge aber noch nicht zugerechnet werden. Bis ihre Handschrift deutlich wird, dürfte noch einige Zeit verstreichen. Dabei haben die Münchner beim Führungswechsel auf Kontinuität gesetzt - nicht so beim Design ihres Flaggschiffes, der 7er Reihe. Zumindest in Europa bietet das gewöhnungsbedürftige Äußere dem Konkurrenten Audi die Chance, mit seinem neuen Oberklasse-Fahrzeug A8 Boden gut zu machen. Das glaubt jedenfalls Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research an der FH in Gelsenkirchen. Insgesamt bescheinigt der Auto-Professor beiden Marken ein gutes Portfolio.

An Spannung gewinnt der bayerische Wettkampf im nächsten Jahr, wenn BMW mit der volumenstarken und damit wirtschaftlich äußerst wichtige neue 5-er Reihe antritt. Der noch unter der Ägide von Panke-Vorgänger Joachim Milberg entwickelte Wagen wird weniger extravagant als das Flaggschiff aussehen. Das Design wird irgendwo zwischen dem neuen 7er und dem ebenfalls bereits vorgestellten Sportwagen Z 4 angesiedelt sein, wie es in Unternehmenskreisen heißt.

Mit Ausnahme der Designfrage steht BMW nur wenig in der Diskussion. Der Absatz brummt, das Unternehmen fährt Rekordkurs. Trotz Konjunkturflaute blüht das Geschäft im teuren Premiumsegment, der neue Mini übertrifft die Erwartungen. Alle, die nach dem mageren Plus von 3 % im August erwartet haben, dass auch die BMW die schwache Konjunktur nun trifft, wurden bei Vorlage der Septemberzahlen eines Besseren belehrt. "Die Zahlen sind sehr gut", lobt der Analyst der Hypo-Vereinsbank Georg Stürzer. BMW präsentiere sich derzeit dynamischer als Audi. derzeit eine höhere Dynamik als Audi.

Die Ingolstädter legen ihre Zahlen erst im Laufe des Monats vor, betonen aber, den Rekordabsatz des Vorjahres wieder erreichen zu wollen. In der Zwischenzeit bastelt Winterkorn am neuen Konzept der sportlichen Marken Audi, Seat und Lamborghini und deren Rolle im VW-Konzernverbund. Im November will er erste Einblicke in seine Pläne geben. Solche Umstellungen stehen in München nicht an. BMW kann sich voll auf seine Autos konzentrieren.

"Der Vorteil von BMW ist, dass das Unternehmen seine Entscheidungen frei treffen und seine Ressourcen frei einsetzen kann", sagt Arndt Ellinghorst, Analyst der WestLB. Durch die Einbindung der Ingolstädter in den VW-Konzern seien in den letzten Jahren Innovationen auf der Strecke geblieben. Das werde in Zukunft schmerzen. "Ein Geländewagen wie der VW-Touareg hätte viel besser zu Audi als progressivste Marke im Konzern gepasst", ist Analyst Ellinghorst überzeugt und fordert für die Zukunft mehr Freiheit für Audi, um "Audi braucht für die Zukunft mehr Freiheit", um BMW Paroli bieten zu können.

Das sieht auch Dudenhöffer so, auch wenn er betont, dass Audi von der Verwendung gleicher Teile in der VW-Gruppe profitiere. Der Ausgang des Wettstreits in der Zukunft hängt deshalb seiner Meinung nach auch davon ab, wie gut es den Münchenern gelingt, dieses Manko durch Allianzen, wie zuletzt mit PSA oder Toyota im Bereich Motoren angekündigt, auszugleichen.

Quelle: Handelsblatt

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