Die Münchener Mediengruppe hofft auf die Politik und die Banken
Verwirrspiele um Leo Kirchs Zukunft

Dass Leo Kirch vor einem Berg von Problemen steht, ist bekannt. Das Geschäft der privaten Fernsehsender lahmt, der Filmrechtehandel läuft nicht mehr so wie früher, und Kirchs Bezahlfernsehen Premiere erwirtschaftet Tag für Tag riesige Verluste. Kein Wunder, dass der hoch verschuldete Medienunternehmer auf der Suche nach frischem Kapital ist.

DÜSSELDORF. Trotzdem überraschte die Meldung, der amerikanisch-australische Medienunternehmer Rupert Murdoch wolle die prekäre Lage ausnutzen und plane eine feindliche Übernahme der Kirch- Gruppe. Murdoch macht angeblich Druck auf die Banken, Kirch den Geldhahn zuzudrehen. Dann könnte Murdoch als Retter der Kirch-Gruppe auftreten und auf diese Weise endlich den lang ersehnten Einstieg in den lukrativen deutschen Markt schaffen. Angeheizt wurden die Spekulationen noch dadurch, dass Kirch sie keinesfalls herunterzuspielen versuchte. Vielmehr ließ er verlauten, man nehme den möglichen Angriff sehr ernst und arbeite bereits an Abwehrmaßnahmen.

Doch die Lage ist so unklar wie zuvor. Zum einen dürfte die feindliche Übernahme eines Konzerns, der sich in privater Hand befindet, extrem schwierig sein - noch dazu auf dem regulierten deutschen Medienmarkt. Zum anderen verbreitete Rupert Murdoch prompt ein Dementi. Er sei nicht an einer Übernahme interessiert, hieß es, obwohl die ersten Übernahmegerüchte aus der Murdoch-Zentrale in London gekommen sein sollen. Wie auch immer - ein plötzlicher Showdown im Drama um Kirch steht nicht an.

Die Verwirrspiele um die Zukunft der Münchener Mediengruppe sind damit um eine Variante reicher. Schon lange ranken sich immer neue Spekulationen um den Konzern des 75-jährigen Leo Kirch. Erst vor wenigen Wochen hat der US-Medienunternehmer und Kabel-Investor John Malone, ein Geschäftspartner Murdochs, angekündigt, er wolle bei Kirchs Pay-TV-Sender Premiere einsteigen. So sollen die Münchener mürbe gemacht werden.

Stoiber wird wohl nicht helfen

Fest steht bisher nur, dass die Lage für Kirch prekär ist. Die Dresdner Bank will einen Kredit über rund 900 Mill. DM, der zum Jahresende ausläuft, nicht verlängern. Kirchs Vizechef Dieter Hahn sucht händeringend nach neuen Kreditgebern. Das Problem: Die Banken sind mit neuen Kreditengagements gerade im Mediensektor lange nicht mehr so freizügig wie in der Vergangenheit. Sicherheiten hat die Kirch-Gruppe in großem Stil nicht zu bieten. Das werthaltige Paket am Axel Springer Verlag ist dem Vernehmen nach bereits verpfändet. Zudem hat sich die Gruppe mit dem milliardenteuren Einstieg in die Formel 1 neue, hohe Lasten aufgebürdet.

Schon wird vermutet, die Murdoch-Spekulationen seien für Kirch nur ein willkommener Anlass, um den Druck auf die Banken und die Politik zu erhöhen. Die Kirch-Gruppe in den Händen eines ausländischen Medien-Tycoons - das könne weder im Interesse der Geldgeber noch der Medienpolitiker sein, heißt es. Murdoch und Malone als Herrscher über Deutschlands Kabelnetze und Fernsehprogramme - ein Schreckensszenario.

Ob ein solches Kalkül aufgeht, ist offen. Es liegt aber nahe, dass Kirch seine traditionell guten Beziehungen zur Politik weiter spielen lassen wird. Der Medienstandort Bayern, auf den Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) so stolz ist, wäre ohne Kirch nur halb so kraftvoll. Doch die Neigung der staatlichen Bayerischen Landesbank, neue Kredite zu gewähren, scheint gering. Der neue Landesbank-Chef Werner Schmidt hat die Kirch-Börsenpläne zuletzt sogar öffentlich kritisiert. Zudem ist fraglich, ob der mögliche Kanzlerkandidat Stoiber gerade jetzt ein Engagement für Kirch für opportun hält.

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