Die Münchener Rück plädiert für eine Senkung der Treibhausgase
Versicherer stärkt Umweltschützern den Rücken

Immer mehr Menschen werden immer heftiger von Wetterkatastrophen betroffen. Umweltschützer haben stets warnend auf die Treibhausgase verwiesen, die für die Klimaveränderungen verantwortlich sind - bislang mit eher magerem Ergebnis. Mit Assekuranzunternehmen wie der Münchener Rück haben sie jetzt mächtige Verbündete gewonnen.

BERLIN. Diese plädieren mit mächtigem Einfluss und auch aus Eigennutz für eine Wende - und werden dabei von den Unternehmen ernst genommen.

"Wir können uns beim Thema Klimaschutz keine Neutralität erlauben", sagt Gerhard Berz, Bereichsleiter Geo-Risikoforschung beim weltgrößten Rückversicherer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Indizienlast für den Zusammenhang von Klimaänderungen und Schadenbelastungen aus Naturkatastrophen sei erdrückend. Die Münchener Rück geht davon aus, dass die Naturkatastrophen an Häufigkeit und Stärke weiter zunehmen werden. Berz erläutert, aus dieser Einsicht sei die Forderung an die Politik gewachsen, alles zu tun, damit sich diese Entwicklung nicht ungebremst fortsetze.

Nichtregierungsorganisationen wie die Nord-Süd-Initiative Germanwatch halten das Engagement der Versicherungen für "hoch bedeutsam". "Die Versicherungen haben eine große Expertise in der Absicherung von Schäden. Sie könnten auch Anreize setzen, um Schäden zu verringern", urteilt Christoph Bals, Leiter der Klimaabteilung von Germanwatch. Eine von den Versicherern durchgesetzte Vorsorgepolitik habe beispielsweise dafür gesorgt, dass die Zahl von Großbränden in Großstädten signifikant gesunken sei. Bals hofft, dass die Versicherer auch in der Debatte, wie Klimaschäden zu verringern seien, wertvolle Beiträge leisten können.

Die Assekuranz leidet maßgeblich unter den Schäden, die durch Klimaveränderungen ausgelöst werden. Sie verhehlt deshalb auch gar nicht, dass Eigeninteresse ein starkes Motiv ist. "Wir sind keine karitative Einrichtung. Natürlich müssen wir dafür sorgen, dass es uns nicht schlechter geht", sagt Berz von der Münchener Rück.

"Klimawandel ist zu einer bitteren Realität geworden", konstatierte Bundeskanzler Gerhard Schröder auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg. Nicht zuletzt mit Blick auf die desaströsen Überschwemmungen in Deutschland mahnte der Kanzler "entschiedenes Handeln" an. Noch dieses Jahr sollte das Kyoto-Protokoll in Kraft treten.

Das Kyoto-Protokoll hält Berz für einen Schritt in die richtige Richtung. Darin verpflichten sich die Industrienationen darauf, ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2012 um fünf Prozent zu reduzieren. Deutschland hat sich sogar noch ehrgeizigere Ziele gesetzt. In Kraft treten könnte das Protokoll mit dem erwarteten Beitritt von Russland. "Diese fünf Prozent werden beim Klima zwar keine Spur hinterlassen, sind aber ein wichtiger Einstieg", sagt Berz. Wenn man bis Ende des Jahrhunderts eine gewisse Stabilisierung der Temperaturzunahme erreichen wolle, sei es notwendig, bis zur Mitte des Jahrhunderts die Treibhausgase um 50 % zu verringern.

Für Berz ist das kein utopisches Ziel. Schließlich würden die fossilen Energieträger knapper und teurer werden und alternative Energien konkurrenzfähiger. Gut gefahren sei Deutschland mit der Selbstverpflichtung der Industrie, Kohlendioxid-Emissionen zu verringern.

Dass Umweltschützer und die Assekuranz in der Klimapolitik vereint sind, irritiert den Experten nicht. "Wir haben ähnliche Zielrichtungen." Außerdem sei es die Aufgabe der Versicherung, die Beobachtungen weltweit so breit wie möglich zu streuen. "Bis zur UN-Spitze werden unsere Zahlen und Trends verwendet, wenn es darum geht, die Auswirkungen von Klimaveränderungen zu quantifizieren", erläutert Berz. Doch nicht nur die Politik höre zu. "Wir sind als Versicherer ziemlich glaubwürdig bei der Industrie." Man werde von der Industrie als globales Frühwarnsystem angesehen. "Unsere Rufe verhallen nicht ungehört."

In den vergangenen Jahren habe sich in der deutschen Industrie eine enorme Bewußtseinsveränderung vollzogen, lautet Berz Erkenntnis. "Die Unternehmen haben realisiert, dass sie mit Umweltschutzmaßnahmen wie einer Verringerung des Energieverbrauchs Geld sparen können." Auch in der Zukunft würden Kostensenkungen für die Unternehmen das wichtigste Motiv sein, sich für die Umwelt einzusetzen.

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