Die Nachfrage bleibt aber gering
Geräumte Lager in der Halbleiter-Industrie bringen noch kein Wachstum

Einige vage, optimistische Worte des Chipgiganten Intel reichen aus, um die gesamte Technologiebranche aus ihrer Depression zu befreien. Zumindest vorübergehend. Sobald jedoch ein anderer Halbleiter-Hersteller eine Fortsetzung der Krise fürchtet, dreht die Stimmung wieder nach unten. Dieses Wechselbad der Gefühle beherrscht die Börsen seit Wochen.

DÜSSELDORF. Fakt ist, dass die zyklische Branche den heftigsten Einbruch ihrer Geschichte erlebt. Der Auftragseingang der Ausrüster ging im zweiten Quartal weltweit um 73 % zurück. Der Wert der Auslieferungen sank um knapp 40 %. Schuld an der Misere sind die Produzenten, aber auch die Abnehmer. Erst wurde viel zu viel geordert, dann zu viel produziert. Schließlich quollen die Lager über. Inzwischen wachsen die Lagerbestände nicht weiter an. Das signalisiert das Book-to-Bill-Ratio, ein Indikator für das Verhältnis von Auftragseingang zum Umsatz. Im Juli war die Quote erstmals in diesem Jahr wieder leicht gestiegen.

Solange aber die Nachfrage nicht anzieht, ist nicht ausgemacht, dass die jüngste Erholung bei den Chip-Aktienkursen von Dauer ist. Dafür sind die Angaben der Unternehmen zu widersprüchlich. Während beispielsweise Intel und Philips Erholungspotenzial noch in diesem Jahr sehen, warnt der südkoreanische Technologiekonzern Samsung vor einer Durststrecke bis in das zweite Halbjahr 2002. Auffällig ist, dass asiatische Chiphersteller, wie auch Hitachi und Toshiba sehr negative Nachrichten verbreiten und keinen Lichtblick sehen.

Dementsprechend warnen Analysten davor, darauf zu vertrauen, dass alle Chip-Aktienkurse von einer möglichen Erholung profitieren. Intel (Wertpapierkennnummer 855 681) erwartet noch in diesem Jahr eine Belebung des PC- und damit auch des Chipmarktes. Der US-Gigant gründet seinen Optimismus auf die zurück gegangenen Lagerbestände. Die meisten Analysten teilen die positive Einschätzung für Intel und empfehlen - so Goldman Sachs, Dresdner Kleinwort Wasserstein und Prudential Securities - das größte Halbleiterunternehmen zum Kauf.

Positiv beurteilen Analysten auch die US-Unternehmen Applied Materials (865 177) und den schärfsten Intel-Konkurrenten Advance Micro Devices (AMD, 863 186). AMD bringt früher als erwartet drei neue Prozessoren auf den Markt und wird von Salomon Smith Barney und Credit Suisse zum Kauf empfohlen. Bei Applied Materials fielen Umsatz und Ergebnis zuletzt besser aus als erwartet. Merrill Lynch geht davon aus, dass die Talsohle des Nachfragerückgangs überwunden ist und rät mit einem Kursziel von 62 $ (gestern 47 $) zum Kauf. Morgan Stanley Dean Witter erwartet sogar 70 $ und empfiehlt angesichts der breiten Produktlinie mit führenden Technologien den "aggressiven Kauf".

Skeptisch fallen dagegen die Urteile für Infineon (623 100) aus. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg rät die große Mehrheit der Analysten, die Aktie zu halten oder zu verkaufen. Die Kapitalerhöhung werten Experten als Eingeständnis finanzieller Probleme. Branchenexperten sind sich sicher, dass die niedrigen Chippreise nicht einmal die Herstellungskosten decken. "Die Verhandlungen mit Toshiba sind ein Schritt in die richtige Richtung, weil es so zur dringend notwendigen Bereinigung im DRAM-Bereich kommen kann", meint Frank Joachim von HSBC. Für ihn ist Infineon eine "sehr spekulative" Anlage, weil es bislang keine Anzeichen für ein Anspringen der Chipindustrie gebe. Mehr als eine technische Gegenreaktion ist nicht zu erwarten", schätzt er die Kurschancen gering ein.

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