Die Nachfrage kann kaum bewältigt werden
Terror: Videokonferenzen auf dem Vormarsch

Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon haben die Wirtschaft weltweit hart getroffen. Aus Angst vor Terroranschlägen suchen Unternehmen nach einer sicheren Alternative zu den Risiko behafteten Geschäftsreisen. Bei den Anbietern von Videokonferenzlösungen herrscht deshalb Hochkonjunktur.

dpa HAMBURG. Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon haben die Wirtschaft weltweit hart getroffen. Seit dem 11. September verkündet ein Großunternehmen nach dem anderen heftige Umsatzeinbrüche oder Massenentlassungen als Folge der verheerenden Attacke. Bei den Anbietern von Videokonferenzlösungen hingegen herrscht Hochkonjunktur. "Viele Geschäftsleute wollen oder können derzeit nicht fliegen und suchen nach sicheren Alternativen, ihre Besprechungen und Termine zu organisieren", sagt Andreas Wienold, Europachef des Videokonferenzanbieters VCON, stellvertretend für die gesamte Branche. "Wir verzeichnen eine enorm gestiegene Nachfrage nach Videokonferenzsystemen, und unsere Webpage registriert derzeit drei Mal so hohe Besucherzahlen wie vor dem Anschlag."

Die Anbieter von Videokonferenzanlagen warten seit vielen Jahren auf den Durchbruch. Nur eine vergleichsweise kleine Zahl von Großunternehmen gehört zu regelmäßigen Nutzern von Video- Fernkonferenzen. "Wir setzen das schon seit Jahren ein. Bei jeder Dienstreise wurde zuvor geprüft, ob das nicht mit einer Videokonferenz ersetzt werden konnte", sagt Ursula Mertzig-Stein von Daimler-Chrysler in Stuttgart. In vielen anderen Unternehmen gilt jedoch noch der Grundsatz, dass ein Händedruck nicht durch ein Fax oder ein Videobild ersetzt werden kann. Außerdem halten die Skeptiker Videokonferenzen für zu teuer oder technisch nicht ausgereift.

Auch die Börse sah bislang keine große Zukunft für die Videokonferenztechnologie. So dümpelte der Kurs des nach eigenen Angaben weltweit führenden Anbieters Polycom an der Wall Street vor sich hin. Auch die Übernahme des Konkurrenten PictureTel, dem größten Anbieter von PC-basierten Konferenzsystemen, half dem Polycom-Papier nicht. Doch nach dem Desaster von New York und Washington schnellte der Kurs der Aktie innerhalb einer Woche um 37 % in die Höhe. Auch die Aktien der Videokonferenzanbieter WebEx und Ptek Holdings (Premiere Conferencing) waren nach dem Anschlag stärker gefragt.

Die rasch gestiegene Nachfrage nach Videokonferenz-Systemen kann von den Anbietern zum Teil gar nicht spontan befriedigt werden - zumindest nicht so schnell, wie sich die Neukunden das vorstellen. "Viele europäische Unternehmen wollen, das wir ihnen binnen zwei Tagen mehrere Niederlassungen ausstatten", sagt Andreas Göttlicher, Vertriebsleiter für Zentral- und Osteuropa bei VCON. Die Kölner MVC Teleconferencing GmbH, nach eigenen Angaben größter Anbieter von Videokonferenzstudios- und dienstleistungen, will hier in die Bresche springen: "Um die Kommunikationslücke bis zur Installation zu schließen, verweisen wir auf unsere 1 500 Videokonferenzstudios, die wir weltweit vermieten", sagt Firmenchef Jörg Hoffmann.

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