Die Nachfrage nach Wertpapierkrediten sinkt
Zocken auf Pump ist aus der Mode

Die meisten Anleger halten Kredite, bei denen sie Aktien als Sicherheiten anbieten, derzeit nicht mehr für sinnvoll. Ihre Nachfrage nach so genannten Effekten-, Lombard- oder Wertpapierkrediten ist vergangenes Jahr stark gesunken.

DÜSSELDORF. "Wenn sich die Börsen seitwärts bewegen, machen Wertpapierkredite keinen Sinn", sagt Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Bei einem Wertpapierkredit hinterlegt der Anleger bei einer Bank sein Depot als Sicherheit, um einen Kredit zu erhalten. Je nach Bonität werden die einzelnen Titel im Depot zu verschiedenen Prozentsätzen als Sicherheit angerechnet. Bei den meisten Banken können Anleger inländische Werte zu 50 % beleihen.

Bei der Comdirect-Bank ist in 2001 die Zahl beliehener Depots um fast ein Zehntel zurückgegangen. Ende 2001 hatten 63 103 Comdirect-Kunden Kredite aufgenommen, 1376 weniger als ein Jahr zuvor. "Einen viel dramatischeren Rückgang konnten wir aber beim Kreditvolumen feststellen", sagt Mathias Hajek, Sprecher der Direktbank-Tochter der Commerzbank. Die Kreditsumme sank innerhalb eines Jahres von 54 % auf 250 Mill. Euro. "Die Kreditlinien, die wir unseren Kunden einräumen werden nicht ausgeschöpft, teilweise nicht einmal angerührt", so Hajek.

Ähnlich sieht es bei der DAB Bank - aus. Die von dem Institut eingeräumten Kreditlinien schöpfte ihre Kundschaft in 2000 noch zu 43 % aus, im vergangenen Jahr gerade noch zu 19 %. "Die Nachfrage ist gleichbleibend gering", sagt DAB Bank-Sprecher - Markus Kiefer.

Die Institute erklären den Trend mit dem aktuellen Börsenumfeld. "Effektenlombardkredite werden vor allem von Viel-Tradern genutzt. Diese wollen immer schnell und flexibel reagieren. Anstelle Liquidität auf Tagesgeldkonten bereitzustellen, nehmen solche Heavy-Trader für zwei bis drei Tage einen Kredit auf", erklärt Hajek von Comdirect. Steige das Handelsvolumen, würden Kreditlinien weiter ausgeschöpft, erwartet Hajek. So populär wie in den USA würden Wertpapierkredite hier zu Lande nicht werden, sagt Andreas Bartels von maxblue, dem Online-Finanzplatz der Deutschen Bank. "Zum einen ist die Aktienkultur in Deutschland noch nicht so ausgeprägt wie in den USA und zum anderen schrecken die Amerikaner nicht davor zurück, Schulden zu machen."

Aktionärsschützer sehen neben der Börsenlage weitere Ursachen für den Nachfragerückgang bei Wertpapierkrediten. "Einigen Anlegern haben solche Kredite das Genick gebrochen", sagt Markus Straub von der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre. Da Lombardkredite deshalb wiederholt in den Medien kritisiert wurden, wären Anleger viel vorsichtiger geworden. Trotzdem erwarten die Direktbanken, dass in besseren Börsenzeiten Effektenkredite beliebter werden. "Wenn die Börsen anziehen, werden auch Lombardkredite stärker nachgefragt", schätzt Consors-Sprecher Michael Kläver.

Einige Experten erwarten, dass die Nachfrage nach Effektenkrediten auch bei einem Anstieg der Börsen nie wieder das Niveau der Jahre 1999 und 2000 erreichen wird. "Einige Anleger haben durch Wertpapierkredite Haus und Hof verloren. Die haben ihre Lektion gelernt und werden bei einer ansteigenden Börse nicht wieder teilnehmen", sagt Aktionärsschützer Heise. Zudem werden die Institute seiner Meinung nach in Zukunft zurückhaltender bei der Vergabe solcher Kredite sein. "Wertpapierkredite werden von Banken nicht mehr so propagiert und die Bonität der Kunden wird gründlicher geprüft", sagt Heise. Hinzu kommt, dass einige Aktien aus dem Katalog, der beleihbaren Werte gefallen sind.

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