Die Nacht von Yokohama
Brasiliens Weltmeister hauen auf die Pauke

Der ansonsten so gestrenge Trainer Luiz Felipe Scolari hatte sie von der Leine gelassen. Und so tauchten sie mit Feuereifer, Frauen und Freundinnen ins Nachtleben der Drei-Millionen-Stadt.

dpa YOKOHAMA. Roberto Carlos hatte es nicht besonders eilig, früh ins Bett zu kommen. Lange nach dem Morgengrauen kehrte der ansonsten pfeilschnelle Außenspieler von Real Madrid am Montagmorgen um 07.00 Uhr auf leisen Sohlen ins Mannschaftshotel "Prince" zurück. Übermüdet, aber immer noch mit dem Lächeln des Siegers im Gesicht. Nicht seine gefürchteten Sprints entlang der Außenlinie im mit 2:0 gegen Deutschland gewonnenen WM-Finale hatten ihn geschafft. Seine Beine mit den beeindruckenden muskulösen Oberschenkeln mit dem Umfang von 60 Zentimetern hatte er mehr bei der rauschenden Siegesfeier des fünfmaligen Fußball-Weltmeisters in einer Diskothek in Yokohama Samba tanzend strapaziert.

Die Nacht von Yokohama gehörte den brasilianischen Weltmeister. Der ansonsten so gestrenge Trainer Luiz Felipe Scolari hatte sie von der Leine gelassen. Und so tauchten sie mit Feuereifer, Frauen und Freundinnen ins Nachtleben der Drei-Millionen-Stadt. Ausgang bis zum Morgengrauen, Freigang bis zum Wecken. Der Tag nach dem Triumph: In der Lobby des festungsartig angelegten Luxus-Hotels mit 441 Zimmern ging es wieder einmal so zu wie in einem Taubenschlag. So wie immer, wo die bewunderten Ballkünstler von Zuckerhut und Copacabana nächtigen. Brasilianische "Torcedores" und viele Japaner und Japanerinnen in kanariengelben Jerseys bevölkerten die Hotel-Halle. Das meistgetragene Trikot? Natürlich die Nummer 9 des Superstars Ronaldo, der sich mit seinen beiden Endspieltoren gegen Deutschland unsterblich machte. Die "10" der Legende Pele ist "out".

Die Fans standen mit einer Engelsgeduld um Autogramme an oder wollten wenigsten einen Blick auf ihre Lieblinge werfen. Diese räkelten sich allerdings noch in ihren Betten. Wenn sich wirklich mal einer kurz blicken ließ, wie Stürmer Denilson, hastete alles panikartig und kreischend in seine Richtung. Die Sicherheitskräfte hatten kräftig zu tun, um den Massenauflauf zu kontrollieren und Denilson in den Aufzug zu dirigieren. Über den Köpfen balancierte Fernseh-Kameras hielten diese "Augenblicke" in Wackelbildern fest. Dann war die endgültige Trennung angesagt. Durch ein Spalier von applaudieren Fans und Hotel-Angestellten bahnten sich Rivaldo, Ronaldo und Co ihren Weg in den Bus, der sie zum Abflug am Abend vom Tokioter Flughafen brachte. Selbst Roberto Carlos hatte wieder die Kraft, seine zwei Reisetaschen selbst zu tragen.

Die müden Helden malten sich schon einmal aus, was los sein wird, wenn sie von Yokohama am Dienstag via Los Angeles in Brasilia landen, wo Staatspräsident Fernando Cardoso sie empfängt. Von der brasilianischen Hauptstadt aus geht es dann weiter an die Strände von Rio de Janeiro oder nach Rio Grande de Sul, wo der jetzt plötzlich von allen geliebte Trainer Scolari zu Hause ist.

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