„Die nächste Stufe der Internet-Evolution“
Web-Services stehen im Blickpunkt der CeBIT

Eine neue Kategorie von Software verspricht in drei oder vier Jahren einen intelligenteren Umgang mit dem Internet: Bisher sind dort vor allem Daten auf Web-Seiten verknüpft - mit Hilfe von "Web-Services" sollen künftig auch Computerprogramme miteinander vernetzt werden. Dabei können dann auch Informationen aufbereitet werden, die jetzt noch mühsam zusammengesucht werden müssen.

WiWo/ap HANNOVER. Auf der Cebit in Hannover gibt es kein großes Software-Haus, das nicht auf diesen Trend aufspringt. "Web-Services sind die nächste Stufe der Internet-Evolution", erklärt der IBM-Software-Chef für Europa, Maurizio Carli, im AP-Gespräch. "Es geht darum, eine vielfach vernetzte Welt zu schaffen, in der Applikationen so miteinander ausgetauscht werden wie jetzt schon Daten."

Damit Computerprogramme miteinander kommunizieren können, müssen sie denselben Standards folgen. Ungeachtet aller sonstigen Konkurrenz haben sich deswegen IBM und Microsoft, SAP und die Software AG, Java-Erfinder Sun Microsystems und viele andere zur Einhaltung von Internet-Standards wie XML (Extensible Markup Language) verpflichtet. Zunächst geht es allen um neue Lösungen für große Geschäftskunden. Langfristig werden aber auch die Privatanwender - zumindest als Kunden - mit den Neuerungen in Berührung kommen.

"XML ist die Lingua franca im Internet", sagt der für die Vermarktung von Web-Services zuständige IBM-Manager Siva Darivemula. Wo bisher jede Datenbank - etwa die von Microsoft und Oracle - ihr eigenes Süppchen kochte, wird künftig zum Gemeinschaftsessen geladen: Wenn die Daten in XML vorliegen, können alle darauf abgestimmten Anwendungen damit umgehen. "Web Services nutzen Daten von verschiedenen Servern und präsentieren sie an einem Ort", erklärt Darivemula.

Reisepass für den Internet-Surfer

Praktisch demonstriert wird dies am Beispiel eines Projekts des IBM-Kunden Shell, bei dem es um die Zusammenarbeit von Ölkonzernen mit dem britischen Handels- und Industrieministerium geht. Anstatt die für Wettbewerbsanalysen benötigten Daten schriftlich oder telefonisch anzufordern, klopft ein Web-Service bei den ans Internet angeschlossenen Datenbanken der Unternehmen an, gibt sich mit einer digitalen Signatur zu erkennen, nimmt von einer Anwendung des Firmenservers die gewünschten Daten entgegen und bereitet schließlich die Daten aller Firmen übersichtlich in einer Grafik auf.

"Solche Web-Services werden in drei oder vier Jahren zum Alltag gehören", sagt Darivemula. Die Anwendungsmöglichkeiten sind nahezu unendlich - eine riesige Herausforderung für die Kreativität der Programmierer.

Diese sehen sich heftig umworben von zwei konkurrierenden Lagern: Microsoft will möglichst viele Entwickler für seine .Net-Strategie (ausgesprochen: "Dot-Net") gewinnen. IBM, Oracle und andere treten für die Java-Technik J2EE (Java 2 Enterprise Edition) ein. Andere schließlich wollen wie SAP nach allen Seiten offen bleiben. SAP werde sowohl Schnittstellen zur Java-Technik als auch zu .NET anbieten, kündigte SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann auf der Cebit an.

Microsoft hat als einen seiner ersten Web-Services eine Art Reisepass für den Internet-Surfer entwickelt: Das Passport-System soll unter anderem das Ärgernis abschaffen, dass man sich bei bestimmten Internet-Angeboten immer erst neu anmelden muss - und das einmal gewählte Kennwort vielleicht schon längst wieder vergessen hat. Kritiker machen jedoch Datenschutzbedenken geltend, wenn Hunderttausende persönlicher Daten bei Microsoft zentral gespeichert werden. Angeführt von Sun Microsystems will deswegen eine Gruppe von mehr als 30 Unternehmen, die "Liberty Alliance", ein alternatives Angebot für die Identifizierung von Nutzern im Internet entwickeln.

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