Die negativen Börsensignale überwiegen
Ende des Ausverkaufs ist noch nicht in Sicht

Trotz stark gefallener Aktienkurse und einem vordergründig hohem Maß an Pessimismus steckt in den Märkten noch viel Kursrisiko. Ein Ausverkauf und damit weitere kräftige Kursverluste würden den 20-jährigen Aufwärtstrend in vielen Börsenindizes beenden.

FRANKFURT/M. Gedanke der Sentiment-Analyse ist, dass ein fallender Markt erst dann sein Ende findet, wenn die Stimmung unter den Anlegern ihr größtes Ausmaß an Pessimismus annimmt. Der Grund: Pessimisten haben bereits ihre Aktien verkauft - Optimisten sind dagegen investiert, weil sie mit steigenden Kursen rechnen.

Nachdem in den vergangenen drei Monaten im marktbreiten amerikanischen S&P-500-Index die Kurse um mehr als 15 % gefallen sind, überwiegen nun in den Medien die negativen Kommentare zu den Aktienmärkten. Mehr und mehr Experten, sowohl für Charttechnik als auch für Fundamentalanalyse, sind ins pessimistische Lager gewechselt. Dies gilt auch für viele (daueroptimistischen) Chefstrategen großer Banken. Auch Versicherungshäuser, die aufgrund der fallenden Kurse ihre Kapitaldecke schwinden sehen, sorgen seit gut drei Wochen für erhöhten Verkaufsdruck. Von dieser Seite hat sich das Maß an Pessimismus bereits deutlich erhöht.

Ob die Stimmung ihr Tief erreicht hat, ist in der Regel erst im nachhinein feststellbar. Aufschlussreich ist ein Blick auf die Terminmärkte. Dort handeln Optimisten (Call-Käufer) gegen Pessimisten, die mit Put-Optionen an fallenden Kursen verdienen. Wenn der Pessimismus extrem hoch ist, sollte das Verhältnis von gehandelten Puts zu Calls überdurchschnittlich hoch sein. Derzeit zeigt der gleitende Durchschnitt des Put-Call-Verhältnisses zwar eine ebenso schlechte Stimmung wie zu Zeiten der September-Tiefs. Deshalb besteht die Chance für eine Wende. Allerdings wurde im aktuellen Bärenmarkt seit März 2000 das Niveau des Sentiments von Tief zu Tief pessimistischer.

Hinzu kommt, dass das Preisniveau der Optionen noch relativ niedrig ist. Terminmarkt-Teilnehmer verhalten sich demnach zur Zeit selbstgefällig. Erst wenn die Optionspreise panikartig in die Höhe schnellen, bekommen die Optimisten ihre Chance zur Kehrtwende in den Märkten - für die Put-Käufer würden sich die Käufe auf Grund des hohen Preises nicht mehr lohnen.

Einen Lichtblick liefern lediglich die Positionen der kapitalkräftigen professionellen Händler in den Vereinigten Staaten. Hier wurde in der vergangenen Woche die Netto-Verkaufsposition um 30 % reduziert.

Felix Pieplow ist unabhängiger Finanzmarkt- und Wirtschaftsanalyst.

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