Die negativen Nachrichten reißen nicht ab
US-Medienkonzerne stecken in der Krise

Hohe Abschreibungen und sinkende Werbeeinnahmen belasten die Branche. Allein der Medienriese Viacom scheint die derzeitige Krise besser zu meistern als die Konkurrenz.

SAN FRANCISCO. Schwere Zeiten für die amerikanische Glamourbranche: Hohe Abschreibungen, strategische Richtungswechsel, eine Welle von Entlassungen an der Führungsspitze der Medienhäuser sowie eine Flaute bei den Werbeeinnahmen belasten die Unterhaltungskonzerne. Und eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht.

Die Reaktion der Börsen ließ nicht auf sich warten: Der Bloomberg US-Medien-Aktienindex ist in den letzten 12 Monaten um 40 % gefallen. Ungleich größer sind die Verluste bei AOL Time Warner und dem französischen Medienkonzern Vivendi, deren Aktienkurse seit Jahresanfang rund 70 % verloren haben. Am wenigsten leiden Unternehmen wie Viacom, die sich nicht weit von ihrem Kerngeschäft entfernt haben und statt Visionen konservative Geschäftspraktiken verfolgten. "Investoren wollen klare Geschichten, saubere Bilanzen, einen klaren Cash-Flow und die Konzentration auf das Wesentliche", betont Peter Mirsky, Analyst beim Investmenthaus SG Cowen.

Doch den Anlegern bietet der Medienbereich ein ernüchterndes Bild: In der vergangenen Woche enttäuschte der Unterhaltungskonzern Disney mit roten Zahlen und belastete damit die ganze Branche. Der Kurs der Disney-Anteile sackte auf den tiefsten Stand seit 1995. Mit einer schnellen Besserung für den Unterhaltungskonzern, der 25 % seines Umsatzes durch Werbeeinnahmen erwirtschaftet, rechnet derzeit niemand. Investmenthäuser wie UBS Warburg, Merrill Lynch und Lehman Brothers haben ihre Gewinnerwartungen und Kursziele für Disney gesenkt. Selbst eine deutliche Belebung des Werbeklimas könnte nach Einschätzung von Analysten die Probleme des Unternehmens nicht ausräumen.

Auch bei AOL Time Warner herrscht Krisenstimmung. Nachdem die geringeren Wachstumsaussichten beim Internet-Zugangsanbieter AOL den Aktienkurs des Gemeinschaftsunternehmens gedrückt hatten, belasten die Nachforschungen der US-Börsenaufsicht und des Justizministeriums wegen möglicherweise fehlerhafter Bilanzen zusätzlich den Kurs. Umstrukturierungen im Management und Jonathan Miller als neuer Chef des Geschäftsbereiches AOL müssen sich erst beweisen, bevor Investoren wieder Vertrauen schöpfen.

Und die australische News Corp., zu der der US-Fernsehkanal Fox gehört, macht ihrem Besitzer Rupert Murdoch ebenfalls wenig Freude. Für zu teuer bezahlte Sportrechte musste das Unternehmen im Februar 900 Mill. $ abschreiben. Dennoch geht es dem Unternehmen vergleichsweise gut. Investoren honorieren die Tatsache, dass sich News Corp. bei Investitionen in Internet-Firmen zurück gehalten hat. Verunsicherung gibt es aber durch die komplizierten Bilanzen, die Investoren nach den Finanzskandalen von Enron und Worldcom misstrauisch stimmen. Analysten wie Jessica Reif Cohen vom Investmenthaus Merrill Lynch haben dennoch ihre Gewinnerwartungen für das gesamte Jahr 2002 angehoben.

Allein Viacom, in der Vergangenheit oft für seine zögerliche Internet-Strategie kritisiert, scheint die Krise besser als die Konkurrenz zu meistern. Der Konzern wird auf dem deutschen Markt als Bieter für die insolvente Kirch Media gehandelt. An der Wall Street ist der Medienkonzern mit einer Marktkapitalisierung von 67 Mrd. $ doppelt so hoch bewertet wie Disney. Zwar hat auch Viacom, zu dem der Musikkanal MTV, das Filmstudio Paramount und die Fernsehstation CBS gehören, unter der Flaute im Werbemarkt gelitten. Doch Analysten rechnen damit, dass das Unternehmen von einem möglichen Werbe-Aufschwung wegen des effizienten Managements stärker profitiert als die Konkurrenz.

Erste Anzeichen machten sich bereits bei den Ergebnissen des zweiten Quartals bemerkbar: Das Unternehmen sagte ein schnelleres Gewinnwachstum für die zweite Jahreshälfte voraus. "Viacoms Ergebnisse waren gut für die gesamte Unterhaltungsindustrie", lobt Fred Moran, Analyst beim Investmenthaus Jeffries & Co. Viacom habe genug Barreserven, um sich durch günstige Zukäufe in der Krise strategisch nach vorne zu bringen.

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