Die neue Bundesjustizministerin
Porträt: Brigitte Zypries

Mit Brigitte Zypries holt sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (beide SPD) eine alte Vertraute ins Kabinett. Seit 1991 sind ihre Berufswege verbunden.

ddp BERLIN. Damals berief Schröder Zypries in seine Staatskanzlei in Hannover. Seither war die politische Laufbahn der Juristin eng mit der Schröders verbunden. "Ihm verdanke ich meine Karriere", räumte die neue Bundesjustizministerin einmal unumwunden ein.

Umgekehrt verdankt der Kanzler ihr viel. Als Koordinatorin der Flutopferhilfe bewies die 48-Jährige bei der Jahrtausendflut in diesem Sommer ihre Fähigkeit, schnell und pragmatisch zu handeln. Zypries stemmte die schwierige Aufgabe, zehntausende Bundeswehrsoldaten und THW-Helfer zu dirigieren und die Hilfsgelder in Abstimmung mit den Ländern zu verteilen, mit Bravour. Damit leistete "Schröders Deichgräfin" ("Die Welt") einen entscheidenden Beitrag dazu, dass der Kanzler sich als Krisenmanager profilieren konnte - zusammen mit seinem Irak-Schachzug der wohl entscheidende Schub für den Wahlsieg von Rot-Grün.

Nach dem Juraexamen 1980 war Zypries zunächst wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Gießen. 1985 wechselte sie als Referentin in die hessische Staatskanzlei des damaligen Ministerpräsidenten Holger Börner (SPD). Drei Jahre später wurde die gebürtige Kasselerin wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

1991 holte dann der damalige niedersächsische Ministerpräsident Schröder Zypries als Referatsleiterin für die Staatskanzlei nach Hannover. 1995 wurde sie dort Abteilungsleiterin, 1997 stieg Zypries zur Staatssekretärin im Landesarbeitsministerium auf.

Nach seiner Wahl zum Bundeskanzler 1998 nahm Schröder sie mit nach Bonn, später nach Berlin. Als Staatssekretärin im Bundesinnenministerium von Otto Schily (SPD) wurde sie zuständig für Sport, Öffentlichen Dienst und Verwaltung. Ab Dezember 1998 betraute der Kanzler sie mit der Umsetzung seiner prestigeträchtigen "Initiative D21". Als Leiterin der Stabstelle "Moderner Staat - moderne Verwaltung" kümmerte sie sich unter anderem um den verstärkten Einsatz des Internets als Kommunikationsmittel zwischen Bürgern und Behörden. Bis 2005 soll die öffentliche Verwaltung vernetzt und online erreichbar sein.

In dieser Funktion stellte die Volljuristin ohne besondere Internetkenntnisse unter Beweis, dass sie sich effektiv in unbekannte Sachgebiete einarbeiten kann - eine gute Voraussetzung für ein Ministeramt. Schon im Herbst 2000 war sie als Kandidatin für das Amt der niedersächsischen Innenministerin im Gespräch, ein Jahr später auch als Nachfolgerin für Schily. In ihrem Umfeld gilt Zypries als "echte Kärrnerin", die "sich richtig reinkniet" und "auf die man sich hundertprozentig verlassen kann".

Die Tochter eines Unternehmers kokettiere gern damit, "dass sie eigentlich keine Politikerin sei", schrieb von einem Jahr das "Handelsblatt". Privat pflege die ledige und kinderlose Zypries einen "exklusiven Freundeskreis, zu dem renommierte Juristen und prominente Literaten zählen". Für ihr Hobby, das Sammeln von Antiquitäten auf den Flohmärkten der Welt, wird die neue Justizministerin wohl demnächst weniger Zeit haben.

ddp/mfl/bue 161202 Okt 02

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