Die neue Familienministerin
Porträt: Renate Schmidt

Renate Schmidt war von ihrer Berufung als neue Familenministerin selbst sehr überrascht. Vor gerade einmal 14 Tagen war sie noch als nächste SPD-Kandidatein für das Bundespräsidenten-Amt gehandelt worden.

ddp BERLIN. Ambitionen auf ein Ministeramt in Berlin hat Renate Schmidt stets weit von sich gewiesen. Und doch wurde die bayerische SPD-Politikerin immer wieder als künftige Familienministerin ins Gespräch gebracht - erst recht, nachdem die bisherige Amtsinhaberin Christine Bergmann (SPD) ihren Verzicht auf eine weitere Amtszeit verkündet hatte. Seit Mittwoch steht fest, die 58-Jährige gehört dem künftigen Bundeskabinett an.

"Ich kann in diesem Gebiet etwas bewirken", sagte Renate Schmidt in einer ersten Reaktion. Dennoch habe sie damit "überhaupt nicht gerechnet" - aber der Bundeskanzler sei der Meinung, sie solle es machen. Schmidts Ernennung zur Ministerin kam tatsächlich überraschend. Vor gerade einmal 14 Tagen war sie noch als nächste Bundespräsidentin gehandelt worden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) unterstütze die Kandidatur der Nürnbergerin im Mai 2004, hieß es Anfang Oktober.

SPD-Fraktionschef Franz Müntefering charakterisierte sie am Mittwoch als "Power-Frau". Schmidt sei die besten Frau, die die SPD für das Amt der Familienministerin vorzuweisen habe. Schließlich sei sie schon lange in Familienverbänden und in der Frauen- und Seniorenpolitik tätig gewesen.

Aus der SPD-Spitze ist die 1943 in Hanau/Main geborene Politikerin längst nicht mehr wegzudenken. Erst im November vergangenen Jahres wurde sie auf dem SPD-Bundesparteitag im Amt der stellvertretenden Bundesvorsitzenden mit 82,7 % der Stimmen bestätigt.

Schmidt, die als hartnäckig und humorvoll gilt, ist seit 1972 SPD-Mitglied. Von 1980 bis 1994 saß sie im Bundestag, zeitweise als Vize-Parlamentspräsidentin. Vier Jahre war sie stellvertretende Fraktionschefin an der Seite von Hans-Jochen Vogel.

1991 wurde Schmidt zur Vorsitzenden des bayerischen SPD-Landesverbands gewählt. Im Freistaat forderte sie mit großem Ehrgeiz die mit absoluter Mehrheit regierende CSU heraus. Zeitweise schienen ihre Chancen sogar günstig, als der bayerische Ministerpräsident Max Streibl (CSU) Anfang der 90er Jahre durch die Amigo-Affäre an Einfluss verlor und 1993 sogar darüber stürzte. Die SPD in Bayern verbesserte bei der Wahl 1994 zwar ihren Stimmenanteil, wurde aber nicht zu einer ernsten Gefährdung für die CSU.

Von diesem Jahr an saß Schmidt im bayerischen Landtag. Neben dem Parteivorsitz übernahm sie auch noch den Fraktionsvorsitz. Kampfeslustig und schier unermüdlich jagte sie den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Im April 2000 trat Schmidt dann von ihren Führungsämtern in der Landes-SPD zurück, nachdem sie innerparteilich in die Kritik geraten war.

Dennoch verabschiedete sich Schmidt damals von der SPD-Landesspitze nicht im Groll. "Ich würde alles genau so wieder machen", bekannte sie. Einen Ministerposten in der SPD-geführten Bundesregierung lehnte die Politikerin damals ab: "Der Schwerpunkt meiner politischen Arbeit bleibt Bayern und die Landespolitik." Dennoch blieb sie in der Bundespolitik eine wichtige Stimme und Anwärterin für einen Kabinettsposten.

Auch privat hat Schmidt schwere Zeiten durchlebt. 1961 wurde sie in der 12. Klasse des Gymnasiums schwanger und daraufhin aus der Schule entlassen. Später heiratete sie ihren Freund, lernte Programmiererin und arbeitete als Systemanalytikerin beim Quelle-Versand, wo sie bald in den Gesamtbetriebsrat aufrückte. Die Mutter von drei Kindern saß bereits für die SPD im Bundestag, als 1983 ihr damaliger Mann, der Architekt Gerhard Schmidt, auf der Straße zusammenbrach und starb.

Im Mai 1998 heiratete die zweifache Großmutter ihren Lebensgefährten, den Kunstmaler und Sozialwissenschaftler Hasso von Henniges. Zur ihren Hobbys zählt sie Lesen, Pilze suchen und Fahrradfahren.

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