Die neue Regelung tritt am Freitag in Kraft
Versicherer kommen Fluglinien entgegen

In der strittigen Frage um die Schadensdeckung bei Flugzeugunfällen durch Krieg oder Terror haben sich die Versicherer ein Stück auf die Luftfahrtkonzerne zubewegt.

rtr FRANKFURT. Die internationalen Versicherungen einigten sich auf eine Deckungssumme für Drittschäden von bis zu 150 Mill. $ je Flugzeug, wie der Deutsche Luftversicherungs-Pool am Dienstag auf Anfrage in München mitteilte. Die Deutsche Lufthansa prüft nach eigenen Angaben dieses Angebot, versucht aber weiterhin, eine höhere Deckung auszuhandeln. Wie indes bekannt wurde, erwägen mehrere Fluglinien bei der Europäischen Kommission eine Kartellbeschwerde gegen die Versicherungen wegen möglicherweise abgestimmten Verhaltens.

Weltweit hatten die Versicherer nach den mit entführten Flugzeugen verübten Anschlägen in New York und Washington die Deckungssummen bei Drittschäden durch "Krieg und Terror" durch Änderungskündigungen reduziert. Statt bis zu einer Milliarde Dollar wollten sie zunächst nur noch bis 50 Mill. $ haften, was nun jedoch auf 150 Mill. $ aufgestockt wurde. Einige Flughäfen beziehungsweise Länder erlauben den Fluggesellschaften jedoch nur die Landung ab einer bestimmten Deckung für Drittschäden. Zudem dürfen geleaste Flugzeuge zumeist erst aber einer Haftungssumme von 750 Mill. Dollar betrieben werden.

Freitag laufen die entsprechenden Klauseln für die Haftung für Drittschäden in den Policen aus. Durch die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon kamen vermutlich bis zu 7000 Menschen ums Leben. Es entstanden geschätzte Schäden von mehreren zehn Mrd. $.

Zur Kompensation der gesenkten Deckungssummen einigten sich die Länder der Europäischen Union (EU) darauf, Haftungsgarantien für ihre nationalen Fluglinien zeitlich begrenzt zu übernehmen. Die Bundesregierung haftet nach bisherigen Plänen bis Ende Oktober. Sollten die Fluglinien sich bis dahin nicht mit den Versicherern auf eine höhere Deckungssumme einigen, und der Bund seine Haftung nicht verlängern, können die Fluglinien ihre geleasten Maschinen nicht mehr betreiben und auch bestimmte Flughäfen - wie etwa den Hongkonger, der eine Mindestdeckung für Drittschäden von einer Milliarde Dollar verlangt - nicht mehr anfliegen. Über dies hinaus müssten sie theoretisch für alle Drittschäden von mehr als 150 Mill. ? aufkommen.

"Das reicht eigentlich nicht aus", kommentierte der Sprecher der Lufthansa-Versicherungsgruppe, Hermann Hausmann, die von den Versichereren vorgeschlagene Deckungssumme von 150 Mill. $. Die Lufthansa werde über eine weitere Erhöhung der Deckung für Drittschäden durch die Versicherungen verhandeln, müsse letztlich aber dass akzeptieren, was die Versicherer böten. Dies könnte theoretisch bedeuten, dass die Fluglinien bei Auslaufen der staatlichen Haftungsgarantien nur noch mit eigenen Maschinen zu bestimmten Flughäfen fliegen könne. "Ich gehe aber davon aus, dass die Bundesregierung (ihre Haftung) verlängert, oder aber Druck auf die Versicherer ausübt", fügte Hausmann hinzu. Sollte dies nicht geschehen, müsse die Lufthansa das dadurch entstehende wirtschaftliche Risiko abwägen.

Inwiefern die Versicherungen bei einer Deckung von bis zu 150 Mill. $ die Prämien für die Kriegshaftpflicht für Dritte anheben wollen, wurde zunächst nicht bekannt. Bei den zuerst angebotenen 50 Mill. $ hatten die Versicherer nach Branchenangaben einen Prämien-Zuschlag von 1,25 bis 1,50 $ je Passagier anvisiert. Weder der Luftversicherungs-Pool noch die Lufthansa konnten dazu am Dienstag Angaben machen. Die Prämien für die Kaskoversicherungen der Flugzeuge und Passagiere wurden nach Lufthansa-Angaben bereits um das bis zu Siebenfache angehoben, kommen in der absoluten Summe aber bei weitem nicht an die Kosten für die Versicherung der Drittschäden heran. "Als absoluten "Worst-Case' haben Versicherer früher immer einen Zusammenstoß zweier 747 über New York genommen. Jetzt ist es noch viel schlimmer gekommen", sagte Lufthansa-Experte Hausmann.

Wie die niederländische Fluglinien KLM am Dienstag bestätigte, denken mehrere europäische Fluglinien wegen der plötzlichen Änderungskündigungen bei der Kriegshaftpflicht für Dritte über eine Kartellbeschwerde bei der Europäischen Kommission gegen die Versicherungen nach. Die KLM selbst werde sich einer möglichen Beschwerde aber nicht anschließen. Reuters erfuhr aus Branchenkreisen, dass bereits erste Gespräche über eine solche Beschwerde laufen, aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden sein sollen. "Es gibt noch keine gemeinsame Linie. Überlegungen sind aber im Gang", hieß es in den Kreisen. Möglicherweise werde es in dieser Frage ein Treffen der betroffenen Gesellschaften geben.

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