Die neuen Besitzer wollen Fachverlagsgruppe ausbauen
Bertelsmann-Springer wird nicht zerlegt

Der Fachverlagskonzern Bertelsmann-Springer bleibt als Ganzes erhalten. Das haben die künftigen Besitzer, die Finanzinvestoren Cinven und Candover, angekündigt. "Wir haben keine Pläne für eine Zerlegung der Verlagsgruppe", sagte Jens Tonn, der den Kauf für das britische Private- Equity-Unternehmen Candover einfädelte, dem Handelsblatt.

FRANKFURT/MAIN. Die beiden Buyout-Spezialisten Cinven und Candover hatten im Mai im Rahmen einer Auktion den Zuschlag für die profitable Fachverlagstochter des Medienkonzerns Bertelsmann erhalten und dafür 1,05 Mrd. Euro ausgegeben. Sie wollen Bertelsmann-Springer in eine neue Wissenschafts- und Fachinformationsgruppe mit dem Namen Springer integrieren.

"Wir wollen im Bereich der Fachinformation weltweit die Nummer zwei werden. Deshalb werden wir das Unternehmen mit Kluwer Academic Publishers (KAP) verschmelzen", kündigte Cinven-Chef Peter Gangsted an. Er ist fest davon überzeugt, dass ein solches fusioniertes Unternehmen börsenfähig ist.

Die beiden Private-Equity-Firmen hatten KAP von dem niederländischen Verlagsriesen Wolters Kluwer für knapp 600 Mill. Euro gekauft. KAP ist spezialisiert auf Geistes- und Sozialwissenschaft, Umwelt, Naturwissenschaft und Informatik und verlegt jährlich rund 1 200 Bücher "KAP passt sehr gut zu Springer", heißt es in Unternehmenskreisen. Bertelsmann-Springer wird in dem neuen Unternehmen wegen seiner Größe die dominierende Rolle spielen. Die in Berlin, Heidelberg und New York ansässige Gruppe verlegt rund 2 500 Bücher pro Jahr und erzielte zuletzt einen operativen Gewinn von 102,4 Mill. Euro.

Sobald die EU den Kauf von Bertelsmann-Springer genehmigt hat, soll die Fusion der beiden Unternehmen schnell vorangetrieben werden. "Wir möchten vor allem das B-to-B-Geschäft voranbringen", sagt der 44-jährige Däne Gangsted. In einem ersten Schritt wollen die neuen Besitzer eine gemeinsame Online-Plattform schaffen, über die sie die Fach- und Wissenschaftsinhalte unter einem Dach anbieten. "In ein bis zwei Jahren sollte das Unternehmen integriert sein", kündigt Gangsted an. Die neue Verlagsriese hat ehrgeizige Umsatz- und Renditeziele. "Wir bewegen uns in einem attraktiven Markt mit Wachstumsraten von jährlich vier bis fünf Prozent", sagte Candover-Direktor Tonn.

Die 70 Verlage und 700 Zeitschriften (Bauwelt, Ärzte-Zeitung) von Bertelsmann-Springer erzielten im letzten Jahr einen Umsatz von 731 Mill. Euro. Der Umsatz von Kluwer Academic Publishers belief sich zuletzt auf 151 Mill. Euro. Die neue Gruppe soll allerdings nicht nur aus eigener Kraft wachsen. "Wir planen weitere Zukäufe, aber sie haben für uns keine Priorität", sagt Tonn. Zuletzt hatten die neuen Besitzer den Wissenschaftsverlag Leske + Budrich (Umsatz: rund 3,5 Mill. Euro) und 11 Fachzeitschriften aus dem Berliner Blackwell-Verlag übernommen. Trotz Fusion und Zukäufen ist der Abstand zum Branchenprimus gewaltig. Derzeit führt der niederländisch-britische Konzern Reed Elsevier mit einem Jahresumsatz von 4,56 Mrd. £ den Markt an.

Das Ziel der neuen Eigentümer ist klar: Ein Börsengang von Springer ab 2008 oder der Verkauf an einen Medienkonzern. Die mittelfristigen Chancen für Wissenschafts- und Fachverlage beurteilen die neuen Besitzer ausgesprochen positiv. "Wir wandeln uns zu einer Wissensgesellschaft. Davon wird die ganze Branche profitieren", ist sich Gangsted sicher. Wachstumschancen sehen die neuen Besitzer vor allem in Nordamerika. Dort entwickele sich der Bildungsmarkt zur Zeit dynamischer als in Deutschland.

Entlassungen sind derzeit nicht geplant. "Unser vorrangiges Ziel ist, Wachstum zu fördern und nicht Kosten zu senken. Wir wissen, dass im Verlagswesen Titel und Menschen die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind", betont Tonn. Derzeit beschäftigt Bertelsmann - Springer 5 300 Mitarbeiter in 16 Ländern.

Für Cinven und Candover ist die Fusion von Springer und Kluwer Academic Publishers zur weltweit zweitgrößten Fachverlagsgruppe das bisher größte Engagement im Medienbereich.

Cinven investiert in der Regel in erfolgreiche, konservative Unternehmen mit stetigen Cash-flows. Der Firmenwert soll durch Zukäufe, Strategiewechsel und Investitionen gesteigert werden. Das Eigenkapital der Buyout-Fonds stammt von institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen.

Candover hat seit seiner Gründung 1980 in 117 Buyouts mit einem Gesamtvolumen von rund 22 Mrd. Euro investiert. Bei dem drei Jahre älteren Finanzinvestor Cinven beträgt das Volumen gut 40 Mrd. Euro.

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