Die neuen Großaktionäre wollen die Führungsspitze des Telefonkonzerns auswechseln
Pirelli und Benetton kontrollieren Telecom Italia

Der Reifenhersteller Pirelli und die Unternehmerfamilie Benetton übernehmen mit einer Minderheitsbeteiligung Telecom Italia. Der Telefonkonzern soll strategisch neu ausgerichtet werden.

mab HB MAILAND. Für 7,2 Mrd. Euro in bar erwirbt der Reifen- und Kabelhersteller Pirelli gemeinsam mit der Industriellenfamilie Benetton die Kontrolle über die Telecom Italia. Damit ist die rund zweijährige Phase, in der eine Gruppe von norditalienischen Unternehmern die Geschicke des drittgrößten europäischen Telekomkonzerns bestimmten, beendet. Sie hatten durch die feindliche Übernahme eine Fusion von Deutscher Telekom und Telecom Italia verhindert. Die neuen Großaktionäre haben angekündigt, die Führungsspitze auszutauschen und das Unternehmen strategisch neu zu positionieren. Heute werden Marco Tronchetti Provera, Präsident von Pirelli, und Gilberto Benetton, Chef der Familienholding Edizione Holding, Details bekannt geben.

Wie der aktuelle Telecom-Italia-Chef Roberto Colaninno mit seinen Partnern im Frühling 1999, übernehmen auch Pirelli und Benetton den ehemaligen Monopolisten indirekt. Am Wochenende haben die beiden Partner das 22,6 %ige Aktienpaket, das die Luxemburger Finanzierungsgesellschaft Bell an der Holding Olivetti hält, für 7,2 Mrd. Euro gekauft. Olivetti verfügt über 55 % des Telecom-Italia-Kapitals und kontrolliert über diese Kette auch den mit über 22 Mill. Kunden größten nationalen Mobilfunkbetreiber Europas TIM und den Gelbe Seiten- und Internetdienstleister Seat Pagine Gialle. Bereits im Vorfeld haben Pirelli und Benetton über die Börse mehr als 4 % von Olivetti erworben, so dass sie nun 27 % der Holding besitzen. Diese Quote gilt als ausreichend, um effektiv die Kontrolle über den Konzern auszuüben. Nach italienischen Regeln sind die Käufer nicht gezwungen, den übrigen Aktionären ein öffentliches Kaufgebot zu unterbreiten.

Hinter der Bell stecken neben Colaninno der Großinvestor Emilio Gnutti sowie diverse Banken, wie Monte Paschi di Siena und Banca Antoniana Veneta. Der für die Olivetti-Papiere gezahlte Preis von 4,17 Euro liegt 80 % über der Notierung am Freitagabend (2,31 Euro) und beschert den Verkäufern einen Gewinn in Höhe von über 3 Mrd. Euro. Colaninno soll von seinen Partnern massiv zum Verkauf gedrängt worden sein.

Für den Deal haben Tronchetti und Benetton ein Übernahmefirmna gegründet, an dem Pirelli mit 60 % und Edizione Holding mit 40 % beteiligt sind. Die Finanzierung des Deals fällt beiden Käufern nicht schwer: Pirelli hat durch den Verkauf der optischen Komponenten an Corning aus den USA 3,5 Mrd. $ in bar eingenommen. Benettons Kriegskasse ist durch den Verkauf der Supermarktkette GS an Carrefour aus Frankreich mehr als prall gefüllt.

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