Die neuen Monitorsysteme werden immer kleiner und hochwertiger
Brille ersetzt PC-Bildschirm

In eine Videobrille integrierte Displays bringen Fernsehbilder oder digitale Informationen vom mobilen PC direkt vors Auge. Und neueste Entwicklungen transportieren die Bilder direkt per Laserstahl auf die Netzhaut.

DÜSSELDORF. Bilder direkt ins menschliche Auge zu schicken, das ist jetzt dem Washingtoner Unternehmen Microvision gelungen. Beim Virtual-Retinal-Display "Nomad" wird das Auge gleich selbst zur Leinwand: Kleine Bildprojektoren auf einem brillenartigen Gestell projizieren Monitorbilder mit extrem schwachen Laserstrahlen detailgenau auf die Netzhaut des Auges. Die europäische Flugsicherung Eurocontrol testete das Protomodell schon, um Fluglotsen einen besseren Überblick zu verschaffen.

Bei den bisherigen Mini-Bildschirm-Systemen sind die daumengroßen Displays noch in die Brille integriert. Dank eines ausgeklügelten Prismensystems lassen sich dabei PC-, Fernseh- oder Videobilder direkt vor das Auge spiegeln. Dabei entsteht der Eindruck, als säße man im Großraumkino und würde auf eine 1,30 Meter breite Filmleinwand in zwei Metern Entfernung blicken. Muteten die klobigen Datenhelme bis vor kurzem noch recht futuristisch an, so sind die neuartigen Multimedia-Brillen heute kaum noch größer und schwerer als Sonnenbrillen.

Brille statt Fernseher

Die "Formel 1 im Garten" oder das "Kino im Bett" verspricht etwa die Werbung für die Serienbrille Eye-Trek des Optikriesen Olympus, die man auch als Multimedia-Brille für Sonys Playstation 2 einsetzen kann. Schon jetzt können First-Class-Passagiere von Japan-Airlines auf Überseeflügen per Eye-Trek ungestört Videos und Kinofilme genießen. Auch Zahnärzte nutzen die Olympusbrillen schon, um ihre Patienten während der anstrengenden Behandlung mit entspannenden DVD-Filmen zu berieseln. "Die eigentliche Behandlung rückt so in den Hintergrund und der Patient behält den Zahnarztbesuch in angenehmer Erinnerung", sagt etwa Zahnarzt Volker Zimmermann.

Ebenfalls schon im Handel ist "Private Eye" der US-Firma Reflection Technology sowie Sonys Multimedia-Brille Glasstron. Bei Preisen von mehreren Tausend Mark wollen die Hersteller aus Fernost allerdings noch nicht den Massenmarkt bedienen. Künftig sehen Experten die Brillendisplays aber gerade als Ersatz für die Zwergenbildschirme der UMTS-Handys, Organizer und PDA. Dank Datenbrille könnten die mobilen Elektronikgeräte zukünftig nicht nur wesentlich kleiner und leichter werden, sondern wegen des geringeren Energieverbrauches auch viel länger netzunabhängig arbeiten.

Unterschiede kaum mehr zu erkennen

Wesentlich unauffälliger als die Fernost-Modelle ist die erst in kleinen Stückzahlen verfügbare Cyberbrille der US-Firma MicroOptical: Nur wer genau hinsieht, erkennt noch die Unterschiede zu einer herkömmlichen Sehhilfe. Das Clip-on-Display wird einfach auf ein handelsübliches Brillengestell geklemmt. Trotz Bildeinblendung kann der Betrachter weiter durch seine normale Brille schauen. Dank Bluetooth wird demnächst wohl bald auch das lästiger Kabel zwischen Brille und Computer verschwinden.

Auch Ärzte werden sich demnächst wohl einfach einen Monitor aufsetzen. So könnte etwa ein Chirurg das Operationsfeld im Blick behalten und zugleich unablässig Körperfunktionen oder das Röntgenbild des Patienten in seine Brille einspiegeln. Auch den Wartungstechnikern soll der Griff zur Datenbrille das Leben leichter machen. Per PC, Internet und Daten-Funkübertragung werden Wartungsanleitungen in das Sichtfeld der Videobrille eingeblendet.

BMW will künftig den Motorradfahrern sogar das Kartenlesen beim Fahren erleichtern: Per Bluetooth sollen Navigations- und Verkehrshinweise drahtlos auf eine spezielle "Infoeye"-Brille im Helm übertragen werden, so dass der Blick nicht mehr von der Straße abgewendet werden braucht.

Peinlichkeiten können vermieden werden

Noch weiter denken die Wissenschaftler am Bostoner MIT-Institut: Forscher Thad Starner trägt heute schon ständig eine Brille, deren linkes Glas von einem Mini-Bildschirm verdeckt ist. Mittels einer angeschlossenen kleinen Kamera erkennt ein elektronisches Gedächtnis die Gesichter von Besuchern und blendet ihm Namen und wichtige Daten in seine Brille ein. "Damit ist endlich Schluss mit der Peinlichkeit, einen Bekannten zu treffen, an dessen Namen man sich nicht mehr erinnert", heißt es im MIT.

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