Die neuen Nato-Mitglieder in Osteuropa wollen sich in ihrem Einsatz von niemandem übertreffen lassen
Analyse: Im Kampf gegen den Terror steht Prag in der Schuld der USA

Lange bestanden Zweifel, was die Aufnahme von Polen, Tschechien und Ungarn in die Nato im Jahr 1999 eigentlich dem Westen gebracht hat. Doch jetzt, im Kampf gegen den internationalen Terrorismus, zeigt sich, dass die neuen Mitgliedstaaten - allen voran Tschechien - kostbares Wissen in den Nordatlantik-Pakt eingebracht haben. Und nicht nur das: Die Osteuropäer gehen in ihrem Eifer und Einsatz so manchem Nato-Altmitglied mit gutem Beispiel voran. Dafür gibt es einige Gründe.

Prag entsendet für den Krieg gegen den Terror eine Elite-Kompanie zur Chemie-Abwehr. Die Tschechen übernehmen damit eine gefährliche Mission. Diese Kompanie kämpfte schon 1991 an der Seite der USA gegen den Irak. Doch damals geschah dies auf Einladung eines anderen Staats: Saudi-Arabiens. Schon dies zeigt die starke Affinität Tschechiens zur arabischen Welt.

Diese Affinität hat Tradition - und zwar eine düstere: Vor 1989 kämpfte die kommunistische Tschechoslowakei gegen die kapitalistischen USA. Der Kalte Krieg ergriff damals auch Arabien, Persien und Mittelasien. Prag und Bratislava standen dabei gegen die USA Schulter an Schulter mit so genannten Schurkenstaaten wie dem Irak, Syrien und Libyen. Die Tschechen dürften aus dieser Zeit ziemlich gut orientiert sein, wie man dort Geschäfte macht, wie diese Staaten funktionieren, wo ihre Schaltstellen sitzen und welche Agenten und Firmen für sie im europäischen Ausland gearbeitet haben.

Tschechien bildete im Kalten Krieg Tausende arabischer und mittelasiatischer Studenten aus sowie Hundertschaften von Soldaten, darunter auch Kampfpiloten. Sie kamen aus Libyen, Syrien, Algerien, dem Irak sowie auch aus Afghanistan. Einige davon, so der Verdacht im heutigen Prag, könnten dem Terrornetz der El Kaida angehören oder ihm zumindest nahe stehen. Tschechiens Geheimdienst analysiert zurzeit alle alten Araber-Dossiers, ob sich dort nicht Spuren des Terrorismus finden, die damals wegen des Dogmas des Kalten Kriegs verkannt wurden.

Doch nicht nur deswegen steht Tschechien in der historischen Schuld der USA. Geheimdienstquellen zufolge landete der von Metalldetektoren an Flughäfen nicht aufspürbare tschechische Plastik-Kunststoff Semtex in Terroristenhänden. Das Gleiche gilt für das passive Radarsystem Tamara, das sogar hochmoderne US-Tarnfighter entdecken kann. Erst jüngst wurde eine Bande an der polnisch-deutschen Grenze geschnappt, die Ermittlern zufolge tschechisches Semtex für Terroranschläge nach Deutschland und Frankreich schmuggeln wollte. Tschechien scheint über Jahre bis in die jüngste Vergangenheit hinein Europas große Sicherheitslücke gewesen zu sein. Und das weithin unerkannt. Folglich ist das Bestreben der Regierung in Prag, nun beim Kampf gegen den Terrorismus besonders gut dazustehen, sehr verständlich.

Dies gilt auch, weil die Nato im nächsten Jahr ihren Gipfel in Prag abhalten will. Dessen Thema sollte eigentlich die zweite Welle der Osterweiterung sein. Doch wird der Gipfel dann wohl auch Bilanz ziehen, ob die Nato und ihre neuen Mitglieder dem Kampf gegen den Terrorismus gewachsen waren - oder ob die Allianz weit umfassender reformiert werden muss als bisher angedacht.

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