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Die neuen russischen Minister im Kurzporträt

afp MOSKAU. Als Zeichen für ein Umdenken in seiner Tschetschenien-Politik hat der russische Präsident Wladimir Putin am Mittwoch zwei Zivilisten, Sergej Iwanow und Boris Grislow, zu seinen neuen Ministern für Verteidigung und Inneres ernannt. Beide kennen Putin aus Sankt Petersburg und gelten als engste Verbündete des Kreml-Chefs. AFP stellt die beiden in Kurzporträts vor:

Verteidigungsminister SERGEJ IWANOW gilt als der neue starke Mann hinter Putin. Der Einfluss des 47-jährigen langjährigen KGB-Mitarbeiters bei allen wichtigen politischen Themen ist so groß, dass Spötter ihm bereits den Spitznamen "Vize-Präsident" gaben. Seit November 1999 ist er Sekretär des Sicherheitsrats, der dem Kreml direkt unterstellt ist und die wichtigsten Vertreter von Sicherheit und Verteidigung vereint. Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Andrej Pjontkowski genießt Iwanow das "blinde Vertrauen" des Präsidenten: Das ist so groß, dass er inzwischen zu allen wichtigen Fragen Stellung nimmt, ob es um die Sicherheit geht, Russlands Auslandsschulden oder - zum Ärger seines Namensvetters Igor Iwanow - um die Außenpolitik. Wie der Präsident kommt auch Iwanow aus Sankt Petersburg. Dort tritt er 1976 nach seinem Philologie-Studium dem Geheimdienst KGB bei, wo er erstmals auf Putin trifft. Für den KGB ist er auf vielen Posten tätig, unter anderem 20 Jahre lang bei Auslandseinsätzen in Schweden, Großbritannien und Kenia. Beim KGB-Nachfolger FSB schafft er es - unter Putin - bis zum stellvertretenden Geheimdienstchef. Dort hatte er den Generalsgrad inne, auf den er aber vor wenigen Monaten verzichtete. Schon damals wurde über einen baldigen Karrieresprung des John-Le-Carré-Fans spekuliert, da nach den neuen Vorgaben der nächste Verteidigungsminister ein Zivilist sein sollte.

Mit BORIS GRISLOW steht erstmals seit dem Ende der Sowjetunion 1991 ein Zivilist an der Spitze des russischen Innenministeriums. Der 50-jährige Fraktionschef des Putin-getreuen Bündnisses "Einheit" ging erst spät in die Politik, machte dort aber rasch Karriere. Grislow wird am 15. Dezember 1950 als Sohn eines Luftwaffen-Piloten und einer Lehrerin in Wladiwostok geboren. Vier Jahre später zieht seine Familie nach Sankt Petersburg, Putins Heimatstadt. Dort studiert Grislow Ingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Raumfahrtkommunikation; dort tritt er auch seine erste Stelle als Ingenieur in dem militärisch-industriellen Betrieb Elektronpribor an, die er 20 Jahre lang innehaben sollte. 1991 tritt er aus der Kommunistischen Partei aus, gründet ein eigenes Institut zur Ausbildung von höheren Beamten. 1998 stellt er sich zum ersten Mal bei Wahlen in Sankt Petersburg - vergeblich. Erfolgreicher ist dagegen ein Jahr später seine Arbeit als lokaler Wahlkampfleiter für "Einheit": Im Dezember 1999 kommt er für das Bündnis in die Duma, im Januar wird er dessen Fraktionschef. Der durchtrainierte Sportfan gilt als einer der loyalsten Anhänger des Kreml-Chefs: Die Wochenzeitung "Itogi" witzelte vor kurzem, in den Fluren der Duma werde bereits kolportiert, Grislow wolle sich notfalls mit seinem Präsidenten aus dem Fenster zu stürzen, wenn dies der Stärkung der verfassungsgemäßen Ordnung diene.

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