Die Nutzer wehren sich
Dem Spam auf der Spur

Unerwünschte Werbemails sind nicht nur lästig, sondern ein massives wirtschaftliches Problem. Wie Sie sich dagegen wehren können.

hon DÜSSELDORF. Wissen Sie eigentlich, wie viel Spam-Mails Sie erhalten? Ein kleines Experiment kann helfen. Legen Sie bei einem kostenlosen E-Mail-Anbieter ein Postfach an. Und dann: Warten Sie. Auch wenn Sie von diesem Postfach niemals eine Mail verschicken, die Adresse nie, nie, nie an Dritte weitergeben - die Spammer finden Sie trotzdem.

Nach 30 Tagen stehen bei einem zu diesem Zweck von uns eingerichteten Postfach 143 Mails im Eingangsordner. Darunter ist keine einzige, die kein Spam wäre. Zwar hat der Yahoo-eigene Eingangsfilter den größten Teil der unerwünschten Post abgefangen und in einen eigenen Ordner verschoben. 29 Mails schafften es dennoch, im Eingangskorb zu landen. Die Zahlen potenzieren sich noch, wenn ein Postfach aktiv genutzt wird. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene E-Mail-Adresse in den Verzeichnissen unseriöser Massenmailer landet.

Ein Blick auf das Test-Postfach zeigt außerdem, dass sich Art und Anzahl des Spams etwa seit dem letzten halben Jahr geändert haben. Zum einen ist die Spam-Frequenz stark gestiegen, zum anderen hat sich die Strategie geändert. Viele Spammer verkünden in den Betreff-Zeilen nicht mehr marktschreierisch "billiger, besser, schöner" oder "Jennifer Lopez im Minirock!", sondern geben ihrem Mails den Anschein persönlicher Korrespondenz. Oft finden sich wie "Re: Here?s your Information", als handele es sich um eine Antwort auf eine persönliche Anfrage. Eine Taktik, die sich die Spammer offenbar von den Autoren von E-Mail-Viren abgeschaut haben - oder umgekehrt.

Das Phänomen ist mittlerweile weit mehr als ein bloß lästiges Ärgernis. Wer privat ins Internet geht, für den bedeutet das Herunterladen der Müll-Mails bare Online-Zeit. Die Europäische Kommission schätzt, dass Spam-Mails dadurch im Jahr 2001 europaweit rund 10 Milliarden Euro Online-Kosten verursacht haben. Die Marktforschungsgesellschaft Jupiter Media Metrix rechnet damit, dass im Jahr 2006 durchschnittlich 1600 Mails jährlich pro Internet-Nutzer verschickt werden. Sie schätzt den Produktivitätsverlust auf einen Dollar pro Mail. Die Gartner Group taxiert den Anteil von unerwünschten Mails auf 25 Prozent des gesamten Mail-Aufkommens.

Und im Büro sind die einkommenden Werbebotschaften zwar schnell gelöscht. Aber schon nach einem zweiwöchigen Urlaub kann das Aufräumen des eigenen Postfachs gut einen halben Tag kosten.

Dazu bremst der Spam den E-Commerce. Viele Nutzer geben ihre E-Mail-Adressen aus Angst vor Spam nicht mehr preis. Wenn diese beispielsweise zur Bestätigung einer Bestellung zwingend notwendig ist, kommt das Geschäft eben nicht zu Stande.

Deshalb werden zunehmend grobe Keile gegen den groben Klotz Spam in Anschlag gebracht. Die Anwaltskanzler Morrison and Foerster (MoFo) in San Francisco will nun einen Spammer vor den Kadi zerren. Sie hat 6500 unerwünschte Mails an ihre Belegschaft innerhalb eines halben Jahres dokumentiert. Das gefährde, so die Anwälte, die Existenz des Unternehmens.

"Wir leben von und mit der E-Mail. Wir kommunizieren via Mail mit unseren Kunden. Wir kommunizieren untereinander per Mail. Wir versuchen, schnell und effektiv zu arbeiten, und Spam-Mails behindern uns dabei", sagte MoFo-Partner Michael Jacobs gegenüber dem Online-Dienst der BBC.

MoFo bekommt seitdem noch mehr Mails: Fan-Post von begeisterten Nutzern, die den Anwälten ihre Unterstützung aussprechen. Für Jacobs eine völlig neue Erfahrung. "Ich bin seit 15 Jahren im Geschäft und habe noch nie etwas getan, was so populär war", sagte er gegenüber der BBC.

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