"Die Öffentlichkeit habe nicht verstanden, dass der Euro schon da sei"
EZB-Chef kritisiert eigene Image-Arbeit zum Euro

Ein Jahr vor der Euro-Bargeld-Einführung hat EZB-Chef Wim Duisenberg Versäumnisse bei der Image-Arbeit für die Gemeinschaftswährung eingeräumt. Er sei "wirklich enttäuscht", dass es nicht gelungen sei, "der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass der Euro nicht erst noch kommen wird, sondern schon längst vorhanden ist", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung".

afp FRANKFURT. "Das ist ein Manko, hier kann man von einem Scheitern reden." Das Euro-Bargeld wird in den Staaten der Euro-Zone zum 1. Januar 2002 eingeführt. Seit Anfang 1999 exisitiert die Gemeinschaftsdevise bereits als Buchwährung.

Der oberste Währungshüter der Euro-Zone kritisierte die von der Politik vorgegebene 3-jährige Übergangsfrist bis zur Bargeldeinführung. "Ich erachte es im Übrigen als größtes Handikap im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung des Euro, dass wir ihn noch nicht als Bargeld haben", sagte Duisenberg. Die EZB und die nationalen Notenbanken planen im kommenden Jahr eine groß angelegte Informationskampagne vor der Ausgabe des neuen Bargeldes. Der Schwerpunkt wird im zweiten Halbjahr liegen, wenn die Sicherheitsmerkmale der neuen Geldscheine bekannt gegeben werden.

EZB habe sich als eine schlagkräftige Institution bewiesen

Als "größten Erfolg" seiner Arbeit seit dem Euro-Start 1999 bezeichnete Duisenberg es, dass es über eine weite Strecke gelungen sei, die Inflation unter der Obergrenze von 2 % zu halten. Zudem habe die EZB mit Interventionen an den Devisenmärkten bewiesen, dass sie eine schlagkräftige Institution sei. Zurückhaltend zeigte sich Duisenberg zu der wirtschaftlichen Entwicklung in den Staaten der Euro-Zone. Zwar seien Inflationsrisiken "derzeit nicht sehr konkret", weil die Bedrohungen für die Preisstabilität durch sinkende Ölpreise und einen stärkeren Euro abnähmen; andererseits entwickelten sich in verschiedenen Teilen des Euroraums "Anspannungen am Arbeitsmarkt", sagte Duisenberg. Dies mache ihm "Sorgen".

Duisenberg wies im Zusammenhang mit den letzten Zinserhöhungen der EZB Vermutungen zurück, die Notenbank habe dabei vor allem auf das schlechte Kursverhältnis gegenüber dem Dollar reagiert. Zwar seien die letzten beiden Zinsentscheidungen "in der Tat vor dem Hintergrund getroffen worden, dass der Wechselkurs schon so lange Zeit auf ein so niedriges Niveau gefallen war". Hauptgrund sei aber die damit verbundene Gefahr eines Inflationsanstieges gewesen. "Für die EZB kann ich nochmals versichern, dass wir kein Wechselkursziel verfolgen", betonte Duisenberg. "Unser vorrangiges Ziel ist die Gewährleistung der Preisstabilität". Allerdings werde die EZB den Wechselkurs auch nicht völlig ignorieren. Zu möglichen Zinsentbeschlüssen im kommenden Jahr wollte sich Duisenberg nicht äußern. Er wolle den Märkten keine Impulse geben, sagte der EZB-Chef, "weder für die eine noch für die andere Richtung".

Der Euro gab unterdessen leicht nach. Die Europäische Zentralbank legte am Nachmittag einen Referenzkurs von 0,9285 $ fest. Damit war ein Dollar 2,1064 DM wert. Auch am Londoner Devisenmarkt bewegte sich der Euro leicht unterhalb der am Mittwoch erstmals seit fünf Monaten wieder überschrittenen Schwelle von 93 US-Cent.

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