Die Öko-Queen zieht sich zurück: Kosmetikkette Body Shop baut Führung um

Die Öko-Queen zieht sich zurück
Kosmetikkette Body Shop baut Führung um

Die britische Kosmetikkette Body Shop will unabhängig bleiben und mit einem neuen Management den Weg aus der Krise schaffen. Firmengründerin Anita Roddick, schon seit 1998 nicht mehr Chefin des Öko-Imperiums, wird dem Unternehmen künftig nur noch als Beraterin zur Seite stehen.

LONDON. Sie hat den Duft von Lavendel und Bergamotte in die Badezimmer der Welt gebracht. Und sie war stets auf der Suche nach neuen Naturprodukten - ob aus Matsch, Hanf oder fremden Ölen.

Anita Roddick, die Gründerin der inzwischen weltweit und an der Börse vertretenen Öko-Kosmetikkette Body Shop International Plc galt lange Zeit als nicht zu bremsen. Am Dienstag hat die ungewöhnliche Managerin, die vor 25 Jahren mit Ehemann Gordon das Geschäft mit Natur-Cremes und Öko-Shampoos startete und auch als Millionärin noch gegen den Reichtum auf der Welt kämpft, selbst einen Schlussstrich gezogen: Roddick zieht sich weitgehend aus dem eigenen Unternehmen zurück. Sie wird nur noch einen unbedeutenden Beraterposten behalten.

Gleichzeitig gab das Unternehmen einen Umbau in der Führungsebene sowie den Abbruch der seit Monaten andauernden Übernahmegespräche bekannt. Im September hatte Body Shop erklärt, mehrere Interessenten hätten sich gemeldet, um die in der Krise steckende britische Gruppe zu übernehmen. Ein erster Versuch war im Juni mit der mexikanischen Grupo Omnilife erfolglos verlaufen.

Der Aktienkurs von Body Shop reagierte am Dienstag mit einem deutlichen Einbruch. Der Kurs gab zunächst um 14 % nach, erholte sich dann auf 86 Pence. 1992 hatte Body Shop noch bei 370 Pence notiert.

Unberührt von Roddicks Rückzug bleibt die Eigentümerstruktur, bestätigte eine Firmensprecherin dem Handelsblatt. Danach besitzen Anita und Gordon Roddick gemeinsam rund 25 % an dem Unternehmen. "Daran wird sich auch nach dem Rückzug aus dem aktiven Management nichts ändern."

Der Öko-Konzern ist seit 1984 an der Börse in London notiert und mit rund 1 900 Läden in 50 Ländern der Welt vertreten - darunter auch in Deutschland mit 85 Geschäften. Nach Ansicht von Marktbeobachtern steckt hinter dem Umbau der gescheiterte Versuch der angeschlagenen Kosmetikkette, sich von einem Konkurrenten übernehmen zu lassen. Angeblich sollen die Gebote deutlich unter 100 Pence pro Aktie gelegen haben. Body Shop habe auf 110 bis 130 Pence gehofft.

Body Shop bricht Übernahmeverhandlungen ab

Überraschend verlässt Patrick Gournay, der erst vor gut zwei Jahren von Danone zu Body Shop gewechselt war und Roddicks Posten als Chief Executive Officer übernommen hatte, das Unternehmen. Nachfolger wird Peter Saunders, bislang für das US-Geschäft verantwortlich. Direktor Adrian Bellamy wird Executive Chairman.

Das neue Management erklärte, Body Shop wolle nun als unabhängiges Unternehmen seinen Aktionären den "größten Wertzuwachs" bieten. "Wir werden nicht in eine neue Runde von Übernahmegesprächen starten", hieß es. Einige Analysten erklärten, Bellamy und Saunders seien eine gute Wahl Andere reagierten enttäuscht. "Ich kann nicht sehen , dass sich viel geändert hat", sagte David Stoddart von Tether and Greenwood zur Strategie.

Vor allem Fehler bei der Produktpolitik hatten den Gewinn bei Body Shop in den vergangenen Jahren kräftig einbrechen lassen. Im Jahr 2000 war er um 20 % auf 25 Mill. £ geschrumpft. Wie schon damals fiel auch das jüngste Weihnachtsgeschäft schwach aus. Die Bilanz legt Body Shop im Mai vor.

Zur Ruhe wird Body Shop kaum kommen. Die aktive Umweltschützerin Roddick erklärte, sie wolle sich auch als Beraterin zu Wort melden und könne in dieser Rolle viel besser "den Tyrannen" als bisher spielen. Zudem werde sie bei der Produkt-Entwicklung mitwirken. Roddick ist soeben von einem Trip aus Ghana zurückgekehrt. Dort hat sie mit Bauern die Verwendung von Butter getestet, die aus Shea-Bäumen gewonnen und zur Hautpflege eingesetzt wird.

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