Die Old Economy prescht im Online-Reisegeschäft nach vorn
Dot.coms verlieren den Reisemarkt

Im Online-Reisemarkt tobt ein harter Konkurrenzkampf: Etablierte Konzerne der Old Economy unterstützen Reiseportale wie Opodo oder Travelocity und füttern sie kräftig mit Kapital. Den unabhängigen Reisebüros aus der Zeit des Dot.com-Booms geht hingegen allmählich das Geld aus.

MÜNCHEN. Etablierte Konzerne drängen die Internet-Anbieter der Dot.com-Generation im europäischen Reisemarkt immer stärker ins Abseits. Während Neue-Markt-Unternehmen wie Travel24.com wegen anhaltender Verluste in Liquiditätsengpässe geraten, gehen Firmen der Old-Economy mit ihren Web-Aktivitäten auf die Überholspur.

Jüngstes Beispiel: Opodo. Hinter dem neuen Anbieter steht die geballte Macht der europäischen Fluggesellschaften. Neun große Fluggesellschaften, darunter Deutsche Lufthansa, Air France und British Airways, haben zunächst 65 Mill. Euro in ihr neues elektronisches Reisebüro investiert. Mit Opodo wollen sie einen günstigen Online-Vertriebskanal aufbauen und sich damit vor allem die Provisionen für Reisebüros einsparen.

Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verband (DRV) wehrt sich vehement und fordert gemeinsam mit dem europäischen Dachverband ein kartellrechtliches Verbot - bisher allerdings vergebens. Trotz einiger Auflagen der EU-Wettbewerbshüter legte der Neuling einen erfolgreichen Start hin: Erst gut zwei Monate im Netz, belegt das Flugreise-Portal dank einer teuren Kampagne und Lockvogel-Angeboten bereits Platz zwei unter den beliebtesten deutschen Reiseadressen im Web. Nach Ergebnissen der Marktforscher Jupiter MMXI wurde im Januar 2002 nur das Portal Bahn.de in Deutschland noch öfter besucht.

"Der späte Markteintritt hat uns sicher Vorteile gebracht. Das Lehrgeld haben andere gezahlt", sagte Frank Riecke, Deutschland-Chef von Opodo, dem Handelsblatt. Bisher offeriert das Unternehmen auf seiner Website etwa 80 % des deutschen Flugangebots sowie Hotel- und Mietwagenprodukte. Noch in diesem Jahr sollen Pauschal- und Last-Minute-Reisen hinzukommen. Opodo will 2004 Marktführer im europäischen Online-Reisemarkt werden und dann erstmals auch schwarze Zahlen schreiben.

Der Markt allerdings ist bereits hart umkämpft: Neben spezialisierten Online-Reisebüros wie Travelocity Europe, das zu 50 % der Handelsgruppe Otto gehört, bieten auch große Reisekonzerne (TUI, Thomas Cook) sowie allgemeine Web-Portale (T Travel)-Online bereits Urlaubsreisen über das Internet an.

Dieser hochkarätigen Konkurrenz scheint die Münchner Travel24.com nicht mehr gewachsen: Über deren Homepage buchen täglich nur 40 Kunden ihren Urlaub. Um die Gewinnschwelle zu erreichen, benötige man allerdings zwischen 80 und 100 Online- Bucher pro Tag, sagte Travel24-Chef Marc Maslaton dem Handelsblatt. Der Firma droht das Geld auszugehen. Von den 65 Mill. Euro, die Anleger beim Börsengang in die Kassen spülten, sind nur noch 10 Mill. Euro übrig. Die Travel-24-Aktie war zu 29 Euro im März 2000 30-fach überzeichnet aufs Parkett gekommen. Heute notiert das Papier unterhalb der Eine-Euro-Marke.

Maslaton zog deshalb im Herbst 2001 die Notbremse und entließ mehr als die Hälfte der Mitarbeiter. Im September standen noch 300 Beschäftigte auf den Gehaltslisten, jetzt sind es noch 130. "Wir werden den Break-even erreichen", zeigt sich der Travel24-Chef vom Erfolg des Sparkurses überzeugt. Marktforscher indes haben Zweifel: "Die meisten Reiseseiten im Internet schaffen es nicht, den Besuchern in ihrer Entscheidungsfindung zu helfen und verpassen damit die Gelegenheit, aus Besuchern Käufer zu machen", urteilt Jupiter MMXI. Die Deutschen hätten sich inzwischen zwar daran gewöhnt, Zugfahrkarten und Flugtickets online zu buchen, sie seien aber bei der Buchung von Urlaubsreisen übers Netz noch sehr zurückhaltend, hat Jupiter festgestellt.

Vom anhaltenden Wachstum des Online-Reisevertriebs indes sind die Marktbeobachter überzeugt. Bis 2006, prognostiziert Jupiter, werden die Europäer rund 20 Mrd. Euro für das Online-Buchen von Urlaubsreisen ausgeben. Opodo-Manager Riecke ist zuversichtlich, dass die Internet-Portale etablierter Konzerne den Löwenanteil dieses Umsatzes einsammeln werden: "Weil sie guten Service zu einem günstigen Preis bieten können - anders als viele Konkurrenten."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%