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Die Oldies an den Neuen Markt!

Jugendkult adé. Wann immer in diesen Tagen Chefposten neu zu vergeben sind, haben 50-jährige Jungspunde schlechte Karten.

In der Krise setzen selbst High-Tech-Konzerne, in denen noch vor kurzem schon 35-Jährige zum alten Eisen zählten, auf Reife, Erfahrung, ja vielleicht sogar Weisheit. Dass die neuen Chefs die Technik, über die sie entscheiden, noch in ihren Kinderschuhen erlebt haben, ist da vielleicht sogar von Vorteil. So soll der 63-Jährige Aventis-Aufsichtsrat Jean-René Fourtou den Scherbenhaufen kitten, den sein rund 20 Jahre jüngerer Vorgänger Jean-Marie Messier bei der Mediengruppe Vivendi hinterlassen hat. Sogar 72 Jahre musste Helmut Sihler alt werden, um vom jugendhaften Ron Sommer den Chefposten bei der Deutschen Telekom zu übernehmen.

Doch während Europas Großkonzerne den Trend setzen, um das Vertrauen von Kreditgebern und Investoren zurückzugewinnen, haben die Neue-Markt-Firmen die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt. Dabei wäre es so einfach. Einige Vorschläge:

Edzard Reuter (74), ehemaliger Chef von Daimler-Benz, kann Comroad nicht nur aus der finanziellen Krise holen. Auf die Vision, aus dem Telematikanbieter einen integrierten Technologiekonzern zu formen ("Zu Wasser, zu Lande und in der Luft") wird die Börse begeistert reagieren. Für Eberhard Martini (67), den früheren Chef der Hypo-Bank, sollte es ein Leichtes sein, den Direktbroker DAB mit innovativen Immobiliengeschäften aus den Miesen zu holen.

Auch Leo Kirch, der für sein ehemaliges Unternehmen nicht mehr viel tun kann, könnte mit seinen kaum 76 Jahren der Moorhuhn-Firma Phenomedia neues Leben einhauchen. Auf einen wie Berthold Beitz, mit 88 Jahren der Doyen der deutschen Industrie, warten Firmen wie der Autozulieferer Sachsenring schon viel zu lange. Sobald Repower, der Hersteller von Windkraftanlagen, sein Geld aus dem Börsengang verpulvert hat, wird es auch dort heißen: Daniel Goeudevert, übernehmen Sie! Und der Telefonie-Software-Anbieter Telesens KSCL wird erst wieder eine Zukunft haben, wenn er - ja, wen wohl? - Ron Sommer verpflichtet. Aber erst in 20 Jahren.

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