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Die "passiven" Fonds

Es gibt viele Möglichkeiten, Anlageentscheidungen zu treffen. Man kann Experten fragen, die sich der fundamentalen Analyse verschrieben haben - also der Auswertung wirtschaftlicher Kennzahlen.

Oder die Angehörigen der "technischen" Zunft, die auf die Kurscharts schwören. Man kann auch, wie es die Handelsblatt-Redaktion vor einigen Jahren getan hat, eine Kurstafel an die Wand kleben und mit Pfeilen bewerfen. Oder einen Affen beauftragen, Aktien herauszusuchen - diese Idee hatte zuletzt das Kundenmagazin der Direkt Anlage Bank (wobei der "Affe" dort in Wirklichkeit ein Zufallsgenerator ist).

Das erstaunliche Ergebnis: Nicht immer liegen die Experten besser als die Affen. Der Grund dafür ist nicht, dass die Affen besonders klug wären. Eine wichtige Rolle spielt vielmehr die Transparenz der Märkte. Wenn alle Experten und großen Anleger rund um die Welt einen ähnlichen Kenntnisstand haben, dann sind diese Informationen im Prinzip schon im Kurs der jeweiligen Aktie enthalten. Anders gesagt: Es ist sehr schwierig, klüger als der Markt zu sein, denn der Markt wird von vielen Teilnehmern bestimmt, die auch alle nicht dumm sind.

Ein Beispiel: Wenn alle glauben, die Aktie X müsste steigen, dann ist diese Erwartung schon im Kurs enthalten, und es fragt sich, warum sie tatsächlich weiter steigen sollte. Anders sieht es bei intransparenten Märkten aus, in denen tatsächlich einzelne Teilnehmer mehr wissen als andere - aber gerade das ist bei Top-Aktien selten der Fall.

Dieses Phänomen erklärt auch, warum es für Fondsmanager so schwierig ist, den Index des Marktes, in den sie investieren, zu schlagen. Die Rennlisten der Fonds zeigen: Eine kleine Spitzengruppe liegt meist besser als der Index, die Mehrheit oft aber schlechter.

Indexfonds sind in den USA Verkaufsschlager

Wozu also überhaupt den aufwändigen Versuch unternehmen, besser als der Markt zu sein? Wer diese Frage stellt, ist reif für den so genannten "passiven" Investment-Ansatz. Im Gegensatz zu den "aktiven" versuchen die "passiven" Fonds lediglich, einen Index möglichst genau nachzubilden. Teure Analysten werden dafür nicht benötigt, sondern präzise arbeitende Finanzingenieure. Rein mathematisch müsste die Wahrscheinlichkeit, mit diesen "Billigfonds" Geld zu verdienen, höher sein als mit den aktiv gemanagten - wenn man davon ausgeht, dass das aktive Management viel kostet, aber in transparenten Märkten kaum etwas bringt. Vor allem in den USA sind Indexfonds bereits ein Verkaufsschlager.

Indexfonds sind vor allem für risikoscheue Anleger geeignet. Sie haben dann nicht das Risiko, schlechter als der Markt zu sein, aber auch keine entsprechende Chance. Im Jahr 2000 haben viele "aktiv" gemanagte Fonds relativ schlecht ausgesehen, weil sie zu lange auf die Technikwerte gesetzt haben. Andererseits haben defensiv agierende Fondsmanager die Möglichkeit, sich in hohe Bargeldbestände zu flüchten, wenn ein Index in den Keller rauscht - der Indexfondsmanager kann das nicht.

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