Die Peso-Abwertung war nötig, urteilen Sachverständige
Experte: Keine Alternative zur Peso-Abwertung

Zur Abwertung des Peso in Argentinien bestand nach Auffassung von Wolfgang Wiegard, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, kaum eine andere Möglichkeit.

vwd BERLIN. "Zur vorgenommenen Abwertung bestand keine ernsthafte Alternative", sagte Wiegard am Mittwoch im Gespräch*) mit vwd. Die 1:1 Bindung an den Dollar aufzugeben, "daran führte wohl kein Weg vorbei". Zwar habe das seit 1991 geltende Currency-Board-System Anfang der 90er Jahre für Wachstum und einen relativ hohen Grad an Preisstabilität geführt.

Dieses System habe jedoch nicht mehr gehalten werden können, "wenn überhaupt eine Chance auf wirtschaftliche Erholung bestehen sollte", sagte Wiegard. Zur Bewältigung der Krise reiche die jetzt vorgenommene Abwertung jedoch nicht aus. Zum einen sei der Übergang zu einem gespaltenen Wechselkurs mit einem festen Wert für Außenhandels- und Finanztransaktionen und einem sonst floatenden Peso "wenig überzeugend". Zum anderen müssten ergänzende Maßnahmen und hier vor allem eine strikte Haushaltsdisziplin hinzu kommen.

Auch müsse die Glaubwürdigkeit der Wirtschaftspolitik und der Politiker wieder hergestellt werden, sagte Wiegard. "Das sagt sich natürlich leichter als es umzusetzen ist", räumte der Sachverständige ein. Die Gefahr eines Rückfalls in Zeiten des Protektionismus und der Inflation in Argentinien bestehen nach Meinung von Wiegard durchaus. Um so wichtiger sei es, endlich auf strikte Haushaltsdisziplin zu achten. Eine Konsolidierung der wirtschaftlichen Lage in Argentinien ist aus Sicht Wiegards auch Voraussetzung für eine gesamtamerikanische Freihandelszone.

"Solange die Krise in Argentinien nicht ansatzweise bewältigt ist, ist eine gesamtamerikanische Freihandelszone unter Einschluss Argentiniens weder realistisch noch sinnvoll", sagte der Sachverständige. Er wies dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Teil der Schuld an der gegenwärtigen Lage in Argentinien zu. Es treffe sicherlich zu, dass der IWF Argentinien in den 90er Jahren "etwas leichtfertig" Kredite gewährt habe und dies noch bis in das vergangene Jahr hinein. "Insofern hat der IWF zur Verlängerung und zum Ausmaß der Krise in gewisser Weise beigetragen", sagte Wiegard.

Andererseits werde Argentinien ganz allein nicht aus der Krise herauskommen. Der IWF werde helfen müssen. "Allerdings unter ganz strikten Auflagen, sonst ist das herausgeschmissenes Geld", warnte Wiegard.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%