Die Phantasie von Droog-Design reicht vom Lumpen-Look bis zum Baroccoco-Heizkörper
Zwischen Baum und Borke

Es kommt nicht alle Tage vor, dass Vernunft so großmütig und Design so uneitel auftritt. Aber immer öfter, seit es Droog gibt.

Bloß keine Aufregung. Man kann aus allem noch was machen. Selbst aus peinlichen Wutausbrüchen. Die Porzellanvase von Frank Tjepkema und Peter van der Jagt geht zwar zu Bruch, wenn man sie zornig zu Boden schmettert, aber sie trägt es mit Fassung. Eine Silikonschicht im Innern hält die Scherben zusammen - und schon ist aus einem gängigen Serienprodukt kein Scherbenhaufen, sondern eine Art Spezialanfertigung geworden, die niemand sonst besitzt. Der Name ist Programm: "Do break."

Es kommt nicht alle Tage vor, dass Vernunft so großmütig und Design so uneitel auftritt. Aber immer öfter, seit es Droog gibt. Droog (trocken) ist die Dachmarke, unter der die Publizistin Renny Ramakers und der Designlehrer Gijs Bakker seit gut zehn Jahren eine muntere Bande von jungen Designern versammeln, die keine Lust mehr haben, für unsere ohnehin schon überfüllte Umwelt ständig neue Lifestyle-Accessoires zu erfinden.

Droog begnügt sich damit, die vorhandenen Requisiten des täglichen Lebens als Ressource zu nutzen. So werden aus abgetragenen Kleiderlumpen komfortable Sessel, aus ausrangierten Schubladen aparte Kommoden, aus altmodischen Stehlampen Hängeleuchten, die lässig von der Decke baumeln; und den Kuhmist exportiert man als clevere Verpackungen für den Exporthit Tulpenzwiebel gleich mit.

Wer argwöhnt, dass Design da zum ökologischen Gesinnungsstück wird, liegt so falsch nicht. Tatsächlich ist Droog ein Kind der frühen 90er-Jahre, die nach den selbstgefälligen ästhetischen Eskapaden der Post-Memphis-Ära Alternativen zum heillosen Formenüberschuss und Warenüberfluss suchten. Neben der neuen Bescheidenheit gehörte dazu Recycling-Design.

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