Die Politische Entscheidung, die Gewalt zu eskalieren, komme nicht von der Palästinenser-Regierung
Fatah-Flugblätter rufen zum "Volkskrieg" auf

Die Ortsverbände der Palästinenser-Organisation Fatah haben am Sonntag den "Volkskrieg" gegen die Besatzungsmacht Israel ausgerufen und an die Bevölkerung der Palästinenser-Gebiete appelliert, täglich ab 13.00 jede Arbeit ruhen zu lassen.

Reuters RAMALLAH. Im Schutze der Dunkelheit seien überall im Westjordanland und Gaza-Streifen Flugblätter an die Haushalte verteilt und an Laden- und Autofenster geklebt worden. Eine "neue Phase" der vor elf Tagen auf dem Tempelberg begonnenen Intifada stehe bevor, die "El-Kuds-Intifada", der Kampf um Jerusalem, erklärte der Fatah-Chef von Ramallah am Sonntag. El Kuds ist das arabische Wort für Jerusalem.

Ein anderer Funktionär der palästinensischen Fatah-Partei erklärte, die Entscheidung für die neue Intifada sei ohne vorherige Konsultation des Palästinenser-Präsidenten Jassir Arafat von den Basis-Organisationen getroffen worden. Es gebe Differenzen zwischen den Ortsverbänden und der Führung, aber die Basisorganisationen müssten sicherstellen, dass der Aufstand in die richtige Richtung gesteuert werde. Die politische Entscheidung, die Gewalt zu eskalieren, komme nicht von der Palästinenser-Regierung, die noch nicht alle Brücken zur Verständigung mit Israel abgebrochen habe.

Auf den Flugblättern hieß es, für die Palästinenser sei die offene Konfrontation die einzige Möglichkeit, da Israel ihre Rechte missachte. Die Intifada werde voraussichtlich für längere Zeit Leben und Alltag der Palästinenser bestimmen. Die Fatah forderte die politische Führung auf, keine Friedensgespräche mit Israel zu führen und auch die Sicherheitskoordinierung mit den Israelis einzustellen. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak hatte unmittelbar vor dem am Sonntagabend beginnenden jüdischen Jom-Kippur-Fest ultimativ die sofortige Einstellung aller Gewaltakte verlangt und mit dem Einsatz aller militärischen Mittel gedroht. Sollten die Straßenproteste der Steinewerfer nicht bis Montag enden, werde dies als das gewollte Ende des Friedensdialogs angesehen, hatte Barak gesagt.

Ein Fatah-Funktionär, der zugleich Kabinettsminister ist, kritisierte die Entscheidung der Fatah-Basis. Politische Entscheidungen stünden nur der Regierung, nicht aber den Ortsverbänden zu, sagte der Palästinenservertreter.

Andere Fatah-Vertreter wiesen auf die neue Form der Auseinandersetzungen in den letzten Tagen hin: Israel setze Kampfhubschrauber, Panzer und Raketen ein. Zwar benutzten die jugendlichen Kämpfer der Palästinenser weiterhin Steine, aber zum ersten Mal hätten sie auch gewagt, ihre Sturmgewehre einzusetzen. "In dieser neuen Intifada werden die Jungen der Fatah ihre Waffen weise einsetzen, sie werden ihre Kugeln klug verwenden, jede Nacht auf Armeeposten und Siedlungen schießen, aber nicht während der Straßenproteste mit vielen Menschen", erklärte ein Fatah-Funktionär.

In Israel beginnt am Sonntag das Jom-Kippur-Fest, der höchste jüdische Feiertag, mit Beten und Fasten. Jom Kippur wird mit Versöhnungsfest übersetzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%