Die politische Krise in der Türkei hat einen hohen Preis
Zentralbank holt sich Teil der Reserven wieder

egl FRANKFURT/M. Ausgelöst durch einen Streit an der Staats- und Regierungsspitze hat die Türkei am Montag in wenigen Stunden rund ein Fünftel ihrer Währungsreserven verloren. Davor lagen diese bei rund 25 Mrd. $. Für die neuerliche politische Krise, das zeigte sich am Dienstag, zahlen die Türken einen hohen Preis. Die Zinsen schossen in die Höhe. Callum Henderson, Emerging-Markets-Stratege von Citibank/Salomon Smith Barney, warnte vor den Ansteckungsgefahren für andere aufstrebende Märkte.

"Der Schock wird noch lange nachwirken." Das prophezeit der in Istanbul stationierte Stratege einer deutschen Großbank. "Vielleicht werden wir nicht erst in zwei Monaten, sondern schon in einem Monat in der Türkei den nächsten Marktzusammenbruch erleben." Das Zerwürfnis zwischen Regierungschef Bülent Ecevit und Staatspräsident Necdet Sezer habe die Türkei bei der Rückgewinnung des internationalen Vertrauens nach der IWF-Stützungsaktion vom November 2000 stark zurückgeworfen. Gewisse Rückwirkungen auf andere Emerging Markets blieben nicht aus.

Nach dem Kurseinbruch von 14 % gaben türkische Aktien am Dienstag weitere 4 % nach. Nach Währungsabflüssen von 5 Mrd. $ am Montag sei gestern fast die Hälfte der gestrigen Abflüsse an die Zentralbank zurückgeflossen. Sowohl die Ergebnisse der Schatzwechsel- Auktion als auch die auf 1 000 % hoch schießenden Tagesgeldsätze hätten zu dem Rückfluss geführt.

In der gestrigen Auktion platzierte nach Angaben der Deutschen Bank die Türkei 1,847 Billionen Lire (2,7 Mrd. $) mit einer Verzinsung von 144 % am Markt und verkaufte 518,6 Mill. $ Dollaranleihen mit einer Laufzeit von vier Monaten. Zuvor hatten die Schuldenmanager die kürzere Laufzeit der T-Bills angekündigt. Dass die Türkei Dollar-Papiere mit viermonatiger Laufzeit anbietet, wurde von Beobachtern mit dem Hinweis aufgenommen, dass sich dies für türkische Eurobonds negativ auswirken werde.

Weil die Zentralbank gestern das Refinanzierungsfenster schloss, zwang sie die Banken, sich zur Deckung größerer offener Positionen türkische Lire gegen Dollar zu beschaffen. Marktakteure schätzen, dass am Montag der größte Teil der von Ausländern gehaltenen liquiden Guthaben - etwa 2,5 Mrd. $ bis 3 Mrd. $ - in wenigen Stunden die Türkei verlassen hat. Am Dienstag hätten am Bosporus "nur noch die Lokalmannschaften gespielt".

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