Die Portfoliomanager nehmen nur langsam den Fuß von der Bremse
Offensiv investieren im neuen Jahr

Die Musterdepots sehen weniger angriffslustig aus, als man vielleicht annehmen würde. Wahrscheinlich warten die Vermögensmanager noch bis zum Frühjahr, bevor sie stärker auf Technologietitel setzen.

FRANKFURT/M. Die Portfoliomanager von Wertpapierdepots mit hohen Aktienanteilen wittern Morgenluft. Denn die meisten Analysten erwarten für 2002 eine fortgesetzte Erholung an den Börsen. Allerdings sollten private Investoren bedenken, dass sie sich mit solchen Depots ganz und gar der hohen Schwankungsanfälligkeit der Dividendentitel und auch deren Rückschlagsgefahren aussetzen. Denn voll investierte Depots dieser Klasse streuen nur innerhalb der Aktienwelt. Puffer in Form von festverzinslichen Anleihen oder Geldmarktpapieren, die das Risiko reduzieren, spielen nur eine untergeordnete Rolle. Auch stellen die abgebildeten Musterdepots lediglich eine Momentaufnahme dar. Schon im Januar kann der Anlagemix wieder anders aussehen.

Diesen "Nebenwirkungen" offensiver Strategien stehen überdurchschnittliche Kurschancen gegenüber. Diese wollen etwa die Depotstrategen bei der SEB AG nutzen, die ihre Aktienquote im chancenorientierten Portfolio nach 50 % im September kontinuierlich nach oben geschraubt haben. "Wir gehen von einer Wachstumsbelebung in den USA aus, die dann mit zeitlicher Verzögerung in Euroland greifen sollte", sagt SEB-Portfoliomanagerin Tina Koch.

Das Musterdepot, das für private Kunden mit einer Mindestanlage von 125 000 Euro gedacht ist, sei für 2002 stärker auf zyklische Titel ausgerichtet. Vor allem auf Grund des erwarteten Gewinnwachstums in Euroland von durchschnittlich 20 % - von einer stark gedrückten Basis in diesem Jahr - sollte der Stoxx 50-Index bis Ende 2002 zwischen 4 250 und 4 500 ankommen, der Dax ungefähr bei 6 000 Punkten.

Telefonica als Favorit

Zu den Favoriten im Depot gehört für Portfoliomanagerin Koch die Telefónica-Aktie. Das Unternehmen weise einen vergleichsweise günstigen Verschuldungsgrad auf. Die Bedenken wegen des starken Engagements in Lateinamerika hält sie für übertrieben, denn "dort telefoniert man auch bei schlechter Konjunktur gerne und oft". Innerhalb des Industriesektors, der seine Bodenbildung schon hinter sich habe, ist das SEB-Team von der Jenoptik-Aktie überzeugt. Die prognostizierten zweistelligen Zuwachsraten seien nicht vollständig eingepreist, erläutert Koch.

Den Mediensektor repräsentiert Vivendi Universal. Die Analysten von Merrill Lynch haben jüngst auf das Wachstumspotenzial im Geschäft mit PC-Spielen hingewiesen. Der Titel hat auch Eingang in das SEB-Portfolio gefunden. Die Dresdner Bank geht mit ihrem dynamischen Depot mit einem Aktienanteil von aktuell 87 % (Bandbreite 65 bis 100 %) in das neue Jahr. Bei einem Anlagehorizont von mindestens zwölf Monaten erwarte man eine weltweite Performance von zehn bis 15 %, erklärt Portfoliomanager Helmut Knott. Als Richtschnur für die Anlagesumme unterstellt er 250 000 Euro. Niedrigere Beträge bedeuteten zu kleine Stückelungen und damit zu hohe Transaktionsgebühren. Hinter der Depotstruktur steht ein aufwändiges Verfahren zur Risikooptimierung. Im Sinne des "Value-at-risk"-Ansatzes lasse sich prognostizieren, dass das Musterdepot bei statischer Anlage mit einer Wahrscheinlichkeit von 71 % in 2002 keinen Wertverlust erleiden wird. Im schlechtesten Fall - Eintrittswahrscheinlichkeit 1 % - wäre ein Minus von 23 % möglich.

Auffällig ist, dass sich das Dresdner Bank-Team stark auf Endloszertifikate stützt, wobei auf die verschiedenen Dow Jones Titans-Indizes aufgesetzt wird. "Mit diesen Instrumenten spielt man jeweils 30 Werte, die mindestens 50 % der weltweiten Marktkapitalisierung im betrachteten Segment abbilden", erklärt Knott. Eine Besonderheit ist der Topix-Partizipationsschein, mit dem man, abgesichert gegen Währungsrisiken, auf japanische Aktien setzt. "In ein international gut gestreutes Depot gehört auch ein wenig Japan", sagt Knott.

RWE als "Libero"

Die Telekom-Aktien seien vergleichbar mit der Sturmreihe im Fußball, erläutert Stratege Knott. Hier sei man etwas höher gewichtet als die Benchmark MSCI Welt. Ebenfalls stark vertreten sind Finanztitel, wobei die Hoffnungen u.a. auf der Citigroup und der UBS ruhen. Letztere sei wegen der starken Stellung im Asset Management ins Depot gekommen. Mit RWE als einzigem Versorger habe man eine Art "Libero" gekauft. Als defensiver Wert solle er zwar "hinten aushelfen", gleichzeitig habe die Aktie wegen des erheblichen Potenzials zur Kosteneinsparung in der Stromerzeugung und wegen der Wachstumsphantasie im Wassergeschäft das Zeug, die Performance nach vorn zu bringen.

Obwohl das Depot offensiv ausgerichtet ist, fehlen Aktien von der Nasdaq und dem Neuen Markt fast gänzlich. "Momentan würden wir solche Papiere eher in ein spekulatives Depot nehmen, vielleicht greifen wir aber im Verlauf des nächsten Jahres zu", sagt Knott.

Auffällig ist bei den Musterdepots aller Großbanken, dass bei den Zertifikaten und Fonds oft auf Produkte aus dem eigenen Haus zurückgegriffen wird. Vor allem unabhängige Vermögensverwalter meinen, dass solche Treue zum Konzern zu Lasten der Performance des Depots gehen kann. Die Strategen der Banken entgegnen, dass sie bei den "Hausmarken" die Manager kennen und deren Anlagestil einschätzen können. Auf diese Weise sei mehr Transparenz als bei "fremden" Produkten gegeben.

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