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Die Post kommt

Am 20. November ist es soweit: Dann soll die Post auch an der Börse abgehen. Analysten und Fondsmanager blicken allerdings mit gemischten Gefühlen auf die Mammutemission des Staatskonzerns.

mm/pot HANDELSBLATT. Ein Börsengang ist harte Knochenarbeit. In den kommenden drei Wochen braucht Post-Chef Klaus Zumwinkel gute Nerven und jede Menge Kondition. Er wird rund um die Welt fliegen, quer durch Europa nach Asien in die USA und wieder zurück. Bis zu acht Termine täglich stehen auf dem dicht gedrängten Programm des Konzernlenkers. Das heißt, achtmal am Tag kritische Fondsmanager und Vermögenswerwalter von den Vorzügen der "Aktie Gelb" zu überzeugen. Der Vorstandschef wird "gegrillt" - so nennt man die bohrenden Fragen der Analysten im Branchenjargon.

Zumwinkels Einsatz im Börsenspiel der Post ist hoch. Rund ein Viertel seiner 1,1 Mrd. Post-Aktien will der Bund an den Markt bringen und damit eine neue Volksaktie schaffen. Die Analysten der Konsortialbanken schätzen den Wert dieses Pakets auf fünf bis sieben Mrd. Euro. Damit wagt die Post in schwierigen Börsenzeiten eine der größten Emissionen in diesem Jahr.

Solide, aber nicht besonders aufregend

Während Zumwinkel auf seiner Welttournee um das Wohlwollen der internationalen Großinvestoren wirbt, haben die deutschen Analysten und Fondsmanager ihr Urteil über die Post-Aktie bereits gefällt. Der Tenor: "Solide, aber nicht besonders aufregend". "Als Wachstumswert kann man die Post nicht gerade bezeichnen", meint Rolf Drees, Sprecher der Investmentgesellschaft Union Investment. Aber Substanz bringe die Aktie auf jeden Fall mit. Analyst Hartmut Moers vom Bankhaus Julius Bär lobt die "hervorragende Positionierung in stark wachsenden Märkten". Mit rund drei Dutzend Übernahmen habe sich die Post die Basis geschaffen, um im Konzert der internationalen Logistikgrößen mitspielen zu können.

Doch hier beginnen auch schon die Probleme: Denn um das Potenzial zu heben, muss Zumwinkel die Neuerwerbungen erst einmal in seinen Konzern einbauen, und das könnte dauern. Nach einem Gewinnsprung in diesem Jahr rechnet daher Moers bis 2002 erst einmal mit einem stagnierenden Jahresüberschuss. Gefahren sieht Ralf Walter von der Fondsgesellschaft Adig vor allem in der Abhängigkeit vom monopolgeschützten Briefgeschäft, der Geldmaschine der Post. "Wenn das Monopol 2003 ausläuft, könnten die Margen unter Druck geraten", fürchtet er. Als weiteres Risiko nennt er die Wettbewerbsverfahren, denen sich die Post vor der EU-Kommission stellen muss. Hier könnten saftige Bußgelder drohen.

Der Preis entscheidet über den Erfolg

Angesichts der wenig aufregenden Wachstumsaussichten in den kommenden zwei Jahren sind sich die Experten in einem Punkt einig: Über den Erfolg des Börsengangs wird der Preis entscheiden. Analysten und Fondsmanager fordern eine konservative Bewertung von rund 20 Euro je Aktie. Moers beziffert den fairen Wert der Postpapiere auf 24,40 Euro. Auf Grund der Risiken hält er aber einen deutlichen Abschlag für angebracht. Er rät den Anlegern, die "Aktie Gelb" bis zu einem Ausgabekurs von 20,50 Euro zu zeichnen. Am Samstag, den 28.10., zwei Tage vor Beginn der Zeichnungsfrist, will die Post die Preisspanne für ihre Anteile der Öffentlichkeit präsentieren. Die dürfte, vertraut man den Analystenschätzungen, zwischen 18 und 23 Euro liegen. Damit käme die Post mit einem Bewertungsabschlag im Vergleich zu internationalen Konkurrenten wie UPS, FedEx und der TNT Post Groep auf den Markt.



Köder sind ausgelegt: Rabatte und Treueaktien



Stimmt der Preis, steht nach Meinung der meisten Experten einer erfolgreichen Platzierung nichts im Wege. Zum einen hat die Post gute Chancen, schnell in die Eliteklasse des heimischen Aktienmarkts - den Deutschen Aktienindex (Dax) - aufzusteigen. Das dürfte das Interesse der großen Investmentfonds beflügeln. Zum anderen lockt die Post die Privatanleger in sieben europäischen Ländern nicht nur mit einer millionenschweren Werbekampagne, sondern auch noch mit Treueaktien und Rabatten. Und diese Köder haben schon bei den drei Börsengängen der Deutschen Telekom ihre Wirkung nicht verfehlt.

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