Die Präsidentinnen Indonesiens und der Philippinen, Megawati und Arroyo, haben gute wirtschaftspolitische Berater
Zwei Frauen bestimmen das Schicksal Südostasiens

Sie nennen sich "Schwestern", weil ihre Väter "wie Brüder" waren: Gloria Macapagal Arroyo, Präsidentin der Philippinen, und Megawati Sukarnoputri, Präsidentin Indonesiens. Das Geschwisterbild offerierte Arroyo der Kollegin bei deren Staatsbesuch in Manila Anfang der Woche.

MANILA/SINGAPUR. Glorias Vater Diasdado Macapagal regierte die Philippinen, einziges christliches Land Asiens, von 1961 bis 1965. Megawatis Vater Sukarno ist Gründer Indonesiens, der größten Muslimnation der Welt. Gloria und Megawati gelangten unter gleichen Umständen an die Staatsspitze: als Vizepräsidentin nach dem Sturz der gewählten Präsidenten. Abudurrahman Wahid, Indonesiens erster demokratisch gewählter Präsident, wurde von den Parlamentariern wegen Unfähigkeit abgewählt, Amtsbruder Joseph Ejercito Estrada wegen Korruption durch die Mittelstands-Revolte "People Power II" davon gejagt.

Aber beide Frauen legten als Präsidentin einen guten Start hin, vor allem mit den Wirtschafts-Teams ihrer Kabinette. Sie beriefen international erfahrene Volkswirte, Marktwirtschaftler und Technokraten. Megawatis starker Mann, der Chef-Wirtschaftsminister Dorodjatun Kuntjoro-Jakti, ein angesehener Wirtschaftsprofessor mit Studienerfahrungen in den USA und als Direktor der Weltbank, vermochte den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu beeindrucken. Zur "Berkeley-Mafia" in Jakarta zählen auch Finanzminister Boediono und der Minister für Staatsbetriebe, Laksamana Sukardi. Er sitzt als Chef der staatlichen Treuhandverwaltung Ibra in der Schlüsselposition für Megawatis Reformen. Einen ähnliche Fachmann hat Arroyo mit Finanzminister Jose Camacho, einem Karrierebankier (Citybank) installiert.

Arroyo beherrscht schwierige Wirtschaftsfragen

Während sich Megawati auf ihr Wirtschaftsteam stützt, beherrscht Arroyo, gelernte Volkswirtin mit Zusatzstudium in Washington, die schwierigen Wirtschaftsfragen ihrer Nation aus eigener Kompetenz. Das demonstrierte sie Anfang der Woche in einem einstündigen Gespräch vor Journalisten des Asia News Network, einem Zeitungsverbund aus zwölf Ländern Asiens, der sich als Pionier der Pressefreiheit in Asien versteht. Als Meilenstein "zur Wiederherstellung des Vertrauens der internationalen Investoren und Touristen in unser Land", sieht Arroyo die Feuerpause mit der radikal-islamischen Rebellengruppe MILF (Moro Islamic Liberation Front) und dem militärischen Arm der Kommunistischen Partei an. Die MILF kämpft für die Abtrennung der Insel Mindanao von den Philippinen. Dem Frieden angeschlossen hat sich die Splittergruppe MNLF (Moro National Liberation Front). Politische Analysten in Manila attestieren Arroyo, dass kein Präsident vor ihr so rigoros auf die Rebellen zugegangen sei. "Und das Problem der Abu-Sayyaf-Gangster wird bis Ende dieses Jahres militärisch gelöst", demonstrierte sie verbale Härte vor den Journalisten Auch Megawati fand in ihrer Regierungserklärung mutige Worten für begangenes Unrecht gegen separatistische Rebellen in Aceh oder in West Papua (Irian Jaya).

Aber die Realität hat Arroyo, seit Ende Januar an der Macht, eingeholt. Internationale Investoren warten ab. Nicht zuletzt sorgte sie durch widersprüchliche Äußerungen über mögliche Kapitalkontrollen selbst für Konfusion. Auch Megawati, seit Ende Juli Präsidentin, ereilt der Alltag. Noch haussiert die Rupiah, aber die Börse in Jakarta ist wieder auf das Niveau unter Wahid zurückgefallen. Beide stehen vor ihrem Glaubwürdigkeitstest: des Phänomens des "First Husband". Ihre Ehemänner sind als Geschäftsleute umstritten, gegen Arroyos Mann werden Korruptionsvorwürfe erhoben.

Die beiden Herrscherinnen über 300 Millionen Menschen und mehr als 20000 Inseln sind für die Stabilität Südostasiens verantwortlich. Sie regieren Volkswirtschaften mit Strukturdefiziten, beide genießen die Unterstützung des Militärs. Aber eines machte der ehemalige philippinische Präsident Fidel Ramos, der sich als Graue Eminenz hinter Arroyo sieht, in Manila klar: "People Power" - die Methode der Philippiner, Präsidenten davon zu jagen - "ist kein Exportartikel".

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