Die Preise für Internet-Domains steigen
Handel mit Internetadressen ist ein Milliardengeschäft

Findige Geschäftemacher erlösen nach Angaben des Patentamtes jedes Jahr Milliarden-Summen, indem sie sich Marken oder Internetadressen sichern lassen und diese dann an interessierte Firmen verkaufen.

Reuters MÜNCHEN. Viele Geschäftsleute sicherten sich Markenrechte oder "Domains" bekannter Firmennamen, um sie sich dann teuer abkaufen zu lassen, sagte Wolfgang Repenn, Leiter der Prüfstelle für Marken beim Deutschen Marken- und Patentamt, am Freitag in München. Die Firmen scheuten jahrelange Rechtsstreite und zahlten lieber für die Internet-Adressen. So würden in diesem Jahr in Deutschland voraussichtlich bis zu 120 000 Marken angemeldet, fast 40 000 mehr als im Vorjahr, prognostizierte Repenn.

Die Preise für Marken oder Internet-Domains seien zuletzt stark gestiegen, sagte Volker Spitz, Vorstandschef der Münchener Brandstock AG, die ein Web-Portal für Schutzrechte betreibt. So biete ein Niederländer derzeit die Adresse www.bigbrothertv.com in Anlehnung an das umstrittene TV-Spektakel für drei Mill. DM an. Ein Geschäftsmann in Frankreich habe dem Autohersteller DaimlerChrysler für 200 000 Mark die angemeldete Marke "Classe E" verkauft, sagte Spitz.

Die neu gegründete Brandstock AG will mit ihrer Plattform und einer Datenbank für Markenrechte schon im ersten Jahr eine Million Mark Umsatz erzielen. Spitz sagte, die Gewinnschwelle solle bereits im kommenden Jahr bei einem Umsatz im "knapp zweistelligen Millionenbereich" erreicht werden. Bis 2002 wolle Braundstock an die Börse gehen. Gespräche mit Finanzgebern stünden kurz vor dem Abschluss.

Auch in Deutschland boome der Handel mit Produkt- und mit Firmennamen, da viele Firmen zu leichtgläubig seien und nicht rechtzeitig recherchierten, ob ihr Produktname als Marke oder Internet-Adresse schon vergeben sei, sagte Spitz weiter. Eine Privatperson habe sich beispielweise rund 450 Markennamen gesichert. "Da hierfür Gebühren von mindestens 1,2 Mill. DM entstehen, bestehen offenbar erhebliche Geschäftserwartungen", sagte Spitz. Günstiger seien Internet- Adressen, die für 150 Mark angemeldet werden können. "Von der Hausfrau bis zum Studenten aus der Ukraine kennt diese Unsitte keine Grenzen", sagte Spitz.

Als wertvollste Marke der Welt werde derzeit Coca-Cola gehandelt - dafür müssten nach Expertenschätzung bis zu 72,5 Mrd. $ bezahlt werden. Die teuersten Rechte an einer deutschen Marke würden immerhin 21 Mrd. $ kosten - für "Mercedes".

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